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Baden-WürttembergTREND

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Das aktuelle politische Meinungsbild in Baden-Württemberg von Infratest dimap im Auftrag des Südwestrundfunk Stuttgart

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Anja Simon
Senior Projektleiterin Wahlforschung
anja.simon
@infratest-dimap.de

LänderTREND

Baden-Württemberg März 2011

Die Sonntagsfrage misst aktuelle Wahlneigungen und nicht tatsächliches Wahl­verhalten. Sie ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung, der erst am Wahlsonntag abgeschlossen ist. Rückschlüsse auf den Wahlausgang sind damit nur bedingt möglich. Zum einen legen sich immer mehr Wähler immer kurzfristiger vor einer Wahl fest, zum anderen hat die Bedeutung der letzten Wahlkampfphase mit der gezielten Ansprache von unentschlossenen und taktischen Wählern durch die Parteien zugenommen.

Aktuell ist ca. ein Drittel der Wahlberechtigten unsicher, ob sie zur Wahl gehen bzw. welche Partei sie wählen werden. Die Erhebung fand vom 10.- 12. März nachmittags statt und war damit weitgehend abgeschlossen, bevor die Trag­weite des Erdbebens in Japan und der Folge-Katastrophen in verschiedenen japanischen Atomkraftwerken deutlich wurden. Erwartbar ist, dass das Thema Kernenergie / Sicherheit der deutschen Atomkraftwerke in der Endphase des Wahlkampfes in den Vordergrund rückt. Als mögliche Konsequenz sind größere Verschiebungen der politischen Stimmung nicht auszuschließen.

 


Mehrheit für Regierungskoalition

Wenn bereits am kommenden Sonntag in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt würde, könnte die CDU mit 42 Prozent rechnen. Sie kann im Vergleich zur Umfrage im Februar 3 Punkte zulegen. Die Liberalen stabilisieren sich in ihrem Stammland bei unverändert 6 Prozent.

Die SPD kann 1 Punkt zulegen und erreicht 22 Prozent. Die Grünen befinden sich weiter im Abwärtstrend und müssen einen weiteren Verlust von 3 Punkten hinnehmen. Sie fallen mit 21 Prozent hinter die SPD zurück. Die Linkspartei verliert 1 Punkt und würde mit 4 Prozent den Einzug in den baden-württem­bergischen Landtag verpassen. Auf die sonstigen Parteien entfielen zusammengenommen 5 Prozent.

Wäre dies das Ergebnis des Urnengangs, würde die amtierende schwarz-gelbe Regierung über eine klare Mehrheit im Landtag verfügen.

 

Negative Bilanz der Landesregierung

Zwei Wochen vor der Landtagswahl beurteilen die Baden-Württemberger die Landesregierung überwiegend skeptisch. Etwa Vier von zehn (42 Prozent) sind mit der Arbeit des CDU-FDP-Kabinetts sehr zufrieden (2 Prozent) oder zufrieden (40 Prozent). Eine Mehrheit von 56 Prozent kommt zu einem negativen Urteil, wobei sich 39 Prozent weniger zufrieden und 17 Prozent gar nicht zufrieden zeigen.
Acht von zehn CDU-Anhänger (79 Prozent) stehen hinter der Landesregierung, einer von fünf (20 Prozent) zieht jedoch eine kritische Bilanz. Beim Koalitionspartner sind die Meinungen geteilt: Die eine Hälfte der FDP-Anhänger gibt unter dem Strich eine gute Note, die andere Hälfte eine schlechte (49:51 Prozent). Drei Viertel der SPD-Anhänger kommen zu einem kritischen Urteil, ein Viertel (25 Prozent) jedoch lobt das Kabinett Mappus. Am eindeutigsten urteilen die Grünen, die geschlossen Kritik üben.
Im Vergleich zur Situation vor der Landtagswahl 2006 fällt die Bilanz der Landesregierung deutlich schlechter aus. Damals stellte knapp zwei Wochen vor Wahl eine Mehrheit von 57 Prozent dem Kabinett Oettinger ein positives Zeugnis aus.

Direktwahlfrage: Mappus weiterhin knapp vor Schmid

Wenn die Baden-Württemberger ihren Ministerpräsidenten in einer Direktwahl bestimmen könnten, würden sich bei einem Duell zwischen Amtsinhaber Stefan Mappus und seinem Herausforderer Nils Schmid von der SPD aktuell 40 Prozent für Mappus und 36 Prozent für Schmid entscheiden. Mappus konnte zwar im Vergleich zur Umfrage im Februar einen Punkt zulegen, verzeichnet aber weiterhin keinen nennenswerten Amtsbonus.
Die CDU-Anhänger stehen geschlossen (88 Prozent) hinter Mappus und knapp drei von vier FDP-Anhänger (72 Prozent) votieren für den Amtsinhaber. Die Anhänger von SPD und Grünen stehen ebenso geschlossen (86 bzw. 85 Prozent) hinter dem sozialdemokratischen Spitzenkandidaten wie die CDU-Anhänger hinter Mappus. Damit zeigt sich hier weiterhin eine klare Trennung entlang der Parteianhängerschaften.
Im Großraum Stuttgart liegt Schmid knapp vor Mappus (38:36 Prozent), der jedoch im übrigen Baden-Württemberg eine etwas höhere Unterstützung genießt (41:35 Prozent).

Profilvergleich: Mappus gilt als führungsstärker und kompetenter in Wirtschaftsfragen, Schmid als sympathischer und kompetenter in sozialen Fragen

Wie die knappe Führung im Direktvergleich mit Nils Schmid zeigt, konnte sich Stefan Mappus in seiner 14-monatigen Amtszeit keinen ausgeprägten Amtsbonus erarbeiten. Dies belegt auch der Profilvergleich zwischen beiden im Hinblick auf eine Reihe von persönlichen Eigenschaften und Kompetenzen.
Der Ministerpräsident wird von den Baden-Württembergern als die deutlich stärkere Führungspersönlichkeit (51:16 Prozent) betrachtet. Knapp die Hälfte ist der Ansicht, dass er besser zum „Ländle“ passt als Schmid (46:26 Prozent). In der klassischen CDU-Domäne, der Wirtschaftskompetenz, kann Mappus Schmid ebenfalls klar distanzieren (37:14 Prozent). In punkto Bürgernähe liegen beide nahezu gleichauf (30:28 Prozent).
Der SPD-Herausforderer kommt in der Öffentlichkeit besser an als der Amtsinhaber (30:38 Prozent). Schmid gilt als etwas glaubwürdiger als der Ministerpräsident (26:31 Prozent) und stößt auf deutlich mehr Sympathie als Mappus (26:41 Prozent). In der sozialdemokratischen Kerndomäne des Einsatzes für soziale Gerechtigkeit verfügt Schmid über den größten Vorsprung (17:42 Prozent).
Das Ergebnis dieses Profilvergleichs fällt damit ähnlich aus, wie der Vergleich zwischen Günther Oettinger und Ute Vogt vor der Landtagswahl 2006.

 

 

Interesse an der Landtagswahl höher als 2006

Gut zwei Wochen vor der Wahl zeigen sich sechs von zehn Baden-Württem­berger (59 Prozent) sehr stark (24 Prozent) oder stark (35 Prozent) am Urnen­gang interessiert. Insbesondere die Anhänger der Grünen sehen der Wahl mit Spannung entgegen, während die FDP-Anhänger am wenigsten mobilisiert sind.

Damit ist das Interesse an der Wahl deutlich höher als zum selben Zeitpunkt vor der Wahl 2006. Das lässt erwarten, dass – nicht zuletzt auch aufgrund der Polarisierung im Wahlkampf – die Wahlbeteiligung im Vergleich zu 2006 zunehmen wird. Damals erreichte sie mit 53,4 Prozent einen Minusrekord.

Untersuchungsanlage
Grundgesamtheit:
Wahlberechtigte Bevölkerung in Baden-Württemberg ab 18 Jahren
Stichprobe:
Repräsentative Zufallsauswahl/Randomstichprobe
Erhebungsverfahren:
Computergestützte Telefoninterviews (CATI)
Fallzahl:
1.001 Befragte
Erhebungszeitraum:
10.-12. März 2011
Fehlertoleranz:
1,4* bis 3,1** Prozentpunkte
* bei einem Anteilswert von 5%
** bei einem Anteilswert von 50%
Durchführendes Institut:
Infratest dimap