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Das aktuelle politische Meinungsbild in Sachsen-Anhalt von Infratest dimap im Auftrag des Mitteldeutscher Rundfunk

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Heiko Gothe
Senior Projektleiter Wahlforschung heiko.gothe
@infratest-dimap.de

LänderTREND

Sachsen-Anhalt März 2010

Rund ein Jahr vor der Landtagswahl bleibt die CDU weiterhin stärkste Partei in Sachsen-Anhalt. In der aktuellen politischen Stimmung könnte die CDU 34 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Dahinter folgt die Linke mit einem Wähleranteil von 29 Prozent. Die SPD käme auf 20 Prozent der Stimmen. Während die FDP sich leicht auf 8 Prozent verbessert, geben die Grünen leicht ab, erreichen nur noch 5 Prozent und müssten derzeit um ihren Einzug in den Landtag bangen. Alle anderen Parteien kämen zusammen genommen auf 4 Prozent. mehr »

Regierungszufriedenheit: Mehrheit unzufrieden mit der Koalition

 

Ein Jahr vor der nächsten Landtagswahl ist eine Mehrheit der Bürger in Sachsen-Anhalt unzufrieden mit der Arbeit der CDU/SPD-Regierung: Derzeit äußern sich 58 Prozent weniger (46 Prozent) bzw. gar nicht zufrieden (12 Prozent) mit dem Kabinett Böhmer. Demgegenüber findet die Landesregierung bei vier von zehn ein positives Echo, die sehr zufrieden (1 Prozent) bzw. zufrieden (37 Prozent) mit deren Leistung sind.

 

Dieses mehrheitlich kritische Urteil relativiert sich im Vergleich mit früheren Erhebungen, denn die positive Bewertung der Landesregierung hat seit 2007 um fünf Punkte zugenommen und fällt aktuell sogar etwas besser aus als vor der letzten Landtagswahl 2006. Im Vergleich zu 2002, als die SPD-Regierung abgelöst wurde, vergeben sogar fast doppelt so viele gute Noten.

 

Der Blick in die Parteianhängerschaften zeigt, dass die aktuelle Bilanz der Regierung zwischen christ- und sozialdemokratischen Parteigängern recht unterschiedlich ausfällt. Während 59 Prozent der CDU-Anhänger dem Kabinett ein positives Zeugnis ausstellen, ist es unter den SPD-Anhängern nur jeder Zweite (48 Prozent).

 

Böhmer ist bekanntester und beliebtester Politiker

 

Auch wenn die Landesregierung überwiegend skeptisch gesehen wird, kann sie auf der personellen Ebene mit Wolfgang Böhmer punkten. Der sachsen-anhaltische Ministerpräsident ist der beliebteste und bekannteste Politiker des Landes. Fast neun von zehn trauen sich ein Urteil über Wolfgang Böhmer zu. Finanzminister Jens Bullerjahn ist drei Vierteln der Bürger ein Begriff, während mit dem Namen des Wirtschaftsministers Reiner Haseloff lediglich knapp sechs von zehn etwas anfangen können. Die Fraktionsvorsitzenden von Linkspartei und SPD sind nicht einmal jedem Zweiten bekannt. Noch größere Bekanntheitsprobleme haben die Spitzenvertreter der kleinen Parteien FDP und Grüne.

 

Böhmer ist nicht nur der bekannteste, sondern auch der beliebteste Politiker Sachsen-Anhalts: Ein Jahr vor der Landtagswahl sind 57 Prozent der Bürger mit seiner Amtsführung zufrieden, lediglich 25 Prozent sind unzufrieden. Der Regierungschef erhält parteiübergreifend eine positive Resonanz: Sowohl die Anhänger des Regierungspartners SPD als auch die der Oppositionsparteien vergeben überwiegend positive Noten an den früheren Chefarzt.

Der SPD-Finanzminister (45:29 Prozent), sein Kabinettskollege Haseloff (37:19 Prozent) sowie die SPD-Fraktionsvorsitzende Katrin Budde (25:15 Prozent) vereinen mehr positive als negative Stimmen auf sich. Gleiches gilt für den Linke-Landesvorsitzenden Matthias Höhn (14:9 Prozent), den allerdings  nur ein Viertel der Wahlbevölkerung kennt.

Das Urteil der Bürger über den Fraktionsvorsitzenden der Linken (16:16 Prozent), Wulf Gallert, sowie über die Spitzen von FDP und Grünen fällt ausgeglichen aus.

 

Sonntagsfrage: CDU stärkste Kraft, SPD verliert, Linke mit Zugewinnen

 

Rund ein Jahr vor der Landtagswahl bleibt die CDU weiterhin stärkste Partei in Sachsen-Anhalt. In der aktuellen politischen Stimmung könnte die CDU 34 Prozent der Stimmen auf sich vereinen, ein Plus von einem Punkt im Vergleich zur letzten Erhebung im Mai 2009. Dahinter folgt die Linke mit einem Wähleranteil von 29 Prozent, ein deutlicher Zuwachs um 4 Punkte. Die SPD käme auf 20 Prozent der Stimmen, ein Verlust von 4 Punkten binnen Jahresfrist. Während die FDP sich leicht auf 8 Prozent (+1) verbessert, geben die Grünen leicht ab, erreichen nur noch 5 Prozent (-1) und müssten derzeit um ihren Einzug in den Landtag bangen. Alle anderen Parteien kämen zusammen genommen auf 4 Prozent.

 

Der Vergleich mit dem Wahlergebnis vor vier Jahren zeigt, dass die Christ- und die Sozialdemokraten leichte Einbußen zu verzeichnen hätten und die Linke deutlich Zugewinne verbuchen könnte. Auch FDP und Grüne könnten bei der Gegenüberstellung mit dem Abstimmungsergebnis 2006 zulegen.

 

Wäre die aktuelle Erhebung das Ergebnis eines Urnengangs, könnte die amtierende schwarz-rote Koalition weiter regieren. Auch ein Bündnis aus Linke und SPD würde über die Mehrheit der Mandate verfügen.

 

Die Sonntagsfrage misst aktuelle Wahlneigungen und nicht tatsächliches Wahlverhalten. Sie ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung, der erst am Wahlsonntag abgeschlossen ist. Der Anteil der unentschlossenen bzw. unentschiedenen Wahlberechtigten ist mit 37 Prozent sehr hoch. Rückschlüsse auf den Wahlausgang sind damit nur bedingt möglich. Zum einen legen sich immer mehr Wähler kurzfristiger vor einer Wahl fest, zum anderen hat die Bedeutung der letzten Wahlkampfphase mit der gezielten Ansprache von unentschlossenen und taktischen Wählern durch die Parteien zugenommen.

 

Koalitionen: Amtierendes Bündnis findet den meisten Zuspruch

 

Die aktuelle politische Stimmung zeigt, dass von den politisch denkbaren Konstellationen die amtierende Koalition über die eindeutigste Mehrheit verfügt. Sie ist darüber hinaus aber auch die Regierungszusammensetzung, welche aus Sicht der Sachsen-Anhalter die Herausforderungen des Landes am ehesten bewältigen kann: 49 Prozent der Bürger schätzen eine CDU/SPD-Koalition als sehr gut bzw. gut für das Land ein. Von einem Bündnis aus Linke und SPD erwartet ein Drittel (34 Prozent) positive Impulse für Sachsen-Anhalt. Im gleichen Umfang gilt dies für eine rot-rot-grüne Koalition (33 Prozent) sowie eine schwarz-gelbe Landesregierung (32 Prozent). Die in den letzten Woche heftig diskutierte schwarz-grüne Regierungszusammensetzung findet nur bei 19 Prozent wohlwollende Resonanz.

 

Sowohl die Anhänger von CDU als auch die der SPD geben der amtierenden Regierungskonstellation den Vorzug vor anderen Koalitionsvarianten.

Untersuchungsanlage
Grundgesamtheit:
Wahlberechtigte Bevölkerung in Sachsen-Anhalt ab 18 Jahren
Stichprobe:
Repräsentative Zufallsauswahl/Randomstichprobe
Erhebungsverfahren:
Computergestützte Telefoninterviews (CATI)
Fallzahl:
1.000 Befragte
Erhebungszeitraum:
11.-15. März 2010
Fehlertoleranz:
1,4* bis 3,1** Prozentpunkte
* bei einem Anteilswert von 5%
** bei einem Anteilswert von 50%
Durchführendes Institut:
Infratest dimap