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ARD-Deutschlandtrend

August 2005

Knapp sieben Wochen vor der Bundestagswahl besteht nach wie vor eine große Kluft zwischen den Problemen, die die künftige Regierung zu bewältigen hat und den Hoffnungen, die sich diesbezüglich mit den Parteien verbinden. Nur ein Viertel der Deutschen (23 Prozent) ist mit Rot-Grün zufrieden, eine Mehrheit (54 Prozent) glaubt jedoch auch nicht, dass eine Bundesregierung unter CDU/CSU-Führung eine bessere Politik zur Folge hätte. Sollten Union und FDP die Wahl gewinnen, würden davon aus Sicht der Bevölkerung vor allem Unternehmen und wohlhabende Personen, aber auch Familien mit Kindern und die ... mehr »

Knapp sieben Wochen vor der Bundestagswahl besteht nach wie vor eine große Kluft zwischen den Problemen, die die künftige Regierung zu bewältigen hat und den Hoffnungen, die sich diesbezüglich mit den Parteien verbinden. Nur ein Viertel der Deutschen (23 Prozent) ist mit Rot-Grün zufrieden, eine Mehrheit (54 Prozent) glaubt jedoch auch nicht, dass eine Bundesregierung unter CDU/CSU-Führung eine bessere Politik zur Folge hätte. Sollten Union und FDP die Wahl gewinnen, würden davon aus Sicht der Bevölkerung vor allem Unternehmen und wohlhabende Personen, aber auch Familien mit Kindern und die Bildungsinstitutionen profitieren. Für Arbeitnehmer, Arme und Schwache, Arbeitslose und Rentner erwarten die Bürger eher Nachteile.

In keinem anderen Politikfeld ist die Skepsis gegenüber der Politik so groß wie bei der Alterssicherung: 34 Prozent trauen in der Rentenpolitik keiner Partei etwas zu. Und das, obwohl der Handlungsdruck für die Politik groß ist: Neun von zehn Deutschen (89 Prozent) gehen davon aus, dass die gesetzlichen Renten im Alter nicht mehr ausreichen werden, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Trotzdem wird eine gesetzliche Pflicht zur zusätzlichen privaten Altersvorsorge nur von 55 Prozent befürwortet.

Die Union besitzt die Kompetenzführerschaft in der Wirtschafts- (51 Prozent), Arbeitsmarkt- (43 Prozent) und Steuerpolitik (35 Prozent). Die Sozialdemokraten können beim Thema soziale Gerechtigkeit punkten: Hier wird der SPD deutlich mehr zugetraut als vor zwei Wochen (45 Prozent, +7 Punkte). Gleichzeitig verliert die Linkspartei.PDS in diesem Bereich drei Punkte auf jetzt 8 Prozent. Auf der personellen Ebene vergrößert Amtsinhaber Schröder den Vorsprung vor seiner Herausforderin Merkel binnen Wochenfrist von vier auf neun Punkte: Derzeit würden sich bei einer Direktwahl des Kanzlers 48 Prozent für den SPD-Mann und 39 Prozent für die CDU-Frau entscheiden.

Nach langem Ringen haben sich die Fernsehsender mit SPD und Union über die Bedingungen eines Fernsehduells zwischen Schröder und Merkel geeinigt. Vier TV-Sender werden nur ein Fernsehduell übertragen. Dass Terminengpässe der CDU-Chefin nur ein Aufeinandertreffen möglich machen, nimmt allerdings eine knappe Mehrheit Merkel nicht ab: 51 Prozent glauben, dass sie sich vor einem zweiten Duell drückt. Im direkten Vergleich mit dem Kanzler hat sie aus Sicht der Wähler nur wenig Aussichten aus der Konfrontation als Siegerin hervorzugehen: 70 Prozent erwarten, dass Schröder besser abschneiden wird als Merkel.

Wenn bereits am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, käme ein Bündnis aus CDU/CSU (42 Prozent) und FDP (6 Prozent) auf 48 Prozent der Stimmen. SPD (29 Prozent), Grüne (8 Prozent) und die Linkspartei.PDS (11 Prozent) würden zusammen ebenfalls einen Wähleranteil von 48 Prozent erreichen. Damit hätte Schwarz-Gelb zum ersten Mal seit der Neuwahl-Ankündigung Ende Mai seinen Vorsprung vor den politischen Wettbewerbern eingebüßt. Zum ersten Mal geht der Wähleranteil der PDS/WASG zurück.

Knapp die Hälfte der Deutschen (47 Prozent) wünscht sich, dass die nächste Bundesregierung von der Union geführt wird. Eine Große Koalition (39 Prozent) findet mehr Unterstützung als ein schwarz-gelbes Bündnis (29 Prozent). Nur jeder Siebte favorisiert eine Neuauflage von Rot-Grün (14 Prozent), lediglich jeder Zehnte ein Bündnis aus SPD, Grünen und der Linkspartei (10 Prozent).

Das sind die wichtigsten Ergebnisse des DeutschlandTREND vom August, den Infratest dimap im Auftrag der ARD-Tagesthemen und von zehn Tageszeitungen erstellt hat. Im Rahmen einer repräsentativen Erhebung wurden in der Zeit vom 1. bis 3. August 1.120, für die Sonntagsfrage 1.620 wahlberechtigte Personen telefonisch befragt. Für die Frage zum TV-Duell wurden am 3. August 500 Interviews durchgeführt. Die Anlage der Erhebung lässt verallgemeinerungsfähige Aussagen für alle Wahlberechtigten in Deutschland zu, bei einer Fehlertoleranz von plus/minus 1,3 bis 3,0 Prozentpunkten, für die Frage zum TV-Duelle 1,9 bis 4,4 Prozentpunkte.

Untersuchungsanlage
Grundgesamtheit:
Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren
Stichprobe:
Repräsentative Zufallsauswahl/Randomstichprobe
Erhebungsverfahren:
Computergestützte Telefoninterviews (CATI)
Fallzahl:
1.120 Befragte
Sonntagsfrage 1.620 Befragte
TV-Duell-Frage: 500 Befragte
Erhebungszeitraum:
01.08. - 03.08.2005
TV-Duell-Frage: 01.08.2005
Fehlertoleranz:
1,4* bis 3,1** Prozentpunkte
* bei einem Anteilswert von 5%
** bei einem Anteilswert von 50%

Sonntagsfrage:
1,1* bis 2,5** Prozentpunkte
* bei einem Anteilswert von 5%
** bei einem Anteilswert von 50%

TV-Duell-Frage:
1,9* bis 4,4** Prozentpunkte
* bei einem Anteilswert von 5%
** bei einem Anteilswert von 50%
Durchführendes Institut:
Infratest dimap