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ARD-Deutschlandtrend

Dezember 2008

Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise haben zu einer massiven Eintrübung der wirtschaftlichen Stimmung in Deutschland geführt: Die Erwartungen an die wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten 12 Monaten sind erneut mehrheitlich negativ (57 Prozent), im Dezember wird jedoch auch die aktuelle ökonomische Situation von einer großen Mehrheit (73 Prozent) kritisch beurteilt. Im Streit um Steuersenkungen zur Abfederung der Rezession spricht sich eine knappe Mehrheit (53 Prozent) mit Blick auf die Haushaltssanierung für eine spätere umfassendere Steuerreform aus, während 43 Prozent für ... mehr »

Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise haben zu einer massiven Eintrübung der wirtschaftlichen Stimmung in Deutschland geführt: Die Erwartungen an die wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten 12 Monaten sind erneut mehrheitlich negativ (57 Prozent), im Dezember wird jedoch auch die aktuelle ökonomische Situation von einer großen Mehrheit (73 Prozent) kritisch beurteilt. Im Streit um Steuersenkungen zur Abfederung der Rezession spricht sich eine knappe Mehrheit (53 Prozent) mit Blick auf die Haushaltssanierung für eine spätere umfassendere Steuerreform aus, während 43 Prozent für schnelle Steuersenkungen plädieren.

Mittlerweile sind drei Viertel der Deutschen (73 Prozent) der Auffassung, dass der schlimmste Teil der Krise erst noch bevorsteht. Aus Sicht von zwei Dritteln (66 Prozent) hat die Bundesregierung schnell und entschlossen gehandelt - die kritischen Bewertungen nahmen allerdings binnen Monatsfrist zu. Maßnahmen gegen die Rezession sind für 59 Prozent derzeit wichtiger als der Klimaschutz. Angesichts der Schwierigkeiten auch bei den Landesbanken spricht sich im Unterschied zum Vormonat eine Mehrheit (53 Prozent, +8 Punkte) nun gegen eine Beteiligung der öffentlichen Hand an Schlüssel-Unternehmen aus. Eine staatliche Unterstützung der Autoindustrie lehnen sechs von zehn (60 Prozent) ab. Weiterhin macht sich jeder zweite Bürger (51 Prozent) Sorgen um seine persönliche wirtschaftliche Zukunft, immer mehr bangen um ihre Ersparnisse (42 Prozent, +6).

Die überwiegend positive Beurteilung des Krisenmanagements der Bundesregierung sorgt für steigende Zufriedenheit mit der Arbeit der Großen Koalition, gleichwohl sind die Kritiker weiterhin in der Mehrheit (40:59 Prozent). Die Bundeskanzlerin wird als erfolgreiche Vertreterin deutscher Interessen im Ausland wahrgenommen (78 Prozent), die gute Arbeit bei der Bewältigung der Finanzkrise leistet (55 Prozent) - ihr Beitrag für eine Stärkung der Wirtschaftskraft in Deutschland wird jedoch deutlich weniger positiv gesehen als im Oktober (51 Prozent, -17). Darüber hinaus gilt sie für viele eher als Interessenswalterin der Wirtschaft als der kleinen Leute (73 Prozent). Knapp sechs von zehn diagnostizieren zudem mangelnde Führungskraft bei Merkel (58 Prozent).

In der Rangliste der beliebtesten Politiker legt Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Vergleich zum Vormonat 6 Punkte zu und erreicht mit 74 Prozent Zustimmung seinen bisher besten Wert im ARD-DeutschlandTREND. Angela Merkel verliert in gleicher Höhe und bekommt von 65 Prozent gute Noten. Finanzminister Peer Steinbrück kann sich verbessern und mit 57 Prozent seinen Platz 3 stabilisieren.

Vor dem Hintergrund schlechterer Bewertungen auf der Personenebene, aber durchweg verbesserter Kompetenzwerte erreicht die Union in der politischen Stimmung wie im Vormonat 37 Prozent der Wählerstimmen. Für die SPD würden sich derzeit nur 23 Prozent der Wähler entscheiden (-2), sie fällt damit zum wiederholten Mal auf einen Rekordtiefstand (zuletzt im August 2004). Die drei Oppositionsparteien kommen jeweils auf einen Stimmenanteil von 12 Prozent, wobei FDP und Grüne Zuwächse verzeichnen (jeweils +1) und die Linke stabil bleibt. Eine schwarz-gelbe Koalition wäre damit rechnerisch möglich - sie findet zudem von den in diesem Monat abgefragten Koalitionsvarianten den größten Zuspruch: 49 Prozent sehen ein christlich-liberales Bündnis als gut für das Land an, bei der Großen Koalition sind es lediglich 40 Prozent.

Das sind die wichtigsten Ergebnisse des ARD-DeutschlandTREND vom Dezember, den Infratest dimap im Auftrag der ARD-Tagesthemen und von sieben Tageszeitungen erstellt hat. Im Rahmen einer repräsentativen Erhebung wurden in der Zeit vom 1. bis 2. Dezember 1.000, für die Sonntagsfrage vom 1. bis 3. Dezember 1.500 wahlberechtigte Personen telefonisch befragt. Die Anlage der Erhebung lässt verallgemeinerungsfähige Aussagen für alle Wahlberechtigten in Deutschland zu, bei einer Fehlertoleranz von plus/minus 1,4 bis 3,1 Prozentpunkten.

Untersuchungsanlage
Grundgesamtheit:
Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren
Stichprobe:
Repräsentative Zufallsauswahl/Randomstichprobe
Erhebungsverfahren:
Computergestützte Telefoninterviews (CATI)
Fallzahl:
1.000 Befragte
Sonntagsfrage 1.500 Befragte
Erhebungszeitraum:
1.12. -2.12.2008 /
Sonntagsfrage: 1.12. - 3.12.2008
Fehlertoleranz:
1,4* bis 3,1** Prozentpunkte
* bei einem Anteilswert von 5%
** bei einem Anteilswert von 50%

Sonntagsfrage:
1,1* bis 2,5** Prozentpunkte
* bei einem Anteilswert von 5%
** bei einem Anteilswert von 50%
Durchführendes Institut:
Infratest dimap