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ARD-DeutschlandTREND

Oktober 2010

Das Projekt „Stuttgart 21“ ist längst von einem regionalen Problem zu einem bundesweiten Konfliktfall geworden: Jeder zweite Bundesbürger misst dem Projekt eine über die Region hinausgehende Bedeutung bei. Eine Mehrheit (54 Prozent) lehnt den Bahnhofsumbau ab, lediglich ein Drittel (33 Prozent) spricht sich dafür aus. Ein hartes Durchgreifen der Polizei stößt in der Bevölkerung auf breite Ablehnung (71 Prozent). Ungeachtet der demokratischen Legitimation des Projekts zeigen drei Viertel der Deutschen (76 Prozent) großes Verständnis für den Protest gegen „Stuttgart 21“. Dies ... mehr »

Das Projekt „Stuttgart 21“ ist längst von einem regionalen Problem zu einem bundesweiten Konfliktfall geworden: Jeder zweite Bundesbürger misst dem Projekt eine über die Region hinausgehende Bedeutung bei. Eine Mehrheit (54 Prozent) lehnt den Bahnhofsumbau ab, lediglich ein Drittel (33 Prozent) spricht sich dafür aus. Ein hartes Durchgreifen der Polizei stößt in der Bevölkerung auf breite Ablehnung (71 Prozent). Ungeachtet der demokratischen Legitimation des Projekts zeigen drei Viertel der Deutschen (76 Prozent) großes Verständnis für den Protest gegen „Stuttgart 21“. Dies dürfte vor allem an den vermuteten finanziellen Risiken liegen: 71 Prozent meinen, „Stuttgart 21“ sei einfach zu teuer. Der von den Projektgegnern geforderte Baustopp wird von einer großen Mehrheit (77 Prozent) der Deutschen unterstützt. Vor diesem Hintergrund wird auch die klare Positionierung von Bundeskanzlerin Merkel zugunsten des Bauvorhabens überwiegend kritisch (59 Prozent) beurteilt.

 

Aus Sicht von knapp zwei Dritteln (63 Prozent) der Bundesbürger gehen die im „Herbst der Entscheidungen“ gefassten Beschlüsse insgesamt in die falsche Richtung. Im Detail gilt das vor allem für die Neuregelung der Krankenversicherungsbeiträge aber auch für die Verlängerung der Atomlaufzeiten. Einzig die Neuberechnung der Hartz IV-Sätze findet mehrheitlich Zustimmung in der Bevölkerung.

 

Die Grundstimmung, dass es in Deutschland insgesamt nicht gerecht zugeht, setzt sich in diesem Monat weiter fort. Am stärksten in der Kritik steht neben den Managergehältern, deren Höhe einhellig (83 Prozent) als unangemessen bewertet wird, das Steuersystem (75 Prozent). Darüber hinaus wird besonders der Umgang der Gesellschaft mit den sozial Schwachen (73 Prozent) sowie das Lohnniveau als ungerecht angesehen (64 Prozent).

 

Der Unmut in Bevölkerung trifft vor allem die Bundesregierung, mit deren Leistung lediglich ein Fünftel zufrieden ist. Dabei fällt das Urteil über die einzelnen Mitglieder der Bundesregierung sehr differenziert aus. Während Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg einen Rekordwert erreicht und Finanzminister Wolfgang Schäuble seinen breiten Rückhalt ausbauen kann, verlieren Umweltminister Norbert Röttgen, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und Kanzlerin Angela Merkel an Zuspruch. Dieser Vertrauensverlust macht sich auch in der Kanzlerpräferenz bemerkbar. Zwar könnte sich Merkel gegen den SPD-Chef Gabriel bei einer Kanzlerdirektwahl deutlich behaupten, gegen einen SPD-Kandidaten Peer Steinbrück müsste sie sich aber ebenso deutlich geschlagen geben.

 

Die politische Stimmung ist weiterhin günstig für die Grünen: Sie kämen aktuell auf 20 Prozent (+3 im Vergleich zum Vormonat) – ihr höchster bisher gemessener Wert im ARD-DeutschlandTREND. Ebenfalls zulegen kann die Linke (11 Prozent, +1). Während die Regierungsparteien Union (32 Prozent) und FDP (5 Prozent) ihren Wähleranteil stabil halten können, verliert die SPD (27 Prozent, -3). Nur noch 26 Prozent halten Schwarz-Gelb für eine gute Regierungszusammensetzung, vor der Bundestagswahl waren es noch 47 Prozent. Sowohl Rot-Grün (48 Prozent) als auch eine Große Koalition (42 Prozent) genießen mehr Vertrauen.

Untersuchungsanlage
Grundgesamtheit:
Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren
Stichprobe:
Repräsentative Zufallsauswahl/Randomstichprobe
Erhebungsverfahren:
Computergestützte Telefoninterviews (CATI)
Fallzahl:
1.005 Befragte
Sonntagsfrage: 2.005 Befragte
Erhebungszeitraum:
04. bis 05. Oktober 2010
Sonntagsfrage 04. bis 06. Oktober 2010
Fehlertoleranz:
1,4* bis 3,1** Prozentpunkte
* bei einem Anteilswert von 5%
** bei einem Anteilswert von 50%
Durchführendes Institut:
Infratest dimap