Auch 20 Jahre nach der deutschen Einheit gibt es sie noch: die Klischees von den Ost- und den Westdeutschen. Dies sind die Ergebnisse einer Erhebung im Auftrag des ARD-Magazins Fakt.
Die Westdeutschen sind überheblich und geltungssüchtig
Das glauben zumindest mehr als die Hälfte der Ostdeutschen von ihren Landsleuten. Damit zeigt sich: Auch 20 Jahre nach der deutschen Einheit halten sich bestimmte Vorurteile hartnäckig. Denn bereits 1990 gaben gut 50 Prozent der Ostdeutschen bei einer Umfrage an, die beiden Eigenschaften würden eher auf Westdeutsche als auf Ostdeutsche zutreffen. Auch bei den Klischees, Wessis seien egoistisch und spießig, hat sich nicht viel geändert. Damals wie heute sind fast 40 Prozent der Ossis der Ansicht, dass Wessis beides sind. Und jeder dritte Ostdeutsche hält Westdeutsche nach wie vor für rücksichtslos.
Ostdeutsche werden selbstbewusster
Allerdings konnten Westdeutsche aus Sicht der Ostdeutschen auch punkten. So glauben heute nur noch rund 30 Prozent der Ossis, dass Wessis konsumorientiert sind. Vor 20 Jahren waren es noch mehr als 40 Prozent. Die Umfragen zeigen aber auch, dass die Ostdeutschen selbstbewusster geworden sind. Gaben 1990 noch 56 Prozent von ihnen an, die Westdeutschen seien selbstbewusster, sind es heute nur noch 30 Prozent. Auch beim Thema Bildung holen die Ossis in ihrer eigenen Wahrnehmung auf. 1990 hielten noch 26 Prozent von ihnen die Westdeutschen für gebildeter, heute sind es nur noch 13 Prozent.
Ossis sind aus West-Sicht ausländerfeindlich
Auch in den Köpfen der Westdeutschen sind noch so manche Klischees über Ostdeutsche verankert. So halten fast 30 Prozent die Ossis für leicht beeinflussbar, 43 Prozent sogar für ausländerfeindlich. Allerdings hat sich auch hier einiges geändert. Gaben 1990 noch mehr als 60 Prozent der befragten Westdeutschen an, die Ostdeutschen seien obrigkeitshörig, sind es jetzt nur noch 29 Prozent. Beim Thema Demokratie sprechen viele Westdeutschen ihren Landsleuten jedoch Kompetenz ab. Nur noch vier Prozent sagen, die Ossis seien demokratisch, vor 20 Jahren waren es noch 30 Prozent. Für bescheiden werden die Ossis nur noch von jedem Dritten Wessi gehalten. 1990 gab noch jeder zweite Westdeutsche an, die Ossis seien bescheiden.
Beim Thema Fleiß waren sich die Befragten in Ost und West einig. Jeweils zwei Drittel erklärten, es gebe keinen Unterschied mehr.
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