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Baden-WürttembergTREND

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Das aktuelle politische Meinungsbild in Baden-Württemberg von Infratest dimap im Auftrag des Südwestrundfunk Stuttgart

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Anja Simon
Senior Projektleiterin Wahlforschung
anja.simon
@infratest-dimap.de

LänderTREND

Baden-Württemberg Dezember 2010

Stimmungsumschwung: Mehrheit der Baden-Württemberger unterstützt mittlerweile das Großprojekt ‚Stuttgart 21’

Der Konflikt um Stuttgart 21 wurde in den letzten Wochen in den Schlichtungsverhandlungen unter der Leitung von Heiner Geißler in sachlicher und vor allem friedlicher Form fortgeführt – nicht ohne Auswirkungen auf die Einschätzung dieses Projektes. Unmittelbar nach der Verkündung des Schlichterspruchs findet das Großprojekt nun die mehrheitliche Unterstützung der Baden-Württemberger: 54 sprechen sich grundsätzlich dafür aus, 38 Prozent votieren dagegen. Im September wurde das kontroverse Großprojekt noch von einer deutlichen Mehrheit der Baden-Württemberger abgelehnt. (35:54 Prozent). Dieser Stimmungsumschwung fand sowohl in der Landeshauptstadt als auch in ganz Baden-Württemberg statt, so dass die allgemeine Einschätzung des Projektes im ganzen Land nach wie vor einheitlich ausfällt.

Die Anhänger von CDU und FDP sprechen sich mit sehr großen Mehrheiten für Stuttgart 21 aus. Die Unterstützung ist insbesondere in den Reihen der CDU deutlich angestiegen. Bei den SPD-Anhängern, die im September noch mehrheitlich skeptisch waren, wird das Projekt nun – wie von der SPD auch -- mehrheitlich befürwortet. Zwei Drittel der Anhänger von Grünen und Linken votieren dagegen. Auch in den Reihen der Grünen ist die Akzeptanz von Stuttgart 21 nach dem Schlichterspruch gestiegen.

 

Schlichterspruch zu Stuttgart 21 stößt auf große Zustimmung

Dieser Stimmungsumschwung basiert auf den Erfahrungen mit den Schlichtungsverhandlungen, die ja von einem Millionenpublikum live im Fernsehen verfolgt wurden, sowie dem Schlichterspruch von Heiner Geissler, der auf große Zustimmung stößt: Die Mehrheit der Baden-Württemberger sind der Ansicht, dass Geißler die von vorneherein als sehr schwierig eingeschätzte Aufgabe gut bewältigt hat. Zwei Drittel (68 Prozent) bewerten seine Empfehlung, den unterirdischen Durchgangsbahnhof weiter zu bauen, dies aber mit einer Reihe von Nachbesserungen und Auflagen zu verknüpfen, positiv. Ein Viertel der Baden-Württemberger (24 Prozent) ist nicht mit dem Schlichterspruch einverstanden.

Die Befürworter von Stuttgart 21 begrüßen das Ergebnis der Schlichtung nahezu einhellig (88:7 Prozent). Die Gegner sehen es dagegen mehrheitlich (41:52 Prozent) kritisch. Bemerkenswert ist, dass selbst sechs von zehn Anhänger der Grünen sich zustimmend zum Schlichterspruch äußern, obwohl dieser wahrscheinlich den Weiterbau von Stuttgart 21 bedeutet.

 

Direktwahlfrage: Mappus vor Kretschmann

Die Grünen befinden sich bundesweit im Aufwind und haben sich auch im Zuge des Konflikts über Stuttgart 21 zur zweitstärksten politischen Kraft in Baden-Württemberg entwickelt. Ihr Fraktionsvorsitzender Winfried Kretschmann, der bereits bei der Landtagswahl 2006 Spitzenkandidat der Grünen war, hat sich als Herausforderer von Ministerpräsident Stefan Mappus positioniert und setzt darauf, erster Grüner Ministerpräsident eines Bundslandes zu werden.

Im direkten Duell der beiden Spitzenkandidaten kann Stefan Mappus seinen Herausforderer auf Distanz halten. Könnten die Baden-Württemberger ihren Ministerpräsidenten in einer Direktwahl bestimmen, würden 46 Prozent der Baden-Württemberger für Mappus votieren und 31 Prozent für Kretschmann.

Bei den Befürwortern von Stuttgart 21 sprechen sich zwei Drittel für Mappus aus, bei den Gegnern votiert eine klare Mehrheit für Kretschmann. Die CDU-Anhänger stehen weitgehend geschlossen hinter Mappus, die FDP-Anhänger votieren zu zwei Drittel für den Amtsinhaber. Bei den SPD-Anhängern sind die Sympathien geteilt, die Anhänger der Grünen stehen geschlossen hinter Kretschmann. Knapp die Hälfte der Anhänger der Linken unterstützt Kretschmann, fast ebenso viele können sich aber für keinen von beiden entscheiden.

 

Wechselstimmung

Trotz Schlichterspruch: Im Ländle herrscht vor dem Hintergrund des Konfliktes um Stuttgart 21 derzeit eine Wechselstimmung. Eine Mehrheit von 51 Prozent plädiert für einen Wechsel der Landesregierung, eine Minderheit von 39 Prozent spricht sich dafür aus, dass die amtierende Koalition aus CDU und FDP weiter das Land regiert.

Während die Anhänger der Regierungsparteien sich klar für eine weitere Amtszeit aussprechen, plädieren die Anhänger der Oppositionsparteien erwartungsgemäß für einen Wechsel. Ob es dazu kommen wird, darüber werden nicht zuletzt die derzeit noch unentschiedenen Wähler entscheiden – und die tendieren zumindest derzeit zu einem Politikwechsel.

 

Sonntagsfrage: CDU etwas erholt, jedoch weiter keine Mehrheit für Regierungskoalition

Das Ergebnis der Schlichtung hat sich für die CDU positiv ausgewirkt. Sie kann im Vergleich zur Umfrage im September um 4 Punkte zulegen und könnte -- wenn am kommenden Sonntag in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt würde – mit 39 Prozent rechnen. Die Liberalen verharren weiter bei 5 Prozent und liefen damit Gefahr in ihrem Stammland, den Einzug in den Landtag, in dem sie seit 1952 ununterbrochen vertreten sind, zu verpassen. Die SPD leidet unter der Zuspitzung des Konflikts um Stuttgart 21 auf CDU und Grüne. Sie verliert drei Punkte und kommt auf 18 Prozent, ihren niedrigsten je im Baden-WürttembergTREND gemessen Wert. Die Grünen legen einen Punkt zu und kommen auf einen Rekordwert von 28 Prozent und etablieren sich als klar zweitstärkste Kraft. Die Linkspartei käme auf 5 Prozent, und die Wahl wird für sie wohl wieder eine Zitterpartie. Auf die sonstigen Parteien entfielen zusammengenommen 5 Prozent.

Die Sonntagsfrage misst aktuelle Wahlneigungen und nicht tatsächliches Wahl­verhalten. Sie ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung, der erst am Wahlsonntag abgeschlossen ist. Rückschlüsse auf den Wahlausgang sind damit nur bedingt möglich. Zum einen legen sich immer mehr Wähler immer kurzfristiger vor einer Wahl fest, zum anderen hat die Bedeutung der letzten Wahlkampfphase mit der gezielten Ansprache von unentschlossenen und taktischen Wählern durch die Parteien zugenommen.

 

Positive Bewertung der allgemeinen Entwicklung in Baden-Württemberg

In den letzten Monaten folgte auf eine Phase des heftigen Protests und intensiver Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 eine ruhige Phase der öffentlichen Schlichtung, die von allen Seiten Lob erfahren hat. Vor diesem Hintergrund bewerten die Baden-Württemberger die allgemeine Lage im Land positiv: Zwei Drittel (66 Prozent) sind der Meinung, dass sich das Land im Allgemeinen in die richtige Richtung entwickelt, einer von fünf (21 Prozent) hat jedoch skeptische Zukunftserwartungen.

Untersuchungsanlage
Grundgesamtheit:
Wahlberechtigte Bevölkerung in Baden-Württemberg ab 18 Jahren
Stichprobe:
Repräsentative Zufallsauswahl/Randomstichprobe
Erhebungsverfahren:
Computergestützte Telefoninterviews (CATI)
Fallzahl:
1.000 Befragte
Erhebungszeitraum:
1. Dezember 2010
Fehlertoleranz:
1,4* bis 3,1** Prozentpunkte
* bei einem Anteilswert von 5%
** bei einem Anteilswert von 50%
Durchführendes Institut:
Infratest dimap