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LänderTREND

Baden-Württemberg März 2016 im Auftrag der ARD

Zehn Tage vor der Landtagswahl liegen die Grünen in Baden-Württemberg in der politischen Stimmung erstmals vor der CDU. Bei einer Wahl zum jetzigen Zeitpunkt könnten die Grünen 32 Prozent der Stimmen erzielen, die CDU käme auf 28 Prozent. Die SPD könnte aktuell mit 13 Prozent rechnen und die FDP mit 8 Prozent. Mit 13 Prozent würde die AfD in den Landtag einziehen, während dies der Linken mit 4 Prozent verwehrt bliebe. Bei einem solchen Wahlausgang hätte Grün-Rot keine Regierungsmehrheit in Baden-Württemberg. Über eine rechnerische Mehrheit würde ein Bündnis von Grünen und CDU verfügen -- ebenso die Drei-Parteien-Koalitionen Grüne, SPD und FDP sowie CDU, SPD und FDP. Eine Koalition von CDU und SPD hätte aktuell dagegen keine Mehrheit.

Die starke Stellung der Grünen basiert auf einer positiven Regierungsbilanz und dem hohen Ansehen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Mit der Arbeit der ersten grün-roten Landesregierung in einem Bundesland sind 65 Prozent der Wahlberechtigten in Baden-Württemberg-Württemberg zufrieden – dies ist der höchste Zustimmungswert der gesamten Legislaturperiode. Winfried Kretschmann ist es zudem mit seiner Amtsführung gelungen, die Rolle eines überparteilichen Landesvaters einzunehmen. Könnten die Baden-Württemberger Ihren Ministerpräsidenten direkt wählen, würden Kretschmann etwa zwei Drittel (64 Prozent) dem CDU-Herausforderer Guido Wolf (17 Prozent) vorziehen, wobei Kretschmann in allen Bevölkerungsgruppen einschließlich der CDU-Anhänger vor Wolf liegt.

Angesichts dieser positiven Bilanz und Kretschmanns hoher Popularität herrscht keine Wechselstimmung: 51 Prozent plädieren dafür, dass die Landesregierung weiter von den Grünen geführt wird, für eine CDU-geführte Landesregierung votieren 34 Prozent. Die Fortsetzung des grün-roten Regierungsmodells findet auch die größte Unterstützung (52 Prozent) vor einem Bündnis von Grünen und CDU (44 Prozent). Ein Drittel erwartet von einer Koalition von CDU und SPD positive Impulse für das Land (32 Prozent); Dreiparteien-Koalitionen genießen dagegen geringere Unterstützung.

Beim Thema Flüchtlingspolitik stoßen die beiden führenden Landesparteien auf ähnliches Vertrauen: 22 Prozent trauen den Grünen, 21 Prozent der CDU am ehesten zu, die Flüchtlingssituation in Baden-Württemberg in den Griff zu bekommen. Allerdings zeigt sich die Verunsicherung der Wahlberechtigten deutlich: Gut jeder Dritte kann hier keine Partei seines Vertrauens benennen. Der Vorstoß des CDU-Spitzenkandidaten Guido Wolf, sich in der Flüchtlingsthematik von der Position der Kanzlerin abzusetzen, stößt bei jedem zweiten Baden-Württemberger auf Kritik (51:41 Prozent). Die Skepsis ist in Reihen der CDU noch ausgeprägter: während 31 Prozent Wolfs Initiative stützen, kommen 59 Prozent der CDU-Anhänger zu einem kritischen Urteil.

 

Die Sonntagsfrage misst aktuelle Wahlneigungen in der Bevölkerung und kein tatsächliches Wahlverhalten. Sie ermittelt einen Zwischenstand in der Präferenzbildung der Wahlbevölkerung, die erst am Wahlsonntag vollständig abgeschlossen ist.
Rückschlüsse auf den Wahlausgang sind zum jetzigen Zeitpunkt nur bedingt möglich. Viele Wähler legen sich erst sehr kurzfristig vor einer Wahl fest. Eine große Bedeutung hat zudem der Schlußspurt des Wahlkampfs mit der gezielten Ansprache von unentschlossenen und taktischen Wählern.
Unter denjenigen, die aktuell in der Sonntagsfrage eine Parteipräferenz benennen, gibt in Baden-Württemberg etwa jeder Fünfte an, dass sich seine Wahlentscheidung bis zum Urnengang ggf. auch noch einmal ändern könnte.   

 

 

Untersuchungsanlage

Grundgesamtheit:Wahlberechtigte Bevölkerung in Baden-Württemberg ab 18 Jahren

Stichprobe:Repräsentative Zufallsauswahl/Randomstichprobe

Erhebungsverfahren:Computergestützte Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl:1002 Befragte

Erhebungszeitraum:29. Februar bis 02. März 2016

Fehlertoleranz:1,4* bis 3,1** Prozentpunkte
* bei einem Anteilswert von 5%
** bei einem Anteilswert von 50%

Durchführendes Institut:infratest dimap

Wahlforschung

Anja Miriam Simon

Senior Projektleiterin Meinungs- und Wahlforschung

anja.simon @infratest-dimap.de