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Das aktuelle politische Meinungsbild in Sachsen-Anhalt von Infratest dimap im Auftrag des Mitteldeutscher Rundfunk

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Heiko Gothe
Senior Projektleiter Wahlforschung heiko.gothe
@infratest-dimap.de

LänderTREND

Sachsen-Anhalt Mai 2009

Die Auswirkungen der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise verunsichern die Bevölkerung in Sachsen-Anhalt. Fast jeder Zweite (44 Prozent) befürchtet, dass sich seine persönliche wirtschaftliche Situation durch die Krise verschlechtern wird. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten in Sachsen-Anhalt teilen diese Sorge dagegen nicht: 55 Prozent rechnen damit, dass sich die Krise nicht auf die eigene wirtschaftliche Lage auswirken wird. mehr »

Wirtschaftskrise: Sorgen um persönliche wirtschaftliche Situation weit verbreitet

 

Die Auswirkungen der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise verunsichern die Bevölkerung in Sachsen-Anhalt. Fast jeder Zweite (44 Prozent) befürchtet, dass sich seine persönliche wirtschaftliche Situation durch die Krise verschlechtern wird. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten in Sachsen-Anhalt teilen diese Sorge dagegen nicht: 55 Prozent rechnen damit, dass sich die Krise nicht auf die eigene wirtschaftliche Lage auswirken wird.

 

Sowohl die Anhänger der Linkspartei als auch die Anhängerschaft der FDP befürchten mehrheitlich negative Folgen durch die aktuelle Wirtschaftskrise. Bei den Anhängern der anderen Parteien überwiegt dagegen die Zuversicht. Männer sind deutlich zuversichtlicher als Frauen und im Vergleich der Altersgruppen überwiegt die Sorge nur bei Personen zwischen 45 und 59 Jahren.

 

Sonntagsfrage Landtagswahl: Weiterhin Mehrheit für Koalition aus CDU und SPD

 

Wäre am kommenden Sonntag Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, würde die CDU stärkste Kraft werden. Sie käme derzeit auf einen Wähleranteil von 33 Prozent. Zweitstärkste Partei im Land bliebe die Linke, die 25 Prozent der Stimmen erreichen würde und damit knapp vor der SPD liegt, die mit 24 Prozent der Voten rechnen könnte. Mit 7 Prozent würde die FDP erneut in das Landesparlament einziehen. Auch die Grünen würden mit 6 Prozent der Stimmen den Sprung in den Magdeburger Landtag schaffen, in dem sie seit 1998 keine Fraktion mehr stellen. Alle anderen Parteien kämen zusammen auf 5 Prozent, darunter die Rechten mit einem Stimmenanteil von 2 Prozent. 

 

Im Vergleich zur letzten Erhebung im April 2007 müssen die Christdemokraten 2 Punkte abgeben, während die Grünen an Rückhalt gewinnen (+2 Punkte).

 

Wäre dies das Ergebnis eines Urnengangs, könnte zum einen die derzeitige Koalition aus CDU und SPD in Sachsen-Anhalt weiterhin regieren, zum anderen könnte auch ein rot-rotes Bündnis eine Mehrheit der Mandate auf sich vereinigen.

 

Die Sonntagsfrage misst aktuelle Wahlneigungen und nicht tatsächliches Wahl­verhalten. Sie ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung, der erst am Wahlsonntag abgeschlossen ist. Zwei Jahre vor der nächsten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist der Anteil der unentschlossenen bzw. unentschiedenen Wahlberechtigten mit 46 Prozent sehr hoch. Rückschlüsse auf den Wahlausgang 2011 sind damit nur bedingt möglich. Zum einen legen sich immer mehr Wähler kurzfristiger vor einer Wahl fest, zum anderen hat die Bedeutung der letzten Wahlkampfphase mit der gezielten Ansprache von unentschlossenen und taktischen Wählern durch die Parteien zugenommen.

 

Geringes Interesse an der Europawahl – Kommunalwahl stößt auf weitaus mehr Beachtung

 

Vier Wochen vor der Abstimmung über die 99 deutschen Sitze im neuen Europaparlament ist das Interesse an der bevorstehenden Wahl gering. Lediglich jeder fünfte Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt zeigt sich sehr stark (3 Prozent) bzw. stark (17 Prozent) an der Europawahl interessiert. Demgegenüber äußern sich drei Viertel weniger (53 Prozent) oder gar nicht (25 Prozent) an dem Urnengang interessiert.

 

Das größte Interesse an der Wahl zum Europaparlament zeigen die Anhänger der Grünen und der SPD. Die jungen berufsaktiven Jahrgänge der 25-44jährigen sind dagegen am wenigsten am Urnengang zur Europawahl interessiert.

 

Rund 20 Jahre nach der letzten DDR-Kommunalwahl haben die Sachsen-Anhalter Anfang Juni zum vierten Mal die Gelegenheit, ihre kommunalen Interessensvertreter in freier Wahl neu zu bestimmen. Parallel zur Europawahl werden in Sachsen-Anhalt turnusmäßig die Vertretungen von Ortschaften sowie einer Vielzahl von Gemeinden und Städten gewählt. Außerdem wird es einzelne Neuwahlen im Rahmen der aktuellen Gemeindegebietsreform geben. Neben Stadt- und Gemeinderatswahlen finden vereinzelt auch Bürgermeisterwahlen statt.

 

Die bevorstehenden Wahlen auf kommunaler Ebene wecken deutlich mehr Interesse als die politischen Vorgänge in Europa: Mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten zeigen sich an der Kommunalwahl sehr stark (14 Prozent) bzw. stark (39 Prozent) interessiert. 47 Prozent äußern sich dagegen weniger (34 Prozent) bzw. gar nicht (13 Prozent) interessiert.

 

Die Wahlbeteiligung an den Europa- und Kommunalwahlen 2004 lag in den Bundesländern, in denen beide Wahlen zeitgleich stattfanden, deutlich höher als in den Ländern, in denen nur das Europaparlament zur Wahl stand. Dies lässt darauf schließen, dass das Niveau der Wahlbeteiligung am 7. Juni stärker vom höheren Interesse an der Kommunalwahl bestimmt sein wird als vom niedrigen Interesse an der Europawahl.

 

Sechs von zehn zufrieden mit der Entwicklung ihrer Kommune

 

Die Entwicklung ihres unmittelbaren lokalen Umfelds wird von den Bürgern des Landes Sachsen-Anhalt mehrheitlich positiv bewertet. 63 Prozent der Sachsen-Anhalter sind der Auffassung, dass sich ihre Stadt bzw. Gemeinde in den letzten fünf Jahren in die richtige Richtung entwickelt hat. Nur jeder Fünfte (20 Prozent) ist der gegenteiligen Meinung. 11 Prozent können keine Entwicklungsrichtung erkennen, weder im positiven noch im negativen Sinne.

 

Kommunalpolitische Kompetenz: Parteien überzeugen nicht

 

Die überwiegend positive Einschätzung der Entwicklung in den Kommunen spiegelt sich nicht im Vertrauen in die Problemlösungskompetenz der Parteien auf kommunaler Ebene wider. Derzeit können oder wollen 44 Prozent der Sachsen-Anhalter keine Partei benennen, der sie die Lösung der wichtigsten Probleme in ihrer Stadt bzw. Gemeinde zutrauen. Noch am ehesten bringen die Bürger der CDU (21 Prozent) sowie der SPD (18 Prozent) das Vertrauen entgegen, vor Ort etwas zu bewirken. Deutlich weniger Sachsen-Anhalter setzen auf die Linkspartei zur Lösung der wichtigsten politischen Probleme vor Ort (6 Prozent). Der FDP, den Freien Wählern (jeweils 2 Prozent) und den Grünen (1 Prozent) wird nur eine geringe Sachkompetenz auf kommunaler Ebene zugeschrieben.

 

Während die CDU vor allem das Vertrauen der Bürger in kleinen Gemeinden mit weniger als 5 000 Einwohnern genießt (25 Prozent), überzeugt die SPD die Bewohner von großen Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern (24 Prozent).

Untersuchungsanlage
Grundgesamtheit:
Wahlberechtigte Bevölkerung in Sachsen-Anhalt ab 18 Jahren
Stichprobe:
Repräsentative Zufallsauswahl/Randomstichprobe
Erhebungsverfahren:
Computergestützte Telefoninterviews (CATI)
Fallzahl:
1.000 Befragte
Erhebungszeitraum:
8.05. - 12.05.2009

Fehlertoleranz:
1,4* bis 3,1** Prozentpunkte
* bei einem Anteilswert von 5%
** bei einem Anteilswert von 50%
Durchführendes Institut:
Infratest dimap