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Das aktuelle politische Meinungsbild in Thüringen von Infratest dimap im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks

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Heiko Gothe
Senior Projektleiter Wahlforschung heiko.gothe
@infratest-dimap.de

LänderTREND

Thüringen August I 2009

Es sind die großen Themen, die die Thüringer aktuell besonders bewegen: Jeweils sieben von zehn Thüringern machen sich große Sorgen über den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan (69 Prozent), die Qualität der Gesundheitsversorgung (67 Prozent) und die Umweltverschmutzung (65 Prozent). Kriminalität ist für sechs von zehn (59 Prozent) ein bedeutsames Sorgenthema. mehr »

Sorgenbarometer: Vier von zehn Erwerbstätigen sorgen sich um den Arbeitsplatz

Es sind die großen Themen, die die Thüringer aktuell besonders bewegen: Jeweils sieben von zehn Thüringern machen sich große Sorgen über den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan (69 Prozent), die Qualität der Gesundheitsversorgung (67 Prozent) und die Umweltverschmutzung (65 Prozent). Kriminalität ist für sechs von zehn (59 Prozent) ein bedeutsames Sorgenthema.

 

Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise haben auch Themen mit einem hohen persönlichen Bezug wie die eigene Jobsicherheit oder die eigene finanzielle Situation derzeit sichtbares Gewicht im Freistaat. Die Unsicherheit des eigenen Arbeitsplatzes treibt derzeit immerhin vier von zehn Erwerbstätigen (43 Prozent) in Thüringen um. Die eigene finanzielle Situation gibt jedem Dritten (35 Prozent) Anlass zur Sorge.

 

Politikerzufriedenheit: Althaus trotz Einbußen populärster Landespolitiker

Der mit Abstand populärste Landespolitiker ist auch vor dieser Landtagswahl Ministerpräsident Dieter Althaus. Seine Arbeit wird von jedem zweiten Thüringer (51 Prozent) positiv bewertet. Althaus Rückhalt bei den Thüringern fällt allerdings bei weitem nicht mehr so überragend aus wie 2004. Vor der letzten Landtagswahl stellten ihm zwei Drittel (68 Prozent) ein positives Zeugnis aus. Dem CDU-Ministerpräsidenten folgen im Urteil der Thüringer der SPD-Spitzenkandidat Christoph Matschie mit einem Zustimmungswert von 36 Prozent sowie der Spitzenkandidat der Linkspartei, Bodo Ramelow, zu dessen Arbeit sich 31 Prozent zufrieden äußern. Beide Oppositionspolitiker werden damit ähnlich bewertet wie unmittelbar vor der letzten Landtagswahl (Matschie 34 Prozent; Ramelow 32 Prozent) vor fünf Jahren.

 

Weit abgeschlagen sind im Urteil der Thüringer die Spitzenkandidaten von Grünen sowie der FDP, Astrid Rothe-Beinlich sowie Uwe Barth. Beide Politiker kämpfen wie schon bei der letzten Landtagswahl mit dem Problem, durch ihre außerparlamentarische Arbeit nur wenigen im Bundesland so bekannt zu sein, dass sie sich ein Urteil zutrauen. Der Name des FDP-Spitzenkandidaten ist nur gut jedem dritten Thüringer (36 Prozent) ein Begriff, der der Grünen-Spitzenkandidatin sogar nur jedem Vierten (25 Prozent). Während Uwe Barth von 14 Prozent positiv bewertet wird, sind es bei Astrid Rothe-Beinlich 11 Prozent.

 

Sonntagsfrage: CDU gibt ab, SPD legt zu

Stände aktuell die Landtagswahl an, könnte die Union in Thüringen mit einem Stimmenanteil von 34 Prozent rechnen. Sie gibt im Vergleich zu Juni 2 Punkte ab. Die Linkspartei hätte zweieinhalb Wochen vor der Wahl 24 Prozent in Aussicht, die SPD 20 Prozent. Während die Linke genauso liegt wie im Juni, kann die SPD 2 Punkte hinzu gewinnen. Viertstärkste Kraft wäre derzeit die FDP, die wie im Juni mit 9 Prozent sicher im Landtag vertreten wäre. Die Grünen hätten aktuell mit unverändert 6 Prozent den Einzug im Landtag in Aussicht. Alle anderen Parteien kämen momentan zusammen genommen auf 7 Prozent, darunter die rechtsextreme NPD mit 3 Prozent.

 

Die Sonntagsfrage misst aktuelle Wahlneigungen und nicht tatsächliches Wahlverhalten. Sie ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung, der erst am Wahlsonntag abgeschlossen ist. Der Anteil der unentschlossenen bzw. unentschiedenen Wahlberechtigten liegt derzeit bei einem Drittel. Rückschlüsse auf den Wahlausgang am 30. August sind damit nur bedingt möglich. Zum einen legen sich gerade in den neuen Bundesländern überdurchschnittlich viele Wähler erst sehr spät fest. Zum anderen hat die Bedeutung der letzten Wahlkampfphase mit der gezielten Ansprache von unentschlossenen und taktischen Wählern durch die Parteien insgesamt zugenommen. Auch zeigen die jeweils deutlichen Ausschläge zwischen Landtags- und Bundestagswahlen im Freistaat wie wenig sich die Thüringer an die Parteien gebunden fühlen.

 

Interesse an der Landtagswahl: Jeder Zweite am Wahlgang interessiert

Einer der entscheidenden Faktoren für den Ausgang der Wahl am 30. August wird die Wahlbeteiligung sein. Zweieinhalb Wochen vor dem Urnengang findet die Landtagswahl im Bundesland ein geteiltes Echo: Die Hälfte der Wahlberechtigten (49 Prozent) bekundet aktuell ein sehr starkes (13 Prozent) bzw. starkes (36 Prozent) Interesse am Urnengang. Für die andere Hälfte der Thüringer (51 Prozent) ist die bevorstehende Wahl dagegen bislang ein Ereignis von geringer (40 Prozent) oder gar keiner Bedeutung (11 Prozent). Das Wahlinteresse der Thüringer ist damit höher als 2004. Damals interessierten sich zwei Wochen vor dem Wahltermin 43 Prozent für den Wahlgang. Letztlich beteiligten sich 53,8 Prozent der Wahlberechtigten und damit so wenige wie bei keiner Landtagswahl zuvor in Thüringen.

 

Das Interesse am Urnengang variiert zwischen den Anhängerschaften der Parteien erheblich. Besonders aufmerksam blicken derzeit auf die Landtagswahl die Anhänger von Linkspartei und Grünen (jeweils 67 Prozent). In den Reihen von SPD (58 Prozent), CDU (54 Prozent) und FDP (52 Prozent) gibt sich gut jeder Zweite interessiert.

 

Koalitionspräferenz: Modelle unter CDU-Führung bevorzugt, drei von zehn für Rot-Rot-Grün

In der aktuellen politischen Stimmung würde es für eine Neuauflage der seit 1999 bestehenden CDU-Alleinregierung rechnerisch nicht reichen. Von einer Koalition zwischen Union und SPD abgesehen hätten derzeit auch Zwei-Parteien-Bündnisse wie Schwarz-Gelb oder Rot-Rot keine Mehrheit. Die CDU könnte jenseits der großen Koalition ein bürgerliches Bündnis unter Einschluss der Grünen schmieden, das von den Grünen derzeit aber abgelehnt wird. Die Linkspartei hätte momentan nur über ein rot-rot-grünes Bündnis die Chance, in die Regierungsverantwortung zu kommen. Allerdings will die SPD einem solchen Bündnis als Juniorpartner nicht beitreten.

 

Die komplizierten Mehrheitsverhältnisse in der aktuellen politischen Stimmung spiegeln sich in den Koalitionspräferenzen der Thüringer. Zweieinhalb Wochen vor der Wahl überzeugt kein Regierungsmodell eine Mehrheit der Wahlberechtigten. Für Rot-Rot-Grün und damit einen kompletten Regierungswechsel sprechen sich drei von zehn (28 Prozent) aus. 23 Prozent plädieren stattdessen für eine Koalition von Union und SPD, 19 Prozent für eine schwarz-gelbe Regierung. Die Fortsetzung der bestehenden CDU-Alleinregierung unterstützen nur 13 Prozent. Etwa jeden zehnten (9 Prozent) überzeugt keines der vorgelegten Modelle.

 

Die bestehende CDU-Alleinregierung kann mit 41 Prozent Unterstützung auch in den eigenen Reihen nicht mehrheitlich überzeugen. Fast genauso viele Unionsanhänger (36 Prozent) sprechen sich für ein schwarz-gelbes Bündnis aus, immerhin 20 Prozent für eine CDU/SPD-Koalition. Die Anhänger der Thüringer Sozialdemokraten sind in der Koalitionsfrage gespalten: Etwa vier von zehn SPD-Anhängern (46 Prozent) wünschen sich eine Koalition mit der CDU, kaum weniger (41 Prozent) ein gemeinsames Bündnis mit Linkspartei und Grünen. Wegen der eingeschränkten Koalitionsmöglichkeiten sind die Anhänger der Linken und der FDP in der Koalitionsfrage am eindeutigsten positioniert. Die Links-Anhänger machen sich für eine linke Koalition (72 Prozent) stark, die der FDP für ein bürgerliches Bündnis (78 Prozent). Unter den Grünen-Anhängern überwiegt ebenfalls der Zuspruch für Rot-Rot-Grün (53 Prozent). Allerdings würden fast genauso viele Grünen-Anhängern auf eine Regierungsbeteiligung der eigenen Partei in einem Linksbündnis lieber verzichten und stattdessen Koalitionen unter Führung der CDU vorziehen.

Untersuchungsanlage
Grundgesamtheit:
Wahlberechtigte Bevölkerung in Thüringen ab 18 Jahren
Stichprobe:
Repräsentative Zufallsauswahl/Randomstichprobe
Erhebungsverfahren:
Computergestützte Telefoninterviews (CATI)
Fallzahl:
1.000 Befragte
Erhebungszeitraum:
07.08.-11.08.2009

Fehlertoleranz:
1,4* bis 3,1** Prozentpunkte
* bei einem Anteilswert von 5%
** bei einem Anteilswert von 50%
Durchführendes Institut:
Infratest dimap