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ARD-Deutschlandtrend

Juni 2003

Mit der Diskussion um die Agenda 2010 ist es der SPD gelungen, sich wieder stärker als Reformpartei ins Gespräch zu bringen: Sie wird derzeit von 27 Prozent als stärkste Reformkraft wahrgenommen. Die Union überzeugt jedoch nach wie vor am meisten als politische Modernisierungskraft (33 Prozent). Die Skepsis der Bürger gegenüber der Reformkraft der Parteien insgesamt ist allerdings groß: Drei von zehn (28 Prozent) machen bei keiner Partei einen überzeugenden Reformwillen aus. Mit der stärkeren Profilierung der SPD als Reformpartei gewinnt die Bundesregierung etwas an Rückhalt, derzeit sind 18 ... mehr »

Mit der Diskussion um die Agenda 2010 ist es der SPD gelungen, sich wieder stärker als Reformpartei ins Gespräch zu bringen: Sie wird derzeit von 27 Prozent als stärkste Reformkraft wahrgenommen. Die Union überzeugt jedoch nach wie vor am meisten als politische Modernisierungskraft (33 Prozent). Die Skepsis der Bürger gegenüber der Reformkraft der Parteien insgesamt ist allerdings groß: Drei von zehn (28 Prozent) machen bei keiner Partei einen überzeugenden Reformwillen aus. Mit der stärkeren Profilierung der SPD als Reformpartei gewinnt die Bundesregierung etwas an Rückhalt, derzeit sind 18 Prozent (+4 Punkte) zufrieden mit dem Berliner Kabinett. Das Gros der Wähler fällt jedoch nach wie vor ein kritisches Urteil (81 Prozent).

Vor diesem Hintergrund ist die politische Stimmung für die SPD weiterhin ungünstig: Mit einem Anteil von 29 Prozent bei der Sonntagsfrage verharren die Sozialdemokraten in ihrem Stimmungstief, trotz eines Zugewinns von einem Punkt im Vergleich zum Vormonat. Die Grünen kämen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, wie im Mai auf 10 Prozent. Die CDU/CSU könnte ihre Stellung als stärkste Kraft mit 47 Prozent der Stimmen behaupten (-1). Die FDP könnte erneut 7 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen, die PDS bliebe konstant bei 4 Prozent.

In den letzten Wochen ist die Frage diskutiert worden, ob eine Koalition der beiden Volksparteien die Probleme in Deutschland besser lösen könnte als die amtierende Bundesregierung. Eine knappe Mehrheit der Deutschen sieht in einer großen Koalition eine handlungsfähige Alternative (51 Prozent), während 40 Prozent von einem solchen Bündnis nicht überzeugt sind.

Bei der Reform des Rentensystems muss sich die Politik auf große Widerstände in der Bevölkerung einstellen. Die derzeit diskutieren Vorschläge zur Entlastung der Rentenkassen stoßen allesamt auf Ablehnung. Noch am größten ist die Zustimmung für einen Verzicht auf die nächste Rentenerhöhung (42 Prozent einverstanden, 56 Prozent nicht einverstanden). Eine Erhöhung der Krankenkassen-Zahlungen für die Rentner akzeptiert nur jeder Vierte (23:73 Prozent). Am wenigsten populär ist die Erhöhung des Rentenalters auf 67Jahre (16:82 Prozent). Die Ablehnung ist bei den unmittelbar Betroffenen, den Senioren, ähnlich groß wie in den jüngeren Altersgruppen. Das höhere Renteneintrittsalter findet den größten Widerstand bei den nächstfolgenden Rentnergenerationen, den heute 45-59jährigen: Von ihnen lehnen 87 einen späteren Ruhestand ab.

Das sind die wichtigsten Ergebnisse des DeutschlandTREND vom Juni, den Infratest dimap im Auftrag der ARD/bericht aus berlin und von sieben Tageszeitungen erstellt hat. Im Rahmen einer repräsentativen Erhebung wurden in der Zeit vom 2. bis 4. Juni 1.200 wahlberechtigte Personen befragt. Die Anlage der Erhebung lässt verallgemeinerungsfähige Aussagen für alle Wahlberechtigten in Deutschland zu, bei einer Fehlertoleranz von plus/minus 1,2 bis 2,8 Prozentpunkten.

Untersuchungsanlage
Grundgesamtheit:
Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren
Stichprobe:
Repräsentative Zufallsauswahl/Randomstichprobe
Erhebungsverfahren:
Computergestützte Telefoninterviews (CATI)
Fallzahl:
1.200 Befragte
Erhebungszeitraum:
02.06. - 04.06.2003
Fehlertoleranz:
1,2* bis 2,8** Prozentpunkte
* bei einem Anteilswert von 5%
** bei einem Anteilswert von 50%
Durchführendes Institut:
Infratest dimap