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ARD-DeutschlandTREND

Juli 2012

Nach Meinung einer großen Mehrheit der Bevölkerung ist die Euro- und Schuldenkrise noch längst nicht ausgestanden. 85 Prozent rechnen damit, dass uns der schlimmste Teil der Krise noch bevorsteht. Die Sorge vor einer Ausweitung der Krise ist damit so groß wie nie zuvor. Jeder Zweite ist der Meinung, dass der Euro für Deutschland eher Nachteile bringt. Eine Mehrheit (55 Prozent) zieht den Schluss, dass es besser gewesen wäre, die D-Mark zu behalten anstatt den Euro einzuführen. Trotz der Kritik an der Kanzlerin nach dem EU-Gipfel in der letzten Woche stehen die Bundesbürger mehrheitlich hinter dem politischen Kurs von Merkel: Für 58 Prozent hat sie in der Krise richtig und entschlossen gehandelt.

Sollten weitere Kompetenzen von den Mitgliedsländern an die EU verlagert werden, möchten die Bundesbürger dazu gefragt werden: 71 Prozent plädieren für eine Volksabstimmung über die Zukunft der europäischen Haushaltspolitik, lediglich 27 Prozent meinen, dass darüber der Bundestag entscheiden sollte. Im Falle einer Volksabstimmung würden 55 Prozent für die Haushaltsaufsicht durch die Mitgliedsländer selbst, 39 Prozent für eine zentrale Kontrolle durch die EU votieren. Bei der gemeinsamen Haftung für Schulden der Euro-Länder haben die Deutschen keine ganz eindeutige Meinung. Knapp die Hälfte (45 Prozent) ist generell gegen eine gemeinsame Haftung. Genauso viele (44 Prozent) würden dem zustimmen, wenn es klare Regeln dafür gäbe. Lediglich jeder Zehnte ist der Meinung, dass zur Gemeinschaftswährung auch eine gemeinschaftliche Haftung für Schulden gibt.

Von der starken Rolle der Kanzlerin auf EU-Ebene profitiert auch ihre Partei: In den europapolitischen Politikfeldern wird der Union weiterhin mit deutlichem Abstand die größte Kompetenz zugeschrieben. Dies gilt sowohl für die Vertretung deutscher Interessen auf europäischer Ebene (49 Prozent) als auch für die Sicherung der Währungsstabilität (48 Prozent) sowie die Bekämpfung der Finanzkrise (42 Prozent). Die SPD hat ihren Kompetenzschwerpunkt nach wie vor bei der sozialen Gerechtigkeit (41 Prozent), allerdings trauen ihr lediglich 17 Prozent zu, die Euro- und Schuldenkrise in den Griff zu bekommen. Die Liberalen können wieder etwas Sachvertrauen aufbauen, z.B. in der Steuer- und Haushaltspolitik, wenn auch auf niedrigem Niveau.

Bundespräsident Joachim Gauck steigert erneut sein Ansehen: Mit einer  Zustimmungsrate von 81 Prozent ist er auf einem Niveau, das bisher nur wenige Politiker erreicht haben. Außer ihm verzeichnen auch fast alle Parteipolitiker Ansehensgewinne. Kanzlerin Merkel ist in diesem Monat auf Platz Eins mit 66 Prozent – ihr bester Wert seit Dezember 2009. In der Kanzlerpräferenz würden sich die Bundesbürger derzeit für einen Verbleib Merkels im Amt entscheiden, egal, wie der SPD-Herausforderer hieße. Sehr knapp fiele die Entscheidung aus, wenn Peer Steinbrück ihr Kontrahent wäre (45:41 Prozent). 

Die guten persönlichen Werte für die Kanzlerin und Kompetenzwerte für ihre Partei wirken sich in der politischen Stimmung günstig für die Union aus. Die CDU/CSU würde derzeit einen Stimmenanteil von 35 Prozent erreichen (+1 im Vergleich zum Vormonat). Die FDP muss einen Punkt abgeben und würde, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, mit 4 Prozent den Einzug in das Parlament verpassen. Die Sozialdemokraten halten ihren Stimmenanteil von 30 Prozent, die Grünen bauen ihren Wähleranteil auf 14 Prozent aus (+1). Ebenfalls zulegen kann die Linkspartei (+2), während die Piraten erneut 2 Punkte verlieren, so dass beide Parteien derzeit 7 Prozent bekämen.

 

Untersuchungsanlage
Grundgesamtheit:
Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren
Stichprobe:
Repräsentative Zufallsauswahl/Randomstichprobe
Erhebungsverfahren:
Computergestützte Telefoninterviews (CATI)
Fallzahl:
1.004 Befragte
Sonntagsfrage: 1.504 Befragte
Bundeskanzler/-in Direktwahlfragen und Fragen zu „Vor-Nachteilen durch Euro“: 500 Befragte
Erhebungszeitraum:
2. - 3. Juli 2012
Sonntagsfrage: 2. bis 4. Juli 2012


Fehlertoleranz:
1,4* bis 3,1** Prozentpunkte
Bei 500 Befragten: 1,9* bis 4,4** Prozentpunkte
* bei einem Anteilswert von 5 Prozent
** bei einem Anteilswert von 50 Prozent

Durchführendes Institut:
Infratest dimap