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ARD-DeutschlandTREND

September 2014

Angesichts der Vielzahl internationaler Konflikte und Krisen empfindet aktuell mehr als die Hälfte der Bundesbürger die weltpolitische Lage als sehr bedrohlich oder bedrohlich. Angesichts dieser angespannten Lage finden es 56 Prozent richtig, wenn sich Deutschland stärker bei internationalen Krisen engagieren würde. Ganz wesentlich tragen zu den derzeitigen Sorgen der Deutschen der Ukraine-Konflikt und die wachsenden Spannungen zwischen Russland und dem Westen bei: Acht von zehn empfinden das Verhalten Russlands im Ukraine-Konflikt als bedrohlich. Dass sich Russland selbst vom Westen bedroht sieht, können 57 Prozent nicht nachvollziehen. 61 Prozent plädieren in dieser Situation für ein entschiedeneres Auftreten der EU gegenüber Russland als in der Vergangenheit. Entsprechend unterstützt eine Mehrheit im Grundsatz auch die bisherigen Reaktionen der EU auf die Geschehnisse in der Ukraine (57 Prozent). Allerdings ist die Zustimmung zur EU-Russlandpolitik binnen eines Monats deutlich gesunken (-13). Wichtig ist für gut der Hälfte der Bundesbürger, dass Deutschland im Ukraine-Konflikt eine führende Vermittlerrolle einnimmt. Eine Verschärfung von Sanktionen gegen Russland, selbst wenn diese Wirtschaft und Arbeitsplätze in Deutschland treffen, wird weiterhin von der Hälfte der Deutschen abgelehnt.


Die NATO sieht sich mit dem Ukraine-Konflikt vor neuen Herausforderungen in Europa. Die Legitimation des Militärbündnisses steht aktuell für die große Mehrheit der Deutschen außer Frage: Neun von zehn sehen die NATO als wichtig an, um den Frieden in Europa zu sichern. Nur knapp jeder Zehnte hält das Bündnis für überflüssig und plädiert für dessen Auflösung. Hinsichtlich eines stärkeren Engagements des Militärbündnisses im Ukraine-Konflikt sind sich die Deutschen weniger einig: Jeder Zweite spricht sich dafür aus, dass die NATO eine größere Verantwortung im Ukraine-Konflikt übernimmt, vier von zehn sind dagegen. Grundsätzlich skeptisch sind die Deutschen sowohl hinsichtlich einer Ost-Ausdehnung des Bündnisses als auch einer verstärkten Truppenpräsenz an der Bündnisaußengrenze: Eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine lehnen 61 Prozent ab. Die Stationierung von zusätzlichen NATO-Truppen in osteuropäischen Mitgliedsländern finden 60 Prozent nicht richtig.


Sowohl das außenpolitische Agieren Deutschlands als auch die wirtschaftliche Lage im Land geben derzeit einer Mehrheit der Bundesbürger nur wenig Anlass zur Kritik an der Bundesregierung: Ähnlich wie im Vormonat sind sechs von zehn Deutschen (57 Prozent; -2) sehr zufrieden bzw. zufrieden mit der Arbeit des Berliner Kabinetts. In der aktuellen politischen Stimmung kommt die CDU/CSU bundesweit auf 40 Prozent, 1 Punkt weniger als im Vormonat. Die SPD gibt binnen vier Wochen 2 Punkte ab und käme auf 24 Prozent. Die Linke verbessert sich um 1 Punkt, mit 10 Prozent zieht sie gleich mit den Grünen (+/-0). Die AfD befindet sich nach der Landtagswahl in Sachsen im Aufwind. Sie legt 2 Punkte zu und hätte 7 Prozent in Aussicht. Der FDP bliebe mit 3 Prozent (+/-0) derzeit der Einzug in den Bundestag weiterhin verwehrt.

Untersuchungsanlage

Grundgesamtheit:Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren

Stichprobe:Repräsentative Zufallsauswahl/Dual Frame
(Relation Festnetz-/Mobilfunknummern 70:30)

Erhebungsverfahren:Computergestützte Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl:1.003 Befragte
Sonntagsfrage: 1.503 Befragte


Erhebungszeitraum:01. bis 02. September 2014
Sonntagsfrage: 01. bis 03. September 2014

Fehlertoleranz:1,4* bis 3,1** Prozentpunkte

* bei einem Anteilswert von 5%
** bei einem Anteilswert von 50%

Durchführendes Institut:infratest dimap

Wahlforschung

Heiko Gothe

Projektdirektor Meinungs- und Wahlforschung

heiko.gothe @infratest-dimap.de