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LänderTREND

Baden-Württemberg Mai 2019 im Auftrag des SWR

Sonntagsfrage Europawahl: CDU stärkste Kraft in Baden-Württemberg

Wäre bereits am kommenden Sonntag Europawahl, dann würde in Baden-Württemberg die CDU mit 31 Prozent stärkste Kraft, allerdings mit deutlichen Verlusten im Vergleich zu ihrem Wahlergebnis von 2014 (39,3 Prozent). Die SPD käme mit ebenfalls deutlichen Verlusten gegenüber ihrem Wahlergebnis von 2014 (23,0 Prozent) auf jetzt 15 Prozent und würde damit hinter die Grünen zurückfallen. Die Grünen könnten ihren Stimmenanteil auf 23 Prozent steigern, was einem starken Zugewinn gegenüber ihrem letzten Europawahlergebnis (13,2 Prozent) entspräche. Die AfD käme auf 10 Prozent der Stimmen, ein leichter Zuwachs gegenüber 2014 (7,9 Prozent). Die FDP würde mit 7 Prozent ebenfalls zulegen (4,1 Prozent), die Linke käme mit 3 Prozent auf einen ähnlichen Stimmenanteil wie 2014 (3,6 Prozent). Alle anderen Parteien kämen zusammen auf 11 Prozent. Hier erreichen die Freien Wähler 3 Prozent, alle anderen Parteien bleiben unter diesem Wert.

Bei der Europawahl 2019 gibt es keine Sperrklausel und in Baden-Württemberg treten insgesamt 40 Parteien an. Wegen der fehlenden Sperrklausel haben Parteien mit einem bundesweiten Stimmenanteil von 1 Prozent und weniger Chancen auf ein Mandat im Europaparlament. 2014 erhielten so die Freien Wähler, die Piraten, die Tierschutzpartei, die NPD, die Familienpartei, die ÖDP sowie Die PARTEI jeweils einen Sitz.

Die Sonntagsfrage misst aktuelle Wahlneigungen und nicht tatsächliches Wahlverhalten. Sie ermittelt einen Zwischenstand im   Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung, der erst am Wahlsonntag abgeschlossen ist. Rückschlüsse auf den Wahlausgang sind damit nur bedingt möglich. Viele Wählerinnen und Wähler legen sich kurzfristig vor einer Wahl fest. Eine große Bedeutung hat zudem der Wahlkampf mit der gezielten Ansprache von unentschlossenen und taktischen Wählern.

Hohes Interesse an der EU-Wahl

Die Europawahl 2019 stößt in Baden-Württemberg auf ungewohnt hohes Interesse: Knapp drei Viertel (72 Prozent) der Befragten geben an, sich für die Wahl sehr stark oder zumindest stark zu interessieren. Die Europawahl 2019 findet damit deutlich mehr Aufmerksamkeit als die letzten drei Europawahlen, bei denen sich weniger als die Hälfte der Baden- Württemberger (2014: 46 Prozent) interessiert zeigte. Damit liegt erstmals seit 2004 das Interesse an der Europawahl auf einem ähnlich hohen Niveau wie das Interesse an den zeitglich stattfindenden Kommunalwahlen.

Mehrheit sieht Vorteile in der EU-Mitgliedschaft

Das gestiegene Interesse ist auch auf die veränderte Wahrnehmung der EU angesichts der  Auseinandersetzungen um den Brexit und die weitere Entwicklung der Europäischen Union zurückzuführen. Die Hälfte der Baden-Württemberger (52 Prozent) ist der Auffassung, ihr Bundesland ziehe aus der Mitgliedschaft Deutschlands in der Europäischen Union eher Vorteile, was einem Plus von 16 Prozentpunkten im Vergleich zu Erhebung vor der Europawahl 2014 entspricht. Für ein Drittel halten sich Vor- und Nachteile die Waage (37 Prozent) und nur für 5 Prozent überwiegen die Nachteile. Das Meinungsbild hat sich damit deutlich gewandelt und erstmals geht eine deutliche Mehrheit der Baden-Württemberger von positiven Auswirkungen der deutschen EU-Mitgliedschaft auf das Ländle aus.

Zentrale Aufgaben der EU: Bewältigung des Klimawandels und Friedenssicherung

Auch bei der Bewertung der wichtigsten Aufgaben der Europäischen Union zeigen sich deutliche Verschiebungen. Für die Baden-Württemberger sind die Bewältigung des Klimawandels (42 Prozent) und die Erhaltung des Friedens (39 Prozent) aktuell die wichtigsten Themen, um die sich die EU vordinglich kümmern sollte.  Gegenüber 2014 hat die Rolle des Klimawandel erheblich zugenommen (+22 Prozentpunkte) und das Thema Frieden (-6) als Top-Thema abgelöst. Das Themenfeld Zuwanderung und Grenzschutz hat in ähnlichem Umfang wie der Klimawandel an Bedeutung gewonnen (+19) Prozent. Es rückt mit 34 Prozent auf Platz drei vor – trotz des Rückgangs des unmittelbaren Problemdrucks in Deutschland. Aufgrund des großen Bedeutungszuwachses der Themen Klima und Migration haben die übrigen Themen an Stellenwert eingebüßt. Das Themenfeld Soziale Sicherheit bewegt dabei weiterhin etwa ein Drittel der Befragten (31 Prozent, -5). Die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit (19 Prozent, -5) wird von jedem Fünften problematisiert und der  wahrgenommene Problemdruck im Bereich „finanzielle Stabilität“ hat angesichts des Abflauens der Diskussion um die Finanzkrise  deutlich abgenommen (15 Prozent, -18). Die Sicherung des Wohlstandes rangiert wie 2014 (8 Prozent, +-0) am Ende der Problemliste. Der Beitrag der wirtschaftlichen Integration im gemeinsamen Binnenmarkt wird unverändert als eher selbstverständlich wahrgenommen.

Studieninformation

Grundgesamtheit:Inhaltliche Fragen: Deutsche und EU-Bürger ab 16 Jahren
Sonntagsfrage Europawahl: Deutsche und wahlberechtigte EU-Bürger ab 18 Jahren

Stichprobe:Repräsentative Zufallsauswahl

Erhebungsverfahren:Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl:1003 Befragte

Erhebungszeitraum:9.-14. Mai 2019

Schwankungsbreite:liegt mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit
bei einem Anteilswert von 5 Prozent bei unter 1,4 bzw.
bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei unter 3,1 Prozentpunkten.

Durchführendes Institut:infratest dimap