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LänderTREND

Baden-Württemberg April 2020 im Auftrag des SWR

Corona-Krise: Mehrheit befürwortet eine schrittweise Öffnung von Schulen und Gastronomie

Ab dem 4. Mai soll der Schulbetrieb in Baden-Württemberg schrittweise wieder aufgenommen werden. Die stufenweise Rückkehr zum Schulalltag halten zwei Drittel der Bürgerinnen und Bürger (66 Prozent) für richtig. Ein Drittel teilt diese Auffassung nicht, wobei sich 13 Prozent für eine schnellere Öffnung der Schulen aussprechen, ein Fünftel (19 Prozent) dagegen für eine weitere Schließung der Schulen. Die Zustimmung zu einer sukzessiven Wiedereröffnung der Schulen ist unter Bürgern mit formal höherem Bildungsgrad etwas größer (70 Prozent) als unter Bürgern mit formal niedriger Bildung (60 Prozent). Die größte Skepsis besteht unter Anhängern der FDP und AfD, von denen jeweils nur knapp die Hälfte eine allmähliche Rückkehr zur Normalität in den Schulen unterstützt. 

In der aktuellen Diskussion um das Corona-Krisenmanagement in Bund und Ländern wird auch über eine Lockerung der Vorgaben für Hotels und Restaurants gestritten. Eine Mehrheit (60 Prozent) im Land spricht sich für eine stufenweise Wiedereröffnung aus. Jeder Sechste (16 Prozent) möchte, dass Gaststätten und Hotels so schnell wie möglich wieder öffnen. Ein Fünftel (22 Prozent) fände es dagegen besser, wenn sie vorerst geschlossen blieben. Die Unterstützung für eine allmähliche Wiedereröffnung ist unter Bürgern im Alter von 65 Jahren und älter (66 Prozent) größer als unter Jüngeren bis 39 Jahren (55 Prozent). Die größte Zurückhaltung gegenüber einer schrittweisen Wiedereröffnung zeigen auch hier die Anhänger der AfD und FDP (jeweils 49 Prozent). Während sich die Anhänger der AfD besonders häufig für eine möglichst schnelle Wiedereröffnung von Hotels und Restaurants aussprechen (36 Prozent), sind bei der FDP überdurchschnittliche viele dafür, diese vorerst geschlossen zu halten (36 Prozent). 

Bislang große Zufriedenheit mit dem Krisenmanagement der Landesregierung

Das bisherige Krisenmanagement des Stuttgarter Kabinetts findet in der Bevölkerung eine hohe Akzeptanz. Drei Viertel der Wahlberechtigten (73 Prozent) sind sehr zufrieden (14 Prozent) oder zufrieden (59 Prozent) mit dem grün-schwarzen Regierungshandeln. Die Anhänger der Grünen (90 Prozent) und des Koalitionspartners CDU (88 Prozent) stehen fast geschlossen hinter dem Kurs der Landesregierung. Aber auch die SPD-Anhänger (77 Prozent) unterstützen das Corona-Krisenmanagement der Landes-Exekutive mehrheitlich. Im Lager der FDP halten sich Lob und Kritik in etwa die Waage (48:52 Prozent). Bei den Anhängern der AfD überwiegt die Kritik (34:66).

Hohes Vertrauen in Ministerpräsident Kretschmann

Das Vertrauen in das Krisenmanagement der Landesregierung spiegelt sich in den Sympathiewerten des Grünen-Regierungschefs: Winfried Kretschmann kann sein Ansehen im Vergleich zum März nochmals ausbauen und bekommt derzeit von 78 Prozent der Bürger Lob für seine Arbeit. Er überzeugt nicht nur in den eigenen Reihen, sondern auch die Anhänger der anderen Landtagsparteien mehrheitlich. Selbst jeder zweite Anhänger der AfD ist zufrieden mit seiner Arbeit. Bei CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann halten sich Lob und Kritik im Bundesland in etwa die Waage (29:26 Prozent). Sie ist ein Jahr vor der Landtagswahl immer noch vielen Bürgern nicht bekannt (45 Prozent).

Sorge um wirtschaftliche Entwicklung im Land steigt deutlich

Die konjunkturellen Folgen der Corona-Pandemie dürften die Landesregierung in den kommenden Monaten massiv fordern. Die wirtschaftliche Stimmung im Bundesland hat sich innerhalb nur eines Monats deutlich eingetrübt: Blickten die Bürger vor vier Wochen mehrheitlich optimistisch in die Zukunft, überwiegen mittlerweile die Sorgen. Aktuell haben 56 Prozent (+27 Punkte im Vergleich zu März 2020) sehr große oder große Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung, 43 Prozent (-27 Punkte) sind nach wie vor zuversichtlich.

Sonntagsfrage: bundespolitischer Rückenwind für Landes-CDU, Grüne bleiben stärkste Kraft

Trotz des großen Vertrauens in den Grünen-Ministerpräsidenten profitiert in der landespolitischen Stimmung in erster Linie der Koalitionspartner CDU. Die Christdemokraten im Südwesten können aktuell auf starken Berliner Rückenwind setzen und legen gegenüber März um 7 Punkte auf 30 Prozent zu – der beste CDU-Sonntagsfragenwert im BW-Trend seit Februar 2016. Die Grünen geben im Vergleich zu vor vier Wochen 2 Punkte ab, bleiben mit 34 Prozent allerdings stärkste Kraft. Die SPD hätte unverändert 11 Prozent (+/0) in Aussicht, die FDP läge mit 6 Prozent (-1) etwas schwächer als zuletzt. Auch die AfD tut sich in der Corona-Krise schwer. Sie gibt 2 Punkte ab und käme auf 12 Prozent. Die Linke würde mit 3 Prozent (-2) an der Mandatsschwelle scheitern. Alle anderen Parteien kämen zusammen auf 4 Prozent.

Studieninformation

Grundgesamtheit:Wahlberechtigte in Baden-Württemberg

Stichprobe:Repräsentative Zufallsauswahl

Erhebungsverfahren:Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl:1.003 Befragte

Erhebungszeitraum:27. bis 28. April 2020

Schwankungsbreite:liegt mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit
bei einem Anteilswert von 5 Prozent bei unter 1,4 bzw.
bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei unter 3,1 Prozentpunkten.

Durchführendes Institut:infratest dimap

Wahlforschung

Anja Miriam Simon

anja.simon @infratest-dimap.de