Menu

LänderTREND

Baden-Württemberg März 2020 im Auftrag des SWR

Corona: Krisenmanagement in Baden-Württemberg positiv bewertet

In den letzten Tagen ist die Zahl der Bürger, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, auch in Baden-Württemberg gestiegen. Das Krisenmanagement in Baden-Württemberg wird von den Bürgern positiv bewertet. Nach Ansicht von zwei Dritteln (68 Prozent) haben die Behörden und Gesundheitseinrichtungen in Baden-Württemberg die Situation bislang alles in allem unter Kontrolle. Ein Viertel (25 Prozent) hat hingegen Zweifel am öffentlichen Krisenmanagement. Damit ist das Vertrauen der Bürger in das öffentliche Vorgehen in Baden-Württemberg ähnlich hoch wie bundesweit (vgl. DeutschlandTREND vom 5. März).

Wirtschaftliche Stimmung trübt sich ein, Zuversicht überwiegt aber noch deutlich

In Folge des Coronavirus und den jüngsten Meldungen über reduzierte Gewinnerwartungen in der Automobil- und Zulieferindustrie hat sich die wirtschaftliche Stimmung in Baden-Württemberg eingetrübt (-11 Prozentpunkte im Vergleich zu September 2019) und fällt auf den zweitniedrigsten Wert, der bisher im BW-Trend gemessen wurde. Dennoch bewertet immer noch die große Mehrheit (71 Prozent) die aktuelle wirtschaftliche Situation im Land als positiv, ein gutes Viertel (27 Prozent) ist gegenteiliger Auffassung. Auch blicken die Baden-Württemberger mehrheitlich optimistisch in die Zukunft: Mehr als zwei Drittel (70 Prozent, -3 Prozentpunkte im Vergleich zu September 2019) machen sich über die künftige wirtschaftliche Entwicklung im Land keine oder nur geringe Sorgen, 29 Prozent (+2) tragen sich hingegen mit großen oder sehr großen Bedenken.

Große Zufriedenheit mit der Landesregierung und Ministerpräsident Kretschmann

Ein Jahr vor der Landtagswahl überzeugt die Landesregierung weiterhin eine große Mehrheit der Bürger (66 Prozent, +1). Wie schon im September wird die Arbeit der Grünen mehrheitlich positiv (57:39 Prozent), die der CDU hingegen mehrheitlich kritisch (36:58 Prozent) bewertet wird.

Getragen wird die Landesregierung nicht zuletzt vom großen Ansehen des Ministerpräsidenten. Winfried Kretschmann ist der mit Abstand beliebteste Landespolitiker – auch wenn er nicht ganz an das Niveau anknüpfen kann, das er nach der Ankündigung seiner erneuten Kandidatur im September erreichte. Das Gros der Bürger (73 Prozent, -4) ist mit seiner politischen Arbeit zufrieden, wobei er nicht nur im eigenen Lager überzeugt, sondern mehrheitlich auch die Anhänger der anderen Parteien. 

CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann konnte ihr Ansehen im letzten halben Jahr ausbauen, doch ist sie auch ein Jahr vor der Landtagswahl vielen Bürgern nicht bekannt. Bei der Bewertung ihrer politischen Leistung überwiegt anders als im September das Lob die Kritik (30:25 Prozent), knapp die Hälfte (45 Prozent) kann oder möchte sie aber nicht beurteilen. Noch stärker gilt das für die Spitzen der Opposition: der SPD-Landesvorsitzende Andreas Stoch und der FDP-Fraktionsvorsitzenden Hans-Ulrich Rülke sind sechs von zehn Bürgern kein Begriff, den AfD-Fraktionschef Bernd Gögel können drei Viertel (74 Prozent) nicht beurteilen. Bei denen, die sich ein Urteil über ihr politisches Wirken gebildet haben, stößt Andreas Stoch auf ebenso viel Zustimmung wie Ablehnung (20:20 Prozent), bei Hans-Ulrich Rülke (16:23 Prozent) und vor allem Bernd Gögel (8:18 Prozent) überwiegt die Unzufriedenheit.

Nicht nur auf personeller Ebene wird die AfD kritisch gesehen. In weiten Teilen der Bevölkerung bestehet Skepsis gegenüber einer Zusammenarbeit mit der Partei. Knapp zwei Drittel der Baden-Württemberger (63 Prozent) halten es für richtig, dass die anderen politischen Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD grundsätzlich ausschließen. Ein knappes Drittel (32 Prozent) ist gegenteiliger Auffassung.

Sonntagsfrage: Grüne klar stärkste Kraft, CDU mit Rekordtief

Wäre bereits am kommenden Sonntag Landtagswahl, kämen die Grünen auf 36 Prozent. Sie können damit ihr Rekordhoch vom September zwar nicht ganz halten (-2 Prozentpunkte), bleiben aber klar stärkste Kraft. Auf Platz 2 läge ihr Koalitionspartner CDU mit 23 Prozent. Die Christdemokraten fallen nach Verlusten auf ein Rekordtief im BW-Trend (-3). Die SPD kann sich hingegen von ihrem Tief im September leicht erholen und käme auf 11 Prozent (+3). Die AfD läge bei aktuell 14 Prozent (+2), die FDP bei 7 Prozent (-1). Die Linke könnte sich mit aktuell 5 Prozent (+2) Hoffnungen auf einen Einzug in den Stuttgarter Landtag machen. Alle anderen Parteien kämen zusammen auf 4 Prozent.

Bereitschaft für Aufnahme von Flüchtlingen in Baden-Württemberg hoch – wenn andere EU-Staaten mitziehen

An der griechisch-türkischen Grenze halten sich mehrere Tausend Flüchtlinge auf, um in die EU einzureisen. In Baden-Württemberg ist eine Mehrheit der Ansicht (82 Prozent), dass Deutschland und damit auch Baden-Württemberg Flüchtlinge aufnehmen sollte. 45 Prozent knüpfen dies allerdings an die Bedingung, dass auch andere EU-Staaten zur Aufnahme bereit sind. 37 Prozent sprechen sich grundsätzlich auch für eine Aufnahme in Baden-Württemberg aus, selbst wenn andere EU-Staaten dies nicht tun. Jeder Siebte (15 Prozent) lehnt eine Aufnahme grundsätzlich ab.

 

 

Studieninformation

Grundgesamtheit:Wahlberechtigte in Baden-Württemberg

Stichprobe:Repräsentative Zufallsauswahl

Erhebungsverfahren:Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl:1001 Befragte

Erhebungszeitraum:5.-10. März 2020

Schwankungsbreite:liegt mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit
bei einem Anteilswert von 5 Prozent bei unter 1,4 bzw.
bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei unter 3,1 Prozentpunkten.

Durchführendes Institut:infratest dimap

Wahlforschung

Anja Miriam Simon

anja.simon @infratest-dimap.de