BayernTREND Juli 2021

Repräsentative Studie im Auftrag des BR

Sonntagsfrage Bundestagswahl: CSU klar vorn, Grüne mit Abstand zweitstärkste Kraft

Wie erwartet liegt die CSU bei der Sonntagsfrage deutlich vorne: wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, würden aktuell 36 Prozent ihr Kreuz bei den Christsozialen machen. Im Vergleich zum Stimmanteil bei der Bundestagswahl 2017 würden die Christsozialen damit Verluste in einer Größenordnung von etwas weniger als drei Prozentpunkten verbuchen. Als zweitstärkste Kraft – mit deutlichem Abstand zur CSU, aber auch allen anderen Parteien im Freistaat – haben sich bei der Landtagswahl 2018 (damals 17,6 Prozent der Gesamtstimmen) die Grünen etabliert. Die Grünen liegen bei der aktuellen Sonntagsfrage Bund in Bayern bei 18 Prozent. Wer im Freistaat als drittstärkste Kraft aus dem Urnengang am 26. September hervorgeht, ist offen: die FDP mit derzeit 11 Prozent (2017: 10,2 Prozent), die AfD mit 10 (2017: 12,4 Prozent) und die SPD mit aktuell nur 9 Prozent (2017: 15,3 Prozent) liegen dicht beieinander. Die Freien Wähler könnten sich gegenüber 2017 (2,7 Prozent) verbessern und kämen aktuell auf sechs Prozent. Auf alle anderen Parteien entfallen bei der aktuellen Sonntagsfrage für die Bundestagswahl in Bayern sechs Prozent.

Die Sonntagsfrage misst aktuelle Wahlneigungen und nicht tatsächliches Wahlverhalten. Sie ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung, der erst am Wahlsonntag abgeschlossen ist. Rückschlüsse auf den späteren Wahlausgang sind damit nur bedingt möglich. Zum einen legen sich immer mehr Wähler kurzfristig vor einer Wahl fest, zum anderen hat die Bedeutung der letzten Wahlkampfphase mit der gezielten Ansprache von unentschlossenen und taktischen Wählern durch die Parteien zugenommen.

Regierungsbildung Bund: unionsgeführtes Kabinett klar bevorzugt

Auch in der Frage, wer nach der Wahl im September die Regierungsgeschäfte führen und damit auch den Kanzler stellen soll, liegt die Union mit weitem Abstand vorn. Aktuell sprechen sich fast die Hälfte der Wahlberechtigten, nämlich 47 Prozent für eine weiterhin von CDU/CSU geführte Regierung in Berlin aus. Deutlich abgeschlagen in der Akzeptanz rangieren folglich Koalitionsbündnisse, die von der SPD (15 Prozent) oder den Grünen (13 Prozent) angeführt werden könnten.

Die Präferenz für eine unionsgeführte Bundesregierung fällt erwartungsgemäß unter CSU-Anhängern mit 92 Prozent besonders deutlich aus. Auch eine Mehrheit der FDP-Ahänger und der Freien Wähler bevorzugen eine unionsgeführte Regierungskoalition im Bund. Zwar ist der Rückhalt für ein Bundeskabinett unter Führung der CDU/CSU  unter den älteren Wahlberechtigten besonders stark ausgeprägt (54 Prozent bei der Altersgruppe ab 65 Jahren), aber auch bei den unter 40-Jährigen sind von den Grünen oder der SPD geführte Regierungen deutlich im Nachtreffen - es bevorzugen auch hier mehr als 40 Prozent ein von der CDU/CSU geführtes künftiges Regierungsbündnis im Bund.

Direktwahlfrage Bundeskanzler: nur jeder Dritte in Bayern für Laschet

Weniger eindeutig als bei der Frage, welche Partei die nächste Bundesregierung anführen soll, fällt das Votum im Land für die drei Kanzlerkandidaten aus. Könnte man den Bundeskanzler direkt wählen, würde sich aktuell jeder Dritte in Bayern für Armin Laschet als Kanzler entscheiden. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz kommt auf 22 Prozent, die Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock nur auf 15 Prozent. Bei den 65 Jahre und älteren Wahlberechtigten liegt Scholz nur knapp hinter seinem Pendant von der Union (Laschet: 36 Prozent, Scholz: 33). Der Rückhalt für Laschet fällt insbesondere im eigenen Lager niedriger aus als dies bei den Kanzler-Kandidaten von Grünen und SPD der Fall ist: sechs von zehn CSU-Anhängern würden sich aktuell für Laschet entscheiden, jeweils circa sieben von zehn der Grünen- respektive SPD-Anhänger tendieren zu Baerbock beziehungsweise Scholz. 30 Prozent der Wahlberechtigten haben zum derzeitigen Zeitpunkt noch keine klare Präferenz für einen der Kandidaten.

Politikzufriedenheit: Söder mit Abstand am populärsten, Scholz vor Laschet und Baerbock

Der Kampf um und Verzicht auf die Kanzlerkanidatur hat in der Popularität des bayerischen Ministerpräsidenten keine negativen Spuren hinterlassen: Sieben von zehn sind aktuell der Meinung, dass Markus Söder seine Arbeit sehr gut oder gut macht, ein im Vergleich zu Januar dieses Jahres fast identischer Wert. Mehr als 90 Prozent der CSU-Anhänger stellen dem Ministerpräsidenten ein gutes oder sehr gutes Zeugnis aus. Mit der Arbeit von CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet äußert sich derzeit nur gut ein Drittel (34 Prozent) der Menschen in Bayern zufrieden, unter den CSU-Anhängern ist es etwas mehr als die Hälfte. Damit liegt Laschet nicht nur hinter Olaf Scholz, dessen Arbeit von genau 40 Prozent im Land positiv gesehen wird, sondern auch knapp hinter dem FDP-Parteivorsitzenden Christian Lindner (36 Prozent). Deutlich dahinter: die Kanzlerkandidatin der Grünen Annalena Baerbock, mit der sich aktuell nur knapp jeder Vierte  (24 Prozent) zufrieden zeigt. Mit Abstand folgen Dietmar Bartsch von den Linken (17 Prozent Zufriedene) und Alice Weidel von der AfD (10 Prozent).

Wichtigste Probleme: Klimawandel vor Fragen der Pandemiebekämpfung

Rund 80 Tage vor der Bundestagswahl sehen die Bayern den Klimawandel als größtes bundespolitisches Problem (36 Prozent, +27 zu September 2017). In der Problemwahrnehmung ist er im Vergleich zu September 2017 vom fünften auf den ersten Platz vorgerückt und wird nicht mehr nur von Anhängern der Grünen als wichtigstes Problem genannt, sondern auch von Anhängern der CSU, der SPD, der FDP sowie der Freien Wähler. Obwohl die Corona-Pandemie seit über einem Jahr die Nachrichten dominiert, landet sie mit 20 Prozent nur auf Rang zwei, zusammen mit Asyl- und Einwanderungsthemen (20 Prozent, -38). War die Asyl- und Flüchtlingspolitik vor der letzten Bundestagswahl im September 2017 bei den Bayern insgesamt noch das wichtigste Problem, so landet sie heute nur noch bei den AfD-Anhängern auf Platz 1. Sozialpolitische Themen wie Armut/Ungerechtigkeit (18 Prozent, -2) oder die Rente (13 Prozent, -4) werden von mehr als jedem zehnten als wichtigstes Problem betrachtet und spielen eine etwas geringere Rolle als vor der letzten Bundestagswahl im September 2017.

Bayern

Sonntagsfrage

Übersicht & Zeitverlauf

Studieninformation
Grundgesamtheit

Wahlberechtigte Bevölkerung in Bayern

Erhebungsmethode

Zufallsbasierte Telefon- und Online-Befragung

Fallzahl

1.186 Befragte (774 Telefoninterviews und 412 Online-Interviews)

Erhebungszeitraum

02. bis 06. Juli 2021

Schwankungsbreite

2* bis 3** Prozentpunkte

* bei einem Anteilswert von 10%
** bei einem Anteilswert von 50%

© infratest dimap

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29.07.2021, 11:16

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