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LänderTREND

Brandenburg April 2020 im Auftrag des rbb

Corona-Virus: Knapp die Hälfte der Brandenburger sorgt sich vor Ansteckung

Der Kampf gegen das Corona-Virus bewegt Bürger und Politik weltweit. Auch in Brandenburg sind Menschen am Corona-Virus erkrankt und teilweise auch verstorben. Aktuell hat knapp die Hälfte der Brandenburgerinnen und Brandenburger (47 Prozent) sehr große (16 Prozent) oder große (31 Prozent) Sorge, dass sie sich selbst oder Mitglieder der eigenen Familie mit dem Virus anstecken. Der anderen Hälfte (52 Prozent) bereitet das Ansteckungsrisiko weniger große (35 Prozent) oder nur kleine (17 Prozent) Sorgen. Die Befürchtungen, sich mit der Krankheit zu infizieren, sind damit in Brandenburg ähnlich ausgeprägt wie in Deutschland insgesamt: bundesweit bringt ebenfalls die Hälfte der Bürger (51 Prozent) ihre Sorge vor einer Ansteckung zum Ausdruck.

Die Sorge vor einer Infektion mit dem Corona-Virus ist unter älteren Bürgerinnen und Bürgern in Brandenburg höher als unter jüngeren. Während im Alter ab 45 jeder Zweite oder mehr eine Ansteckung mit dem Virus befürchtet, sorgt sich in der jüngeren Generation bis 44 Jahre gut jeder Dritte (35 Prozent).

Ein Drittel sorgt sich um die eigene wirtschaftliche Lage

Um die persönliche wirtschaftliche Lage macht sich die Mehrheit der Brandenburger zwar noch keine ernsthaften Gedanken. Immerhin ein Drittel der Bürger (34 Prozent) befürchtet aber in Folge der Corona-Ausbreitung, dass sich ihre persönliche wirtschaftliche Lage verschlechtert. Dabei ist die Sorge vor den Auswirkungen auf die eigene ökonomische Situation unter Bürgern im erwerbsfähigen Alter bis 64 Jahre größer - hier machen sich vier von zehn Gedanken über die eigene Wirtschaftslage - während sich in der älteren Generation ab 65 Jahren, die sich bereits in Rente oder kurz vor Renteneintritt befindet, nur knapp jeder Fünfte sorgt (18 Prozent).

Regional sind Befürchtungen, dass sich die eigene Wirtschaftslage wegen des Corona-Ausbruchs verschlechtert, in den Braunkohlegebieten (44 Prozent) etwas häufiger als im restlichen Brandenburg anzutreffen (32 Prozent). Brandenburger, die im Berliner Umland leben,  sorgen sich seltener (28 Prozent) als die übrigen Brandenburger (38 Prozent) um die wirtschaftlichen Folgen der Corona Pandemie.

Insgesamt gleicht das Stimmungsbild in Brandenburg in dieser Frage der Einschätzung der Bundesbürger deutschlandweit.

Wirtschaftliche Folgen: Große Auswirkungen auf Tourismus und Landwirtschaft in Brandenburg erwartet

Weitaus mehr als um ihre persönliche Situation – sei es gesundheitlich oder ökonomisch -  bewegt die Brandenburger die Sorge vor den Auswirkungen der Pandemie auf die Wirtschaft im Bundesland. Fast neun von zehn Bürgern (89 Prozent) glauben, dass die Corona-Krise sehr große (48 Prozent) oder große (41 Prozent) Auswirkungen auf die Tourismusbranche im Bundesland hat. Drei Viertel der Brandenburger (78 Prozent) sorgen sich – auch vor dem Hintergrund der anstehenden Spargelsaison – außerdem um die Konsequenzen für Landwirtschaft und Ernte in Brandenburg. 

Auswirkungen auf die Eröffnung des neuen Flughafens BER erwarten 42 Prozent. Weniger häufig werden Folgen in Hinblick auf die Ansiedlung des Tesla-Werkes (28 Prozent) gesehen.

Zufriedenheit mit der Landesregierung: Exekutive punktet in der Krise

Ähnlich wie in anderen Bundesländern und in Deutschland insgesamt kann auch die Brandenburger Landesregierung in der Corona-Krise derzeit auf die Unterstützung der Bevölkerung bauen. Sechs von zehn Bürgern (59 Prozent) sind derzeit sehr zufrieden oder zufrieden mit der Arbeit von Rot-Schwarz-Grün. Ein gutes Drittel (36 Prozent) übt Kritik. Damit erhält die neue Landesregierung eine höhere Unterstützung als die rot-rote Vorgängerregierung in den vergangenen Jahren und verfehlt nur knapp den Rekordwert, der seit Bestehen des BrandenburgTREND für ein Landeskabinett gemessen wurde (60 Prozent vgl. BrandenburgTREND vom Februar 2015).

Kurz vor Amtsantritt im November letzten Jahres stieß die neue Regierungskonstellation durchaus auf Vorbehalte. Damals bewerteten 44 Prozent eine Landesregierung aus SPD, CDU und Grünen als sehr gut oder gut für das Land, 52 Prozent äußerten sich skeptisch (vgl. BrandenburgTREND vom November 2019). Aktuell stehen nicht nur deutliche Mehrheiten der Koalitionsanhänger hinter dem Potsdamer Kabinett, auch in den Reihen der Linken überwiegt ein positives Urteil. Mehrheitlich kritisch äußern sich allein die Anhänger der AfD.

Maßnahmen von Behörden und Gesundheitseinrichtungen stoßen auf große Akzeptanz

Auch die Maßnahmen der Brandenburger Behörden und Gesundheitseinrichtungen stoßen auf große Akzeptanz. Drei Viertel der Bürger (76 Prozent) halten ihr Handeln für angemessen. Jeder Siebte (14 Prozent) kritisiert die Maßnahmen hingegen als nicht ausreichend. Lediglich 9 Prozent bewerten die Vorgaben als übertrieben.

Die Unterstützung für die Entscheidungen der Brandenburger Behörden und Gesundheitseinrichtungen findet sich mehrheitlich in allen Bevölkerungsgruppen. Vergleichsweise hoch ist die Kritik aber in den Reihen der AfD: zwar bewertet auch gut die Hälfte der AfD-Anhänger das Behördenhandeln als angemessen (54 Prozent), 43 Prozent halten die Maßnahmen aber entweder für übertrieben (25 Prozent) oder für unzureichend (18 Prozent).

Sonntagsfrage: SPD und CDU legen zu, Opposition tut sich schwer 

Die Unterstützung für die Exekutive spiegelt sich auch in der politischen Stimmung. Die SPD legt in der Sonntagsfrage zum November um 2 Punkte auf 27 Prozent zu. Noch deutlicher profitiert die CDU, die derzeit auch starken bundespolitischen Rückenwind hat. Sie kann sich gegenüber November um 5 Punkte verbessern und käme aktuell auf 19 Prozent. Die Grünen bleiben unverändert bei 12 Prozent.

Den Oppositionsparteien fällt es schwer, sich in der Corona-Krise zu profilieren. Die AfD gibt zwei Punkte ab und hätte derzeit 20 Prozent in Aussicht. Die Linke läge nach einem Minus von 1 Punkt bei aktuell 11 Prozent. FDP (4 Prozent, -1) und BVB (3 Prozent, -2) würden derzeit an der Mandatsschwelle scheitern. Alle anderen Parteien kämen zusammen auf 4 Prozent.

Studieninformation

Grundgesamtheit:Wahlberechtigte Bevölkerung in Brandenburg (Deutsche ab 16 Jahren)

Stichprobe:Repräsentative Zufallsauswahl

Erhebungsverfahren:Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl:1000

Erhebungszeitraum:31.03.-04.04.2020

Schwankungsbreite:liegt mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit
bei einem Anteilswert von 5 Prozent bei unter 1,4 bzw.
bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei unter 3,1 Prozentpunkten.

Durchführendes Institut:infratest dimap

Wahlforschung

Anja Miriam Simon

anja.simon @infratest-dimap.de