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LänderTREND

Hessen Januar 2018 im Auftrag des Hessischen Rundfunks

Grundstimmung: Hessen blickt mit Zuversicht auf Wirtschaft und Gesellschaft

Grundstimmung: Hessen blickt mit Zuversicht auf Wirtschaft und Gesellschaft

Wirtschaftliche Lage in Hessen: Zeitverlauf

Wirtschaftliche Lage in Hessen: Zeitverlauf

Politische Aufgaben: Bildung Top-Thema, Flüchtlingspolitik verliert an Brisanz

Politische Aufgaben: Bildung Top-Thema, Flüchtlingspolitik verliert an Brisanz

Politische Aufgaben: Zeitverlauf

Politische Aufgaben: Zeitverlauf

Vorbehalte wegen Zuwanderung bleiben

Vorbehalte wegen Zuwanderung bleiben

Zufriedenheit mit Landesregierung überwiegt

Zufriedenheit mit Landesregierung überwiegt

Bewertung Regierungsparteien: CDU und Grüne fast auf Augenhöhe

Bewertung Regierungsparteien: CDU und Grüne fast auf Augenhöhe

Deutliche Kritik an der Opposition im Wiesbadener Landtag

Deutliche Kritik an der Opposition im Wiesbadener Landtag

Parteikompetenzen: CDU dominiert wirtschaftsnahe Themenfelder, SPD soziale

Parteikompetenzen: CDU dominiert wirtschaftsnahe Themenfelder, SPD soziale

Parteikompetenzen (Fortsetzung)

Parteikompetenzen (Fortsetzung)

Weiterhin Skepsis gegenüber einer SPD-geführten Landesregierung

Weiterhin Skepsis gegenüber einer SPD-geführten Landesregierung

Politikerzufriedenheit: Bouffier vor Al-Wazir und Schäfer-Gümbel

Politikerzufriedenheit: Bouffier vor Al-Wazir und Schäfer-Gümbel

Profilvergleich: Bouffier punktet mit Führungsstärke und Wirtschaftskompetenz

Profilvergleich: Bouffier punktet mit Führungsstärke und Wirtschaftskompetenz

Direktwahl Ministerpräsident: Schäfer-Gümbel kann Rückstand verringern

Direktwahl Ministerpräsident: Schäfer-Gümbel kann Rückstand verringern

Sonntagsfrage: weiterhin keine Mehrheit für Schwarz-Grün

Sonntagsfrage: weiterhin keine Mehrheit für Schwarz-Grün

Präferenzen der Hessen bei Investitionen in den Verkehr

Präferenzen der Hessen bei Investitionen in den Verkehr

Präferenzen der Hessen bei Investitionen in Familie und Kinderbetreuung

Präferenzen der Hessen bei Investitionen in Familie und Kinderbetreuung

Präferenzen der Hessen bei Investitionen in den Wohnungsbau

Präferenzen der Hessen bei Investitionen in den Wohnungsbau

Grundstimmung: Hessen blickt mit Zuversicht auf Wirtschaft und Gesellschaft

Grundstimmung: Hessen blickt mit Zuversicht auf Wirtschaft und Gesellschaft

Wirtschaftliche Lage in Hessen: Zeitverlauf

Wirtschaftliche Lage in Hessen: Zeitverlauf

Politische Aufgaben: Bildung Top-Thema, Flüchtlingspolitik verliert an Brisanz

Politische Aufgaben: Bildung Top-Thema, Flüchtlingspolitik verliert an Brisanz

Politische Aufgaben: Zeitverlauf

Politische Aufgaben: Zeitverlauf

Vorbehalte wegen Zuwanderung bleiben

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Zufriedenheit mit Landesregierung überwiegt

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Bewertung Regierungsparteien: CDU und Grüne fast auf Augenhöhe

Bewertung Regierungsparteien: CDU und Grüne fast auf Augenhöhe

Deutliche Kritik an der Opposition im Wiesbadener Landtag

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Parteikompetenzen: CDU dominiert wirtschaftsnahe Themenfelder, SPD soziale

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Parteikompetenzen (Fortsetzung)

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Weiterhin Skepsis gegenüber einer SPD-geführten Landesregierung

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Politikerzufriedenheit: Bouffier vor Al-Wazir und Schäfer-Gümbel

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Profilvergleich: Bouffier punktet mit Führungsstärke und Wirtschaftskompetenz

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Direktwahl Ministerpräsident: Schäfer-Gümbel kann Rückstand verringern

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Sonntagsfrage: weiterhin keine Mehrheit für Schwarz-Grün

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Präferenzen der Hessen bei Investitionen in den Verkehr

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Präferenzen der Hessen bei Investitionen in Familie und Kinderbetreuung

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Präferenzen der Hessen bei Investitionen in den Wohnungsbau

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Grundstimmung: Hessen blickt mit Zuversicht auf Wirtschaft und Gesellschaft

Zum Auftakt des Wahljahres herrscht in Hessen eine positive Grundstimmung. Bei der Bewertung der gesellschaftlichen Verhältnisse blickt eine Mehrheit der Hessen (59 Prozent) mit Zuversicht auf ihr Bundesland. Für 29 Prozent bieten die Verhältnisse in Hessen hingegen Anlass zur Sorge. Damit sind die Hessen nicht nur zuversichtlicher als im vergangenen Jahr (+5 Prozentpunkte), sondern auch zuversichtlicher als die Bürger im benachbarten Bayern, wo 54 Prozent die dortigen Verhältnisse als positiv bewerten (vgl. BayernTREND Januar 2018). Die Zuversicht angesichts der gesellschaftlichen Lage in Hessen überwiegt in den meisten Bevölkerungsgruppen, speziell bei Älteren und Personen mit höherem Einkommen. Personen mit niedrigem Verdienst sind dagegen mehrheitlich beunruhigt.

Große Zuversicht herrscht hingegen in den Lagern der Regierungsparteien: 81 Prozent der CDU-Anhänger und 78 Prozent der Grünen-Anhänger äußern sich in dieser Hinsicht optimistisch. Auch die Anhänger der SPD (69 Prozent) sind mehrheitlich zuversichtlich, unter Anhängern der Liberalen halten sich Optimismus und Pessimismus in etwa die Waage (44:37 Prozent). In Reihen der Linken überwiegt die Sorge leicht (38:46 Prozent), in den Reihen der AfD (21:78 Prozent) und der bekennenden Nichtwähler (10:50 Prozent) deutlich.

Noch positiver als die gesellschaftlichen Verhältnisse wird die Wirtschaftslage in einem der ökonomisch stärksten Bundesländer bewertet. Seit Januar 2016 bewegt sich die wirtschaftliche Grundstimmung in Hessen auf einem sehr hohen Niveau und wird aktuell so gut wie noch nie bewertet. Derzeit empfinden fast neun von zehn Hessen (89 Prozent) die wirtschaftliche Lage im Land als sehr gut (23 Prozent) oder gut (66 Prozent), nur jeder Zehnte (10 Prozent) beurteilt die Wirtschaft in Hessen als weniger gut (8 Prozent) oder gar schlecht (2 Prozent). Im Unterscheid zur Bewertung der gesellschaftlichen Verhältnisse stufen auch AfD-Anhänger (71 Prozent) und bekennende Nichtwähler (84 Prozent) die Wirtschaftslage mehrheitlich als positiv ein.

 

Politische Aufgaben: Bildung Top-Thema, Flüchtlingspolitik verliert an Brisanz

Wesentlich für den Ausgang der Landtagswahl wird sein, inwiefern die Parteien überzeugende Antworten auf die aus Bürgersicht wichtigen Probleme finden. Zum Auftakt des Wahljahres dominiert die Bildungspolitik wieder die politische Themenagenda (41 Prozent, +14), die in den beiden letzten Jahren angesichts der mit dem Flüchtlingszustrom verbundenen Aufgaben auf Platz 2 gerutscht war. Aktuell bewertet die hessische Bevölkerung das Thema Bildung, Schule, Ausbildung wie bei den beiden Landtagswahlen der Jahre 2009 und 2013 wieder als vorrangig. Die Flüchtlings- und Integrationspolitik hat in Hessen in den letzten 12 Monaten weiter an Brisanz verloren und wird derzeit von 30 Prozent (-15) als zentrale politische Aufgabe gesehen. Das sind deutlich weniger als in den Jahren 2017 (45 Prozent) und 2016 (70 Prozent), als die Flüchtlingspolitik alle anderen landespolitischen Probleme überschattete. Damit unterscheidet sich Hessen deutlich vom Nachbarland Bayern, wo die Flüchtlingspolitik mit großem Abstand als wichtigstes Thema eingestuft wird (vgl. BayernTREND Januar 2018), wie auch von Deutschland insgesamt, wo Fragen der Flüchtlingspolitik trotz rückläufigem Stellenwert auf Platz 1 der Themenagenda stehen (vgl. DeutschlandTREND Januar 2018). Ebenfalls geringeren Stellenwert als noch im vergangenen Jahr hat in Hessen das Thema Innere Sicherheit und Kriminalitätsbekämpfung, das mit 7 Prozent (-6) vom dritten auf den siebten Platz abgerutscht ist.

An Bedeutung gewonnen hat hingegen die Verkehrs- und Infrastrukturpolitik, die von rund einem Fünftel der Hessen (22 Prozent, +8) als zentral eingestuft wird und damit auf Platz 3 der aktuellen Themenagenda rangiert. Auf Platz 4 und 5 folgen Fragen sozialer Gerechtigkeit (15 Prozent, +6) und der Wohnungssituation (11 Prozent, +6), die ebenso wie das Thema Umweltschutz (7 Prozent, +3) einen höheren Stellenwert als vor 12 Monaten haben.  Angesichts der sehr guten Wirtschaftslage sind aus Sicht der Hessen Fragen der Wirtschaft (4 Prozent, -5), des Arbeitsmarktes (7 Prozent, -2) und der Haushaltslage (2 Prozent, -2) weniger wichtig als noch zum Jahresauftakt 2017.

 

Vorbehalte wegen Zuwanderung bleiben

Die rückläufige Zahl der Asylsuchenden im vergangenen Jahr spiegelt sich darin, dass die mit der Flüchtlingszuwanderung verbundenen Aufgaben nicht mehr das alles dominierende Thema in Hessen sind. Dennoch gibt es weiter deutliche Vorbehalte in der Bevölkerung, die insbesondere die Integrationsaufgaben betreffen. So bestehen mehrheitlich Bedenken, dass die Zahl der Straftaten wegen der Flüchtlinge zunimmt (60 Prozent, +8), sich die Sicherheitslage in Deutschland verschlechtert (56 Prozent) und die Qualität des Unterrichts in den Schulen durch die Integration von Flüchtlingskindern leidet (56 Prozent, +9). Diese Sorgen haben sich in den letzten 12 Monaten verstärkt.

Etwas weniger als noch vor einem Jahr wird hingegen befürchtet, dass sich die Zuwanderung auf die Verschuldung der öffentlichen Haushalte auswirkt (47 Prozent, -9) und der Einfluss des Islam in Deutschland zu stark wird (49 Prozent, -5). Unverändert ist die Sorge, dass aufgrund des Flüchtlingszuzugs die Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt größer wird (52 Prozent, +/-0) oder unsere Lebensweise und Werte bedroht werden (36 Prozent, +/-0). Der Anteil derer, die angesichts der mit dem Flüchtlingszuzug verbundenen Aufgaben eher besorgt sind, ist unter Bürgern mit formal niedriger Bildung deutlich größer als unter Bürgern mit höherem Bildungsabschluss. Auch die Anhänger der AfD und – in etwas geringerem Maße - der FDP äußern überdurchschnittlich häufig ihre Sorge.

 

Zufriedenheit mit Landesregierung überwiegt

Vor dem Hintergrund des konstant positiven Wirtschaftsumfeldes wird die Landesregierung überwiegend wohlwollend bewertet. Das schwarz-grüne Kabinett überzeugt aktuell gut die Hälfte der Bürger (53 Prozent, -2), 44 Prozent üben Kritik an der Regierungsleistung. Die Bewertung des Wiesbadener Kabinetts fällt damit nur unwesentlich schlechter aus als im Vorjahr. Im bundesweiten Vergleich liegt die schwarz-grüne hessische Regierung im Mittelfeld, erreicht jedoch nicht die Zufriedenheitswerte der grün-schwarzen Koalition in Baden-Württemberg (64 Prozent, vgl. Baden-WürttembergTREND März 2017), die im vergangenen Jahr als beliebteste Landesregierung in Deutschland galt. Große Zufriedenheit mit dem Kabinett Bouffier herrscht unter Anhängern der CDU, die der Landesregierung mit großer Mehrheit (83 Prozent) ein positives Zeugnis ausstellen. Deutlich verhaltener, doch mehrheitlich wohlwollend, bewerten die Anhänger der Grünen (62 Prozent) die Regierungsleistung von Schwarz-Grün. Gleiches gilt für die Anhänger der Liberalen, in deren Reihen die Anerkennung ebenfalls überwiegt (55 Prozent). Die Anhänger der SPD sind in ihrem Urteil gespalten, (46:51 Prozent), die Anhänger der Linken (18:70 Prozent) und insbesondere der AfD (16:80 Prozent) äußern sich mehrheitlich kritisch.

 

Bewertung Regierungsparteien: CDU und Grüne fast auf Augenhöhe

Die Einzelbewertung der beiden Regierungsparteien ist seit zwei Jahren relativ konstant. Über die Arbeit der CDU äußert sich rund die Hälfte der hessischen Bürger (49 Prozent, -2) lobend, die eigenen Anhänger stehen nahezu geschlossen hinter der hessischen CDU (88 Prozent). Mit der Arbeit der Grünen in der Landesregierung sind 43 Prozent (+3) der hessischen Bevölkerung zufrieden, 50 Prozent üben hingegen Kritik. Im Vergleich zum Vorjahr sind die kritischen Stimmen jedoch etwas seltener (-6 Prozentpunkte). Unter den eigenen Anhängern bewerten 78 Prozent die Leistung ihrer Partei in der Landesregierung positiv. Während im Lager der CDU der Rückhalt für den Koalitionspartner überwiegt und sich eine Mehrheit der CDU-Anhänger lobend (55 Prozent) über die Regierungsarbeit der Grünen äußert, sind die Grünen-Anhänger gegenüber der CDU etwas skeptischer: 41 Prozent beurteilen die Leistung der CDU als zufriedenstellend, 59 Prozent sind hingegen weniger oder gar nicht zufrieden mit der Arbeit des Koalitionspartners.

 

Deutliche Kritik an der Opposition im Wiesbadener Landtag

Wie im Vorjahr stößt die Arbeit der Oppositionsparteien im Wiesbadener Landtag überwiegend auf Kritik. Am besten schneidet erneut die SPD ab, mit der 37 Prozent zufrieden (-3), 54 Prozent hingegen unzufrieden sind. Die eigenen Anhänger bewerten die Oppositionsarbeit mehrheitlich wohlwollend (66 Prozent), ein knappes Drittel (30 Prozent) ist gegenteiliger Auffassung. Deutlich verbessert hat sich die FDP, die nach einem Plus von 7 Prozentpunkten von rund einem Viertel (26 Prozent) gelobt wird. Aber nach wie vor können die Liberalen die Mehrheit der Hessen (60 Prozent) nicht überzeugen. Die eigenen Anhänger stehen zu drei Vierteln (76 Prozent) hinter der liberalen Politik in Hessen. Die Linke schneidet ähnlich wie im Vorjahr ab, sie bekommt von rund einem Fünftel der Hessen (21 Prozent, +/-0)  Anerkennung für ihre Arbeit im Landtag. Rund zwei Drittel (65 Prozent) sind hingegen weniger zufrieden mit ihrer Leistung. Die eigenen Anhänger kann die hessische Linke jedoch zu guten Teilen (78 Prozent) überzeugen.

 

Parteikompetenzen: CDU dominiert wirtschaftsnahe Themenfelder, SPD soziale

Bei der Bewertung der Parteikompetenzen wird der CDU in Hessen zu Beginn des Wahljahres das meiste Sachvertrauen in ihren traditionellen Themenfeldern entgegen gebracht. Allerdings ist ihr Kompetenzprofil im Vergleich zum Vorjahr in vielen Bereichen stagnierend bis leicht rückläufig. Eine Ausnahme bildet die Entwicklung des Frankfurter Flughafens, wo den hessischen Christdemokraten das mit Abstand meiste Vertrauen entgegengebracht wird (52 Prozent, +9) und sie sich im Verlauf des vergangenen Jahres  nochmals klarer profilieren konnten. Besonders großes Vertrauen bindet die CDU in der Wirtschaftspolitik (52 Prozent, -6), bei der Kriminalitätsbekämpfung (47 Prozent, -2), in der Haushalts- und Finanzpolitik (48 Prozent, +/-0) sowie in der Arbeitsmarktpolitik (43 Prozent, -3). Beim Top-Thema Bildung schneidet sie schwächer als im Vorjahr ab (24 Prozent, -5) und fällt damit in diesem wichtigen Bereich weiter hinter die SPD zurück. Und auch in der Asyl- und Flüchtlingspolitik, die in Hessen den zweithöchsten Stellenwert genießt, wird der Vorsprung der CDU auf die Sozialdemokraten kleiner (29:25 Prozent). In der summarischen Bewertung, wer die wichtigsten Probleme in Hessen lösen kann, wird der CDU jedoch nach wie vor das meiste Vertrauen entgegengebracht (38 Prozent, +/-0). Die hessische SPD gewinnt in einigen Politikfeldern an Sachvertrauen hinzu. Dazu zählen insbesondere Fragen sozialer Gerechtigkeit (44 Prozent, +4) und der Familienpolitik (44 Prozent, +3). In beiden Bereichen bekommt die SPD ebenso wie in der Wohnungsmarktpolitik (42 Prozent) deutlich größeren Zuspruch als die CDU. Klarer Kompetenzführer ist die SPD zudem beim Top-Thema Bildung (36 Prozent, +1). In der Flüchtlingspolitik kann sie sich etwas verbessern (25 Prozent, +3). Deutlich geringer als bei der CDU ist aber das Vertrauen in die Wirtschafts- (21 Prozent, +2) und Arbeitsmarktpolitik (27 Prozent, +/-0) der SPD. In der summarischen Bewertung kann die SPD den Rückstand auf die CDU zwar etwas verringern, liegt aber mit einem Zuspruch von gut einem Viertel (27 Prozent, +4) der Bürger weiterhin klar auf Platz 2. Sachpolitischer Schwerpunkt der Grünen ist nach wie vor die Umwelt- (64 Prozent, +4) und Energiepolitik (43 Prozent, +/-0), wo sie das mit Abstand meiste Vertrauen genießen. Stärker profilieren konnten sich die Grünen darüber hinaus in der Verkehrspolitik (20 Prozent, +4) und in der Flüchtlingspolitik (12 Prozent, +2). In der Familien- (13 Prozent, -1) und der Bildungspolitik (9 Prozent, -2) ist das in sie gesetzte Vertrauen stagnierend bis leicht rückläufig. Wenig Zuspruch erhalten die hessischen Grünen in ökonomischen Feldern, bei der Entwicklung des Flughafendrehkreuzes Frankfurt wird ihnen weniger als vor 12 Monaten vertraut (6 Prozent, -5). Die FDP kann in allen Bereichen zulegen. Kompetenzschwerpunkte haben die Liberalen in wirtschaftsnahen Politikfeldern, wie der Wirtschafts- (11 Prozent, +6), Haushalts- (9 Prozent, +5) und Arbeitsmarktpolitik (8 Prozent, +5). Auch in den Bereichen  Bildung (8 Prozent, +5) und Flüchtlinge (6 Prozent, +3) – zwei thematischen Schwerpunkten des Bundestagswahlkampfs der Liberalen - konnte sich die hessische FDP stärker profilieren. Die Linke weckt die größten Erwartungen bei Fragen sozialer Gerechtigkeit (13 Prozent, -1). Auch in Fragen der Wohnraumproblematik (12 Prozent) und der Familienpolitik (8 Prozent) kann sie rund jeden zehnten Hessen überzeugen. Die AfD punktet am ehesten bei der Kriminalitätsbekämpfung (7 Prozent, +2) sowie in der Flüchtlingspolitik (6 Prozent, +/-0). Darüber hinaus konnte sie kein nennenswertes Kompetenzprofil aufbauen.

 

Weiterhin Skepsis gegenüber einer SPD-geführten Landesregierung

Die sachpolitisch stärkere Aufstellung der SPD spiegelt sich auch in einem etwas höheren Vertrauen in die Problemlösungsfähigkeit der Partei. Drei von zehn Hessen (29 Prozent, +4) glauben, dass eine SPD-geführte Regierung die anstehenden Aufgaben und Probleme besser lösen könnte als die amtierende Regierung. Dennoch ist nach wie vor eine Mehrheit (54 Prozent, +1) skeptisch gegenüber einer SPD-geführten Regierung.

 

Politikerzufriedenheit: Bouffier vor Al-Wazir und Schäfer-Gümbel

Ministerpräsident Volker Bouffier ist weiterhin der populärste hessische Landespolitiker. Mit seiner politischen Arbeit sind derzeit 58 Prozent der Hessen zufrieden, ein Minus von 3 Prozentpunkten im Vergleich zu Januar 2017. Im bundesweiten Vergleich der Ministerpräsidenten liegt Volker Bouffier damit im Mittelfeld. Wirtschaftsminister Tarek

Al-Wazir von den Grünen wird unverändert von 54 Prozent (+/-0) der Hessen für seine Arbeit gelobt. Und auch die Sympathiewerte für den SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel sind vergleichsweise stabil (47 Prozent, -1). René Rock, der im Mai letzten Jahres den FDP-Fraktionsvorsitz von Florian Rentsch übernommen hat, ist weitgehend unbekannt. Vier von fünf Hessen (80 Prozent) kennen ihn nicht oder sehen sich nicht in der Lage, seine politische Arbeit zu beurteilen. Unter denen, die sich ein Urteil zutrauen, überwiegt leicht die Kritik (7:11 Prozent). Gleiches gilt für die Linken-Fraktionsvorsitzende Janine Wissler (16:18 Prozent), und auch sie ist knapp zwei Dritteln (64 Prozent) der Bevölkerung kein Begriff.

 

Profilvergleich: Bouffier punktet mit Führungsstärke und Wirtschaftskompetenz

Im direkten Vergleich von Volker Bouffier und Thorsten Schäfer-Gümbel überzeugt der Ministerpräsident vor allem durch Führungsstärke (67:13 Prozent). Ein Plus für den Amtsinhaber ist darüber hinaus seine Wirtschaftskompetenz (57:14 Prozent) und sein Einsatz für die Schaffung neuer Arbeitsplätze (39:29 Prozent) – auch wenn Thorsten Schäfer-Gümbel im Bereich der Arbeitsmarktpolitik deutlich mehr Vertrauen als im vergangenen Jahr genießt. Nicht zuletzt gibt Volker Bouffier nach Meinung der hessischen Bevölkerung eine bessere Figur in der Öffentlichkeit ab (52:26 Prozent) als Thorsten Schäfer-Gümbel. In punkto Glaubwürdigkeit liegen beide Politiker in etwa gleichauf (35:34 Prozent). Thorsten Schäfer-Gümbel überzeugt mehr als schon 2017 mit seinem Einsatz für soziale Gerechtigkeit (56 Prozent, +6). Auch hat er im Vergleich zu Volker Bouffier leichte Vorteile in punkto Bürgernähe (37:34 Prozent) und Sympathie (39:36 Prozent), wobei die beiden Politiker hier recht ähnlich bewertet werden.

 

Direktwahl Ministerpräsident: Schäfer-Gümbel kann Rückstand verringern

Im Vergleich zum Vorjahr konnte Thorsten Schäfer Gümbel den Rückstand auf Volker Bouffier verringern: Wenn die Hessen ihren Ministerpräsidenten direkt wählen könnten, würden sich aktuell 45 Prozent für Volker Bouffier entscheiden - ein Minus von 3 Punkten im Vergleich zum Vorjahr. Verbessern kann sich hingegen Thorsten Schäfer-Gümbel, den 40 Prozent (+5) im Amt des Ministerpräsidenten bevorzugen würden. Großen Rückhalt genießt der Ministerpräsident in den eigenen Reihen (81 Prozent), auch kann er die Anhänger der FDP (74 Prozent) eher von sich überzeugen. Hinter Thorsten Schäfer-Gümbel stehen gut drei Viertel der eigenen Anhänger (78 Prozent). Ungeachtet der schwarz-grünen Regierungskoalition kann er auch bei den Anhängern der Grünen punkten (45 Prozent). Die Anhänger der Linken haben eine klare Präferenz für den Sozialdemokraten (63 Prozent).

 

Sonntagsfrage: weiterhin keine Mehrheit für Schwarz-Grün

Wenn die hessischen Wahlberechtigten nicht erst am 28.10.2018, sondern schon am kommenden Sonntag einen neuen Landtag wählen könnten, käme die CDU auf aktuell 31 Prozent – ein Minus von 1 Punkt im Vergleich zur Januarumfrage im Vorjahr. Die Sozialdemokraten legen einen Punkt zu und könnten mit 25 Prozent der Stimmen rechnen. Die Grünen hätten derzeit 13 Prozent in Aussicht (-1), die Linke unverändert 8 Prozent. Die FDP legt 2 Prozentpunkte auf ebenfalls 8 Prozent zu. Die AfD verliert 2 Punkte auf derzeit 12 Prozent, könnte aber mit einem Einzug in den Landtag rechnen. Mit dem Einzug der AfD wären erstmals sechs Parteien im Wiesbadener Landtag vertreten. Im Vergleich zur Landtagswahl 2013 würden CDU und SPD deutlich an Stimmen einbüßen, während Grüne, FDP, Linke und AfD zulegen könnten. Die amtierende schwarz-grüne Landesregierung hätte wie im Vorjahr keine Mehrheit und neben einer großen Koalition kämen rechnerisch lediglich 3-er Bündnisse in Frage. Die aktuelle politische Stimmung im Land spiegelt damit in weiten Teilen das hessische Ergebnis bei der Bundestagswahl im September 2017 wider. Die ‚Sonntagsfrage’ misst aktuelle Wahlneigungen, kein tatsächliches Wahlverhalten. Sie ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess, der erst am Wahltag abgeschlossen ist. Rückschlüsse auf den Wahlausgang sind damit nur bedingt möglich. Viele Wähler legen sich kurzfristig vor einer Wahl fest. Gewachsen ist zudem die Bedeutung des Wahlkampfs mit der gezielten Ansprache von unentschlossenen und taktischen Wählern.

 

Präferenzen der Hessen bei Investitionen in Verkehr, Familie und Wohnungsbau

Aus Sicht der hessischen Bürger zählen Verkehr, Familie und Wohnungsbau zu den zentralen politischen Aufgaben für das anstehende Jahr. Wenn sie im Bereich der Verkehrspolitik selbst einen Schwerpunkt für die Verwendung der Gelder setzen könnten, würden sie ein klares Augenmerk auf den öffentlichen Nahverkehr legen. Eine Mehrheit der Hessen (56 Prozent) würde am ehesten in den Ausbau des ÖPNV investieren. 30 Prozent halten hingegen Investitionen in den Straßenverkehr für zentral, jeder Zehnte (10 Prozent) würde die Mittel am ehesten für den Fahrradverkehr verwenden.

Im Bereich der frühkindlichen Betreuung sehen die Hessen deutlichen Investitionsbedarf in KiTas, beispielsweise um die Betreuungsqualität zu erhöhen. Wenn die Bürger die Entscheidung über die Verwendung der Mittel in diesem Bereich zu entscheiden hätten, würden drei Viertel (76 Prozent) eher in KiTas investieren, als die Eltern durch die Abschaffung der Betreuungsgebühren (17 Prozent) zu entlasten. Diese Priorität setzen mehrheitlich alle Bevölkerungsgruppen und Parteianhänger.

Häufiger als noch im vergangenen Jahr wird auch die Wohnungsmarktpolitik als wichtige politische Herausforderung benannt. In diesem Zusammenhang ist eine große Mehrheit (82 Prozent) der Meinung, dass die öffentliche Hand künftig deutlich mehr (51 Prozent) oder etwas mehr (31 Prozent) für den sozialen und kommunalen Wohnungsbau ausgeben sollte. Rund jeder Zehnte (11 Prozent) würde künftig vergleichbar viel wie aktuell investieren, nur 2 Prozent fordern, die Mittel für Wohnungsbau etwas oder deutlich zu kürzen.

Studieninformation

Grundgesamtheit:Wahlberechtigte Bevölkerung in Hessen ab 18 Jahren

Stichprobe:Repräsentative Zufallsauswahl/Randomstichprobe

Erhebungsverfahren:Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl:1.006 Befragte

Erhebungszeitraum:09. bis 16. Januar 2018

Schwankungsbreite:liegt mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit
bei einem Anteilswert von 5 Prozent bei unter 1,4 bzw.
bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei unter 3,1 Prozentpunkten.

Durchführendes Institut:infratest dimap

Wahlforschung

Anja Miriam Simon

Senior Projektleiterin Meinungs- und Wahlforschung

anja.simon @infratest-dimap.de