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LänderTREND

Hessen Mai 2020 im Auftrag des Hessischen Rundfunks

Corona-Virus: Drei von zehn weiterhin in Sorge vor Ansteckung

In Hessen infizierten sich laut Robert Koch-Institut bis Mitte Mai über 9.000 Personen mit dem neuartigen Corona-Virus, hiervon sind etwa 7.800 mittlerweile genesen. Drei von zehn (29 Prozent) im Bundesland äußern nach wie vor sehr große bzw. große Sorgen, dass sie sich selbst bzw. Familienangehörige mit dem Corona-Virus anstecken könnten. 70 Prozent geben an, nur wenige oder keine entsprechenden Sorgen zu haben. Die Angst vor einer Ansteckung variiert zwischen den Altersgruppen nur wenig: Bei den über 65jährigen Hessen sind mit 31 Prozent allerdings etwas mehr besorgt als bei den unter 40jährigen (24 Prozent). Deutschlandweit äußerte zuletzt ein Viertel der Bürgerinnen und Bürger (25 Prozent) entsprechende Infektionsängste.

 

Pandemie-Folgen: Deutliche Sorgen um die Wirtschaft in Hessen

Nach dem mehrwöchigen Lockdown bestimmen vermehrt die Pandemiefolgen die Debatten. Drei Viertel der Hessen (74 Prozent) haben große bis sehr große Sorgen, dass sich wegen Corona die wirtschaftliche Lage im Bundesland verschlechtert. Um die eigene Lebenssituation macht sich die Mehrzahl zwar keine ernsthaften Gedanken. Immerhin ein Viertel der hessischen Wahlberechtigten (26 Prozent) aber sorgt sich wegen der Corona-Krise um die eigene wirtschaftliche Lage. Eine Sorge, die bei den Anhängern der AfD (48 Prozent) besonders ausgeprägt ist. Unter den hessischen Erwerbstätigen ist aktuell jeder Siebte (15 Prozent) in Sorge um seinen jetzigen Arbeitsplatz. Im letzten ARD-DeutschlandTREND äußerten 13 Prozent der Erwerbstätigen Arbeitsplatzängste. 26 Prozent der Bundesbürger gaben vor einer Woche an, über die eigene wirtschaftliche Lage besorgt zu sein.

 

Ein gutes Drittel besorgt um längerfristige Beschränkung von Freiheitsrechten

Neben den wirtschaftlichen Konsequenzen werden auch in Hessen verstärkt verfassungspolitische Aspekte des mehrwöchigen Lockdowns diskutiert. Aktuell gibt ein gutes Drittel der Hessen (35 Prozent) an, sie seien in Sorge, dass wegen Corona Freiheitsrechte längerfristig beschränkt sein könnten. Bundesweit waren es zuletzt vier von zehn (39 Prozent). Entsprechende Bedenken finden sich auch in Hessen durchaus in allen Parteilagern. Allein in den Reihen der AfD prägen sie allerdings mit 61 Prozent die Sicht einer Mehrheit.

 

Bisherige Lockerungen: für die Hälfte richtig, für ein Drittel zu weitgehend

Seit Ende April werden in Hessen erste Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wieder gelockert. Für die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger (50 Prozent) im Bundesland ist der Umfang dieser Erleichterungen im öffentlichen Leben gerade richtig. Für ein Siebtel (15 Prozent) gehen diese Erleichterungen nicht weit genug. Immerhin ein Drittel (33 Prozent) empfindet die begonnenen Normalisierungen dagegen als zu weitgehend. Prägend für die Haltung zu den Lockerungsmaßnahmen ist nicht zuletzt die individuelle Infektionsangst. Denjenigen, die sich große Sorgen um eine Ansteckung mit Covid-19 machen, gehen die bisherigen Lockerungen mit 51 Prozent bereits zu weit. Bei denjenigen, die derartige Ängste nicht teilen, ist diese Position mit 26 Prozent nur halb so häufig anzutreffen. 

Die größte Unterstützung für das bisherige Normalisierungstempo findet sich in Hessen bei den Anhängern von CDU (65 Prozent), SPD (52 Prozent) und FDP (48 Prozent), am wenigsten bei den Anhängern der AfD (28 Prozent), die stattdessen größere Normalisierungsschritte bevorzugen (54 Prozent).     

 

60 Prozent unterstützen schrittweise Öffnung von Kitas und Schulen

Ein zentraler Bestandteil der Lockerung in Hessen ist die schrittweise Öffnung von Kitas und Schulen. Sie wird von 60 Prozent der Hessen unterstützt. Etwa ein Fünftel (22 Prozent) wünscht sich eine schnellere Aufnahme des Betriebs. 14 Prozent sprechen sich dafür aus, die Einrichtungen weiter vollständig geschlossen zu halten. Das hessische Öffnungstempo für Kitas und Schulen findet in allen Alters- und Bildungsgruppen mehrheitlich Zuspruch. Mit dem Bildungsniveau wächst allerdings die Ungeduld. So sprechen sich Bürger mit Abitur fast doppelt so häufig für eine schnellere Aufnahme des Kita- und Schul-Betriebs (29 Prozent) aus wie Bürger mit Hauptschulabschluss (16 Prozent).   

 

77 Prozent unterstützen Maskenpflicht für öffentlichen Verkehr und Einkauf

Als Begleitmaßnahme der seit Ende April vorgenommenen Erleichterungen gilt in Hessen eine Maskenpflicht sowohl für den öffentlichen Nahverkehr wie den Einkauf. Diese Maskenpflicht unterstützen 77 Prozent der Wahlberechtigten. Nur 5 Prozent würden diese Pflicht gerne auch auf den Aufenthalt im Freien erweitert sehen. 16 Prozent lehnen die erlassene Maskenpflicht ab. Die bestehende Regelung findet in Hessen lagerübergreifende Unterstützung. Allein in den Reihen der AfD überwiegt die Ablehnung (42:53 Prozent), wenn auch nur leicht.   

 

CDU-Ministerpräsident punktet in Corona-Krise, Tarek Al-Wazir nicht

Wie in anderen Bundesländern punktet auch in Hessen die Regierungsspitze mit ihrem bisherigen Agieren in der Corona-Krise. So ist die Popularität des CDU-Ministerpräsidenten gegenüber dem letzten HessenTREND von Mitte Februar nochmals gewachsen: Mit der Arbeit von CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier sind aktuell knapp 69 Prozent (+5) zufrieden. Er erzielt damit im HessenTREND einen neuen persönlichen Rekordwert. Der stellvertretende Ministerpräsident Tarek Al-Wazir von den Grünen konnte dagegen in den vergangenen Wochen nicht punkten. Im Februar hatten ihm noch 60 Prozent der Hessen ein positives Zeugnis ausgestellt. Aktuell erhält er einen Zuspruch von 50 Prozent.   

 

Sonntagsfrage Landtagswahl: Hoher Zuwachs für die CDU, hohe Verluste für die Grünen

Im Kontext der Corona-Krise punkten die in Wiesbaden wie Berlin regierenden Christdemokraten. Die CDU legt in Hessen in der Sonntagsfrage gegenüber Mitte Februar um 10 Punkte auf 36 Prozent zu. Die Grünen büßen im gleichen Zeitraum 5 Punkte ein und hätten derzeit bei einer Landtagswahl einen Stimmenanteil von 20 Prozent in Aussicht. Die SPD verbessert sich zu Februar um 2 Punkte auf 18 Prozent. Die anderen Oppositionsparteien im Wiesbadener Landtag tun sich dagegen schwer. Die AfD gibt zum letzten HessenTREND 2 Punkte ab und würde 10 Prozent erzielen. Die FDP läge unverändert bei 7 Prozent. Die Linke würde mit aktuell 4 Prozent (-4 Punkte) nicht mehr dem Landtag angehören. Alle anderen Parteien kämen zusammen auf 5 Prozent.

Die „Sonntagsfrage“ misst aktuelle Wahlneigungen, kein tatsächliches Wahlverhalten. Sie ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess, der erst am Wahltag abgeschlossen ist. Rückschlüsse auf den Wahlausgang sind damit nur bedingt möglich. Viele Wähler legen sich kurzfristig vor einer Wahl fest. Gewachsen ist zudem die Bedeutung des Wahlkampfs mit der gezielten Ansprache von unentschlossenen und taktischen Wählern.

Studieninformation

Grundgesamtheit:Wahlberechtigte Bevölkerung in Hessen

Stichprobe:Repräsentative Zufallsauswahl

Erhebungsverfahren:Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl:1005 Befragte

Erhebungszeitraum:11.-12. Mai 2020

Schwankungsbreite:liegt mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit
bei einem Anteilswert von 5 Prozent bei unter 1,4 bzw.
bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei unter 3,1 Prozentpunkten.

Durchführendes Institut:infratest dimap

Wahlforschung