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LänderTREND

Mecklenburg-Vorpommern Juni 2020 im Auftrag des NDR

Sonntagsfrage Landtagswahl: CDU vor SPD und AfD, Grüne im Landtag, FDP nicht

Mecklenburg-Vorpommern wählt im Herbst nächsten Jahres ein neues Landesparlament. Bei der letzten Landtagswahl 2016 ging die SPD unter Erwin Sellering mit 30,6 Prozent als klarer Sieger hervor, gefolgt von der AfD und der CDU, für die sich 20,8 bzw. 19,0 Prozent der Wähler entschieden. Viertstärkste Kraft wurde die Linke, die einen Wähleranteil von 13,2 Prozent erzielte. Allen anderen Parteien blieb dagegen 2016 der Landtagseinzug verwehrt. Die Grünen scheiterten mit einem Wähleranteil von 4,8 Prozent knapp an der Mandatsschwelle, die FDP mit 3,0 Prozent deutlich.

Knapp vier Jahre später stellt sich die landespolitische Stimmung im Bundesland komplett anders dar. Bei einer Landtagswahl zum jetzigen Zeitpunkt wäre der Vorsprung der Sozialdemokraten im Nordosten dahin. Wie in verschiedenen anderen Bundesländern erfährt die CDU auch in Mecklenburg-Vorpommern derzeit massiven bundespolitischen Rückenwind. Der SPD-Koalitionspartner in Schwerin würde gegenüber der letzten Landtagswahl deutlich zulegen und wäre mit einem Stimmenanteil von 29 Prozent stärkste Landeskraft. Die SPD könnte aktuell mit einem Stimmenanteil von 24 Prozent rechnen. Hinter den beiden Schweriner Regierungsparteien würde sich die AfD mit momentan 15 Prozent platzieren, gefolgt von der Linken, die 13 Prozent erreichen würde. Die Grünen würden mit 10 Prozent sicher im Landtag einziehen, nicht jedoch die Liberalen. Die FDP käme im Nordosten auf 4 Prozent. Alle anderen Parteien würden zusammen 5 Prozent erzielen. Bei einem solchen Wahlausgang müsste sich die SPD entscheiden, ob sie als Juniorpartner in ein CDU-geführtes Kabinett wechselt oder aber mit Linken und Grünen erstmals im Bundesland ein Drei-Parteien-Bündnis eingeht.

Die „Sonntagsfrage“ misst aktuelle Wahlneigungen, kein tatsächliches Wahlverhalten. Sie ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess, der erst am Wahltag abgeschlossen ist. Rückschlüsse auf den Wahlausgang sind damit nur bedingt möglich. Viele Wähler legen sich kurzfristig vor einer Wahl fest. Gewachsen ist zudem die Bedeutung des Wahlkampfs mit der gezielten Ansprache von unentschlossenen und taktischen Wählern.

 

Hohe Zufriedenheit mit Schweriner Regierungsarbeit

Die Schweriner Regierungsarbeit liefert derzeit eigentlich keinen Anlass für deutliche Veränderungen in den landespolitischen Kräfteverhältnissen. Wie in anderen Bundesländern profitiert auch in Mecklenburg-Vorpommern die Landesexekutive von ihrem Krisenmanagement in der Corona-Krise: Sieben von zehn Wahlberechtigten (70 Prozent) im Bundesland äußern sich zufrieden zur Regierungsarbeit, so viele wie nie zuvor im Mecklenburg-VorpommernTREND. 28 Prozent üben Kritik. Die rot-schwarze Landesregierung überzeugt nicht nur in den Reihen von SPD (88 Prozent) und CDU (83 Prozent). Auch die Anhänger von Linken (66 Prozent) und Grünen (74 Prozent) bewerten die rot-schwarzen Regierungsleistungen mehrheitlich positiv. Allein bei den AfD-Wählern überwiegt im Bundesland die Ablehnung (34:62 Prozent).

 

Hohe Zufriedenheit mit Ministerpräsidentin Schwesig

Manuela Schwesig, die im Juli 2017 den erkrankten Erwin Sellering im Ministerpräsidentenamt nachfolgte, genießt im Bundesland ebenfalls große Sympathien: 70 Prozent der Wahlberechtigten stellen der SPD-Politikerin derzeit ein gutes Zeugnis aus. Die Politikerin, die nach medizinischer Behandlung mittlerweile wieder die Regierungsgeschäfte in Schwerin übernommen hat, strahlt weit über die eigene Anhängerschaft aus. Selbst fast jeder zweite AfD-Wähler (46 Prozent) im Bundesland äußert sich zufrieden zu ihrer Person. Manuela Schwesig kann sich auf ähnlich hohe Zufriedenheitswerte stützen wie Erwin Sellering (73 Prozent) unmittelbar vor der letzten Landtagswahl. Unter den deutschen Ministerpräsidenten gehört die 46-jährige Politikerin zu den populärsten Regierungsspitzen der Republik. 

 

Lösungsvertrauen am ehesten in SPD und CDU bei gestiegener Verunsicherung

Die Zufriedenheit mit der Arbeit der beiden Regierungsparteien spiegelt sich in den Kompetenzbewertungen der Wahlberechtigten. Mit deutlichem Abstand werden den in Schwerin regierenden Sozial- und Christdemokraten die meisten Kompetenzen zugewiesen, wenn es um die Lösung der wichtigsten Aufgaben im Bundesland geht: 27 Prozent im Bundesland setzen auf die SPD, 26 Prozent auf die CDU. Die Linke überzeugt nur 5 Prozent der Wahlberechtigten. AfD und Grüne gelten im Nordosten bei lediglich jeweils 4 Prozent als Parteien, die die wichtigsten Aufgaben am besten lösen könnten. Zugleich besteht bei einem erkennbaren Teil der Wahlberechtigten Unsicherheit darüber, ob Politik und Parteien insgesamt den aktuellen Herausforderungen gewachsenen sind: Die Zahl derer, die keiner der Parteien Aufgabenlösungen zuschreiben, hat sich mit 31 Prozent gegenüber 2016 (18 Prozent) fast verdoppelt. Hierunter leidet im Nordosten insbesondere die SPD, die das Kompetenzurteil der Wahlberechtigten zur letzten Landtagswahl mit 40 Prozent eindeutig dominierte.

 

Wichtigste Probleme in MV: Schule, Corona, Arbeitsmarkt

Zu den zentralen aktuellen politischen Herausforderungen gehört aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger in Mecklenburg-Vorpommern unzweifelhaft die Covid-19-Pandemie. Bei der vorgabenfreien Frage zu den beiden wichtigsten Problemen im Bundesland entfallen 22 Prozent der Nennungen auf das Corona-Virus. Zugleich geben die Befragten jeweils Politikfelder an, die von der Corona-Pandemie und den in den vergangenen Monaten beschlossenen Maßnahmen zu deren Eindämmung ganz unmittelbar betroffen sind: Für 27 Prozent besteht im Schul- und Bildungsbereich der aktuell größte politische Handlungsdruck im Bundesland, für 21 Prozent auf dem sich eintrübenden Arbeitsmarkt. Mit großem Abstand folgen die Themen Wirtschaft (14 Prozent) und Verkehrsinfrastruktur (11 Prozent). 

 

Studieninformation

Grundgesamtheit:Wahlberechtigte Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern

Stichprobe:Repräsentative Zufallsauswahl

Erhebungsverfahren:Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl:1004 Befragte

Erhebungszeitraum:03.-06. Juni 2020

Schwankungsbreite:liegt mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit
bei einem Anteilswert von 5 Prozent bei unter 1,4 bzw.
bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei unter 3,1 Prozentpunkten.

Durchführendes Institut:infratest dimap

Wahlforschung