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LänderTREND

Niedersachsen Oktober 2020 im Auftrag des NDR

Corona: 35 Prozent in Sorgen vor Ansteckung, Wirtschaftsstimmung eingetrübt

Die Corona-Neuinfektionszahlen sind deutschlandweit gestiegen und damit auch die Sorgen vor einer Ansteckung. In Niedersachsen fürchten 35 Prozent, dass sie sich selbst oder Familienmitglieder mit Corona infizieren könnten. Bundesweit äußerten im ARD-DeutschlandTREND zuletzt 36 Prozent entsprechende Ängste.

Größer als die Angst vor einer Infektion sind derzeit die wirtschaftlichen Sorgen. Die momentane Lage im Bundesland bereitet vielen Wahlberechtigten Unbehagen: Jeder Zweite (51 Prozent) bewertet die wirtschaftliche Lage im Bundesland zwar positiv, fast ebenso viele (46 Prozent) aber üben Kritik. Damit bleibt die aktuelle wirtschaftliche Stimmung im Bundesland deutlich hinter der der vorangegangenen Jahre zurück: Im Herbst 2017 hatten sich unmittelbar vor der Landtagswahl acht von zehn (80 Prozent) zufrieden geäußert. Zugleich blicken die Niedersachsen derzeit mit Sorge auf die kommenden Monate. Zwei Drittel der Wahlberechtigten (68 Prozent) machen sich sehr große bzw. große Sorgen, dass sich wegen der Pandemie die wirtschaftliche Situation im Bundesland verschlechtert.

 

Altenheim- und Kita-/Schul-Lockdown nur für Minderheit zu früh beendet

Am Beginn der Pandemie gab es in Niedersachsen wie auch in anderen Bundesländern sehr weitgehende Beschränkungen im Betrieb von Kindergärten und Schulen sowie von Alten- und Pflegeheimen. Rückblickend bezeichnen 56 Prozent der Niedersachsen Dauer und Ausmaß der Kita- und Schulschließungen als richtig. Für jeden Vierten (27 Prozent) waren die Einrichtungen zu lang geschlossen. Für nur 13 Prozent wurde ihr Betrieb zu früh wieder aufgenommen.

Der Blick der Niedersachsen auf den Lockdown für Alten- und Pflegeheime fällt im Vergleich etwas kritischer aus. Die Dauer der entsprechenden Regelungen einschließlich von Besuchsverboten für Familienangehörige betrachtet nachträglich zwar ebenfalls jeder Zweite (54 Prozent) als richtig. Für ein gutes Drittel (36 Prozent) jedoch dauerte die Schließung der Alten- und Pflegeheime letztlich zu lang. Aus Sicht von lediglich 6 Prozent kam deren Öffnung zu früh.

 

Corona-Maßnahmen: für 65 Prozent angemessen, Minderheit mit Sorgen um Freiheitseinschränkungen

Die aktuell zur Corona-Eindämmung geltenden Auflagen und Alltags-beeinträchtigungen betrachten 65 Prozent der Niedersachsen alles in allem als angemessen. Jeder Vierte (23 Prozent) wünscht sich sogar weitergehende Maßnahmen im Umgang mit der Pandemie. Für jeden Zehnten (11 Prozent) gehen die bisherigen Corona-Maßnahmen bereits zu weit. Die Sorge, dass durch die pandemiebedingten Regeln und Auflagen Freiheitsrechte auch längerfristig eingeschränkt sein könnten, teilen die meisten Niedersachsen (68 Prozent) nicht. Immerhin fast jeder dritte Wahlberechtigte (31 Prozent) äußert allerdings durchaus Bedenken. Die Mehrheit der AfD-Anhänger (63 Prozent) gibt sich in dieser Frage besorgt. Vorbehalte bestehen aber auch bei etwa jedem vierten SPD- (26 Prozent) und Unions-Anhänger (23 Prozent). 

 

Zustimmung zum rot-schwarzen Corona-Krisenmanagement

Die Zustimmung zu den bisherigen Corona-Maßnahmen geht einher mit einer mehrheitlich wohlwollenden Bewertung des Regierungshandelns im Bundesland: 69 Prozent sind mit dem Krisenmanagement der Landesregierung in der Pandemie zufrieden, 30 Prozent unzufrieden. Der Zuspruch reicht weit über die Anhänger der beiden Koalitionspartner hinaus. Allein die AfD-Wähler äußern sich ablehnend (30:70 Prozent). Das Handeln in der Corona-Krise prägt in Niedersachsen – wie auf der Bundesebene oder in anderen Bundesländern – auch die Gesamtsicht auf die Regierung positiv: 70 Prozent sind aktuell mit der Arbeit der Koalition in Hannover zufrieden, der beste Wert für ein Landeskabinett im seit 1998 bestehenden NDR-NiedersachsenTREND.      

 

Bewertung Koalitionspartner: CDU besser bewertet

Von der gestiegenen Popularität der Landesregierung profitieren die beiden Koalitionäre in Hannover keineswegs gleichermaßen. Die CDU punktet derzeit stärker als der Koalitionspartner in der niedersächsischen Bevölkerung: Nach 42 Prozent vor zwei Jahren stellen derzeit 52 Prozent der Wahlberechtigten den Christdemokraten ein positives Zeugnis für die Regierungsarbeit aus. Demgegenüber schneiden die Sozialdemokraten im Urteil der Niedersachsen mit einem Zuspruch von 48 Prozent genauso ab wie im November 2018.  

 

Direktwahl: Weil weiter klar vor Althusmann

Während die CDU mit ihren Regierungsleistungen im Urteil der Wahlberechtigten besser abschneidet als die SPD, besteht in der personellen Aufstellung das bekannte Sympathiegefälle in Niedersachsen fort: Nach drei Jahren rot-schwarzer Koalition favorisieren 57 Prozent weiterhin Stephan Weil im Ministerpräsidentenamt, 23 Prozent Bernd Althusmann. Vor zwei Jahren hatten sich 53 Prozent für den SPD- und 26 Prozent für den CDU-Politiker ausgesprochen. Stephan Weil sichert sich abgesehen vom SPD-Wählermilieu die mehrheitliche Unterstützung der Grünen- (74 Prozent) und Linken-Wähler (70 Prozent) im Bundesland. Aber auch etwa jeder zweite CDU-Anhänger (46 Prozent) zieht eher den amtierenden Ministerpräsidenten statt Bernd Althusmann (38 Prozent) als niedersächsischen Regierungschef vor.

 

Parteikompetenzen: CDU insgesamt deutlich im Vorteil

In den sachpolitischen Urteilen der Niedersachsen hat die SPD gegenüber der CDU derzeit dagegen vielfach das Nachsehen. Dies gilt nicht im Einsatz für soziale Gerechtigkeit (40 Prozent; +1). Hier werden die niedersächsischen Sozial-demokraten ähnlich wie vor zwei Jahren mit großem Abstand als kompetenteste Kraft im Bundesland gesehen. In Wirtschafts- und Arbeitsmarktfragen (22:44 Prozent), der Haushalts- und Finanzpolitik (21:46 Prozent) sowie der inneren Sicherheit (22:44 Prozent) allerdings bleiben die Sozialdemokraten wie gehabt in der Kompetenzbewertung deutlich hinter der CDU zurück, nunmehr aber ebenso in Fragen der Flüchtlings- und Ausländerpolitik (21:31 Prozent). In der Schul- und Bildungspolitik liegt die SPD mit der CDU nur etwa gleichauf (29:30 Prozent).

Bei Fragen der Energie- und Umweltpolitik müssen sich wie gehabt beide Regierungsparteien den Grünen geschlagen geben, auch wenn diese ihren Rückhalt von vor zwei Jahren nicht ganz halten. Fast die Hälfte der Niedersachsen (45 Prozent) setzt hier auf die Grünen, die zugleich in der Landwirtschafts- und Verbraucherschutzpolitik (36 Prozent) wie keine andere Partei punkten. In der summarischen Bewertung, wem man die Lösung der wichtigsten Aufgaben im Bundesland zutraut, lagen die beiden niedersächsischen Koalitionsparteien vor zwei Jahren im Bevölkerungsurteil gleichauf. Auch hier profitiert die CDU vom derzeitigen Stimmungshoch und überzeugt mehr Wahlberechtigte als die SPD (35:28 Prozent).

 

Sonntagsfrage Landtagswahl: CDU erhöht Vorsprung zur SPD

Trotz der Popularität des SPD-Ministerpräsidenten ist die Profilierung der CDU in der landespolitischen Stimmung spürbar. Bei einer Landtagswahl zum jetzigen Zeitpunkt hätte die CDU einen Wähleranteil von 35 Prozent in Aussicht, 7 Punkte mehr als im letzten NiedersachsenTREND von vor zwei Jahren. Die SPD könnte ähnlich wie im November 2018 mit 27 Prozent (+1) rechnen. Die Landtagsopposition tut sich momentan durchweg schwerer als vor zwei Jahren: Die Grünen würden derzeit 20 Prozent erzielen (-4). Die AfD könnte mit 6 Prozent rechnen (-3), die FDP mit 4 Prozent (-2). Während den Liberalen der Sprung in den Landtag verwehrt blieb, hätte die Linke mit 5 Prozent derzeit Chancen auf den Parlamentseinzug. Mit einem solchen Wahlausgang stände Niedersachsen vor einem Regierungswechsel. Rechnerisch wäre neben einer schwarz-roten Koalition eine schwarz-grüne Landesregierung sowie mit knapper Mehrheit auch eine Neuauflage von Rot-Grün möglich.

Die Sonntagsfrage misst aktuelle Wahlneigungen und nicht tatsächliches Wahlverhalten. Sie ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung, der erst am Wahlsonntag abgeschlossen ist. Rückschlüsse auf den späteren Wahlausgang sind damit nur bedingt möglich. Zum einen legen sich immer mehr Wähler kurzfristig vor einer Wahl fest, zum anderen hat die Bedeutung der letzten Wahlkampfphase mit der gezielten Ansprache von unentschlossenen und taktischen Wählern durch die Parteien zugenommen.

Studieninformation

Grundgesamtheit:Wahlberechtigte in Niedersachsen

Stichprobe:Repräsentative Zufallsauswahl

Erhebungsverfahren:Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl:1004 Befragte

Erhebungszeitraum:6. - 12. Oktober 2020

Schwankungsbreite:liegt mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit
bei einem Anteilswert von 5 Prozent bei unter 1,4 bzw.
bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei unter 3,1 Prozentpunkten.

Durchführendes Institut:infratest dimap

Wahlforschung