NiedersachsenTREND Juli 2022

Repräsentative Studie im Auftrag des NDR

Kritischere Sicht auf wirtschaftliche Lage, Skepsis gegenüber Zukunft

Der Ukraine-Krieg und die mit ihm verbundenen hohen Energiepreise und gestörten Lieferketten haben die Wirtschaftsaussichten in Deutschland zuletzt deutlich verschlechtert. Die veränderten Rahmenbedingungen finden auch im Urteil der Niedersachsen ihren Niederschlag. Die Zufriedenheit mit der wirtschaftlichen Situation im Bundesland fällt deutlich geringer aus als noch im vergangenen Herbst, als 62 Prozent zu einem positiven Urteil gelangten. Aktuell bewerten 48 Prozent der Wahlberechtigten die wirtschaftliche Situation in Niedersachsen als sehr gut bzw. gut, etwa ebenso viele (47 Prozent) bezeichnen sie mittlerweile als weniger gut oder schlecht. Zugleich blickt die Hälfte (51 Prozent) im Bundesland pessimistisch auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung und erwartet, dass sich in den kommenden zwölf Monaten die Lage der niedersächsischen Wirtschaft verschlechtert. Nur ein gutes Drittel (36 Prozent) rechnet nicht mit erkennbaren Veränderungen. Weniger als 10 Prozent gehen von einer Verbesserung (8 Prozent) aus.

 

Zuspruch zur Regierungsarbeit zurückgegangen

Im aktuellen Themenkontext tut sich die Landesexekutive sichtbar weniger leicht als noch im vergangenen Herbst. Der Zuspruch zur Regierungsarbeit in Niedersachsen fällt geringer aus als im letzten November. Nach 62 Prozent sind derzeit 55 Prozent der Wahlberechtigten zufrieden mit dem rot-schwarzen Landeskabinett, 38 Prozent unzufrieden. Im Ländervergleich liegt das rot-schwarze Bündnis damit nur noch im Mittelfeld. Großen Rückhalt findet die Regierungsarbeit mit 86 Prozent weiterhin in den Reihen der SPD. Bei den Anhängern des Koalitionspartners CDU fällt die Zufriedenheit nicht so deutlich aus, überwiegt mit 58 Prozent jedoch ebenfalls. In den Reihen der oppositionellen Grünen äußern sich sieben von zehn (69 Prozent) positiv zu den Regierungsleistungen in Hannover, bei den FDP-Anhängern halten sich Zuspruch und Ablehnung in etwa die Waage (48:46 Prozent). Die AfD-Wähler äußern sich wie gehabt deutlich kritisch (8:89 Prozent).

 

Weil trotz rückläufiger Sympathien populärster Landespolitiker

Der Rückgang in der Regierungszufriedenheit hinterlässt Spuren auch in der Bewertung der niedersächsischen Regierungsspitze. Überzeugte Ministerpräsident Stephan Weil im November letzten Jahres knapp zwei Drittel im Bundesland, äußern sich aktuell 56 Prozent (-9) der Wahlberechtigten zufrieden zu dessen Arbeit. Dennoch bleibt der SPD-Politiker weiterhin der mit Abstand populärste niedersächsische Landespolitiker, gefolgt von Bernd Althusmann. Der stellvertretende Ministerpräsident und CDU-Wirtschaftsminister wird unverändert zum vergangenen Herbst durch gut vier von zehn Niedersachsen (44 Prozent; +/-0) positiv bewertet. Die Vertreter der Landtagsopposition stehen im Bevölkerungsurteil nicht zuletzt wegen fortbestehender Bekanntheitsprobleme deutlich zurück. FDP-Fraktionsvorsitzender Stefan Birkner findet mit 17 Prozent (-1) nicht mehr Zuspruch als im vergangenen Herbst. Mehr als die Hälfte kann oder will sich zu seiner Person nicht äußern. Noch größer ist das Bekanntheitsdefizit der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Julia Willie Hamburg. Mit dem Namen der Grünen-Politikerin können mehr als drei Viertel der Wahlberechtigten nichts anfangen. Nur 10 Prozent (+1) äußern sich zufrieden zu ihrer Arbeit.

 

Direktwahlfrage: 52 Prozent für Weil, 22 Prozent für Althusmann

Trotz rückläufiger Popularität setzen die Niedersachsen in der künftigen personellen Besetzung der Staatskanzlei nach wie vor auf den SPD-Amtsinhaber. Nach 59 Prozent im vergangenen Herbst favorisieren 52 Prozent der Wahlberechtigten (-7) Stephan Weil auch als nächsten Ministerpräsidenten. Während kaum verändert jeder Fünfte (22 Prozent; +1) CDU-Wirtschaftsminister Bernd Althusmann vorzieht, ist die Zahl derer, die sich zwischen keinem der beiden Politiker entscheiden können oder wollen, von 20 auf nunmehr 26 Prozent gestiegen. Abgesehen von den eigenen Reihen (84 Prozent) findet Stephan Weil mehrheitlich Unterstützung bei den Anhängern der Grünen (70 Prozent). Von den CDU-Anhängern ziehen drei von zehn (28 Prozent) den SPD-Politiker als niedersächsischen Regierungschef vor, während knapp zwei Drittel (64 Prozent) auf den eigenen Mann setzen. Die FDP-Anhänger haben keinen wirklichen Favoriten. Ein gutes Drittel von ihnen favorisiert den SPD-Ministerpräsidenten, 30 Prozent bevorzugen den CDU-Landesminister, ein Drittel setzt auf keinen der beiden (35 Prozent). 

 

Sonntagsfrage Landtagswahl: SPD verliert, CDU und Grüne legen zu

Die grundsätzlich fortbestehenden Sympathien für den SPD-Ministerpräsidenten sichern den niedersächsischen Sozialdemokraten in der Sonntagsfrage weiterhin einen Vorsprung, der jedoch erkennbar kleiner ausfällt als im letzten NiedersachsenTrend vom vergangenen November. Bei einer Landtagswahl zum jetzigen Zeitpunkt könnte die SPD mit einem Wähleranteil von 30 Prozent rechnen. Die in Hannover mitregierende CDU hätte 27 Prozent in Aussicht. Im Vergleich zum vergangenen November büßen die Sozialdemokraten 6 Punkte ein, während die CDU um 4 Punkte zulegt. Ebenfalls besser als im vergangenen Herbst schneiden die Grünen in der Sonntagsfrage ab. Trotz ihrer nur wenig bekannten Spitzenfrau kämen sie nunmehr auf 22 Prozent und legen zum November 6 Punkte zu. Die FDP hätte bei einer Landtagswahl derzeit 7 Prozent in Aussicht (-3), die AfD 6 Prozent (-1). Alle anderen Parteien würden momentan an der Fünfprozenthürde scheitern, darunter die Linke mit unverändert 3 Prozent.

Die Sonntagsfrage misst aktuelle Wahlneigungen und nicht tatsächliches Wahlverhalten. Sie ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung, der erst am Wahlsonntag abgeschlossen ist. Rückschlüsse auf den späteren Wahlausgang sind damit nur bedingt möglich. Zum einen legen sich immer mehr Wähler kurzfristig vor einer Wahl fest, zum anderen hat die Bedeutung der letzten Wahlkampfphase mit der gezielten Ansprache von unentschlossenen und taktischen Wählern durch die Parteien zugenommen.

 

Außerdem finden Sie im aktuellen NiedersachsenTREND folgende Themen:

  • Top-Probleme: Schule, Energie, Klima, Mobilität, Inflation, Wirtschaft

  • Wunsch nach SPD-geführtem Kabinett überwiegt

  • Nächste Landesregierung: Rot-Grün und Groko am besten bewertet

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Niedersachsen

Sonntagsfrage

Übersicht & Zeitverlauf

Studieninformation
Grundgesamtheit

Wahlberechtigte in Niedersachsen

Erhebungsmethode

Zufallsbasierte Telefon- und Online-Befragung

Fallzahl

1.154 Befragte
(753 Telefoninterviews und 401 Online-Interviews)

Erhebungszeitraum

29. Juni bis 04. Juli 2022

Schwankungsbreite

2* bis 3** Prozentpunkte

* bei einem Anteilswert von 10%
** bei einem Anteilswert von 50%

© infratest dimap

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25.11.2022, 10:36

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