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NRW vor der Kommunalwahl - 11 Städte in der Übersicht

StädteTREND September 2020 im Auftrag des WDR

Mehrheit zufrieden mit den Lebensverhältnissen, aber deutliches Gefälle zwischen den Städten

Die Lebensverhältnisse werden von den Bürgerinnen und Bürgern in allen 11 ausgewählten NRW-Städten mehrheitlich positiv bewertet. Dennoch gibt es zwischen den Städten ein erkennbares Gefälle, was angesichts der unterschiedlichen wirtschaftlichen und sozialen Situation vor Ort kaum überrascht. Besonders zufrieden sind mit 93 Prozent die Münsteraner, davon fast die Hälfte (45 Prozent) sehr zufrieden. Demgegenüber finden bei den Duisburgern nur 70 Prozent zu einem positiven Urteil, wobei sich nur 8 Prozent sehr zufrieden äußern. Die Sicht auf die Lebensbedingungen in der eigenen Stadt hat sich binnen eines Jahrzehnts in Wuppertal, Essen und insbesondere Siegen verbessert. In der Mehrzahl der 11 Städte ist das Urteil der Bürgerinnen und Bürger dagegen weitgehend unverändert geblieben.

 

Verkehr in den meisten Städten Thema Nummer Eins, Ausnahmen Münster und Duisburg 

Die Problemsicht der Bürgerinnen und Bürger variiert in den 11 Städten der Studie sichtbar. So gibt es in keiner Stadt ein Thema, auf das sich eine Mehrheit als wichtigstes kommunales Problem einigen könnte. Auf die Frage nach dem wichtigsten Problem vor Ort werden in den meisten Städten allerdings Verkehrsthemen am häufigsten genannt. Ausnahmen bilden Münster und Duisburg. In Münster werden von den Bürgerinnen und Bürgern am ehesten Mieten bzw. das Fehlen bezahlbaren Wohnraums problematisiert. In Duisburg wiederum stoßen sich die Bürgerinnen und Bürger vor allem an einem aus ihrer Sicht zu hohen Ausländeranteil bzw. einer nur ungenügenden Integration.

 

Städtisches Corona-Management

Gefragt nach dem wichtigsten lokalen Problem stehen die Corona-Folgen bei den Bürgerinnen und Bürgern derzeit nicht an erster Stelle. Dies liegt auch daran, dass die politische Verantwortung hierfür stärker auf Landes- und Bundes-Ebene gesehen wird.

Für den Umgang von Kommunalverwaltung und Behörden mit der Corona-Pandemie werden in den 11 Städten überwiegend gute Noten vergeben. Besonders zufrieden äußern sich wiederum die Münsteraner (80 Prozent), gefolgt von den Bürgern in Siegen (74 Prozent). Weniger zufrieden sind demgegenüber die Duisburger mit dem Corona-Management ihrer Stadt (61 Prozent).

 

Sonntagsfrage Stadtratswahl: Deutliche Verluste für SPD, aber auch für CDU, erhebliche Gewinne für die Grünen

Am 13. September stehen in NRW Stadtratswahlen an. Bei den letzten Stadtratswahlen 2014 lag die SPD in 6 der 11 ausgewählten Studienstädte vorn (Bielefeld, Dortmund, Duisburg, Essen, Köln, Wuppertal), die CDU in 5 Städten (Aachen, Bonn, Düsseldorf, Münster, Siegen). Die Grünen schlossen in den 11 Städten durchweg als drittstärkste Kraft ab.

Bei den anstehenden Wahlen zeichnen sich beachtliche Verschiebungen ab. Die CDU hat besonders gute Chancen, in Düsseldorf, Essen, Münster und Siegen stärkste Fraktion zu werden. Die SPD liegt in der aktuellen Stimmung dagegen nur noch in Dortmund und Duisburg mit einigem Abstand vor ihren Wettbewerbern. Die Grünen können sich insbesondere in Aachen und Bonn gute Chance ausrechnen, stärkste Kraft im Stadtrat zu werden. In Bielefeld, Köln und Wuppertal verspricht der Ausgang des Rennens um Platz Eins besonders spannend zu werden. Legt man die derzeitige Sonntagsfrage in den 11 Städten zugrunde, würden die Grünen als der große Sieger aus der Kommunalwahl hervorgehen: in allen 11 Städten würden sie ihre Ergebnisse gegenüber 2014 verbessern. Umgekehrt drohen der SPD in allen 11 Städten Verluste, angesichts der Konflikte der vergangenen Jahre erwartungsgemäß insbesondere in Essen. Aber auch die CDU muss in der Mehrzahl der Städte mit Stimmenrückgängen rechnen.

Die AfD hat in den NRW-Städten einen schwereren Stand als anderswo: Mit Werten von 8 Prozent liegt sie aktuell in der Sonntagsfrage zur Stadtratswahl in den beiden Ruhrgebietsstädten Duisburg und Essen sowie in Siegen vergleichsweise am besten, bleibt hier aber hinter ihren Ergebnissen der letzten Europa- und Bundestagswahl zurück. Mit Anteilen zwischen 7 und 9 Prozent hat die Linke bei den bevorstehenden Stadtratswahlen in Duisburg, Bielefeld, Wuppertal und Köln vergleichsweise gute Aussichten. Die FDP wiederum liegt in der Sonntagsfrage von allen 11 Städten in Düsseldorf mit 8 Prozent vergleichsweise am besten.    

 

Sonntagsfrage OB-Wahl: Amtsinhaber in Essen, Siegen und Köln mit guten Chancen auf Sieg im ersten Wahlgang

Zeitgleich finden am 13. September in 10 der 11 ausgewählten Städte OB- bzw. Bürgermeisterwahlen statt. Bei den letzten Wahlen gingen in 4 der 10 Städte SPD-Kandidaten als Sieger hervor: in Bielefeld, Dortmund, Düsseldorf und Wuppertal. In 5 Städten waren CDU-Politiker erfolgreich: in Aachen, Bonn, Essen, Münster und Siegen. In Köln wurde vor fünf Jahren mit Henriette Reker eine parteilose Kandidatin ins Amt gewählt.

Bei einer Wahl zum jetzigen Zeitpunkt hätten aktuell drei Amtsinhaber besonders gute Aussichten, bereits im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit wiedergewählt zu werden: CDU-Bürgermeister Thomas Kufen in Essen und sein Parteifreund Steffen Mues in Siegen, ebenso Henriette Reker, die parteilose Kölner Oberbürgermeisterin. Für den CDU-Amtsinhaber in Münster, Markus Lewe, und seinen SPD-Amtskollegen in Bielefeld, Pit Clausen, erscheint die 50-Prozentmarke im ersten Wahlgang derzeit zumindest in Sichtweite.

Aussichtsreiche OB-Wahlkandidaten auf Seiten der Grünen finden sich in Aachen und Wuppertal: Sybille Keupen läge bei einer OB-Wahl zum jetzigen Zeitpunkt vor den Aachener Kandidaten von CDU und SPD. In Wuppertal liegt der gemeinsame Kandidat von Grünen und CDU, Uwe Schneidewind, momentan etwa gleichauf mit dem SPD-Amtsinhaber Andreas Mucke.

Die Sonntagsfrage zur Stadtrats- und OB- bzw. Bürgermeister-Wahl misst aktuelle Wahlneigungen und nicht tatsächliches Wahlverhalten. Sie ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess, der erst am Wahlsonntag abgeschlossen ist.

Rückschlüsse von der Sonntagsfrage auf den Wahlausgang sind damit nur bedingt möglich. Viele Wähler legen sich kurzfristig vor einer Wahl fest. Eine große Bedeutung hat zudem der Wahlkampf mit der gezielten Ansprache von unentschlossenen und taktischen Wählern.

Aus methodischen Gründen werden in der Sonntagsfrage nur Parteien, Wählerinitiativen bzw. deren Kandidaten separat ausgewiesen, die aktuell mindestens einen Stimmenanteil von 3 Prozent erzielen würden. 

Studieninformation

Grundgesamtheit:Wahlberechtigte zur Kommunalwahl in Aachen, Bielefeld, Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Köln, Münster, Siegen, Wuppertal

Stichprobe:Repräsentative Zufallsauswahl

Erhebungsverfahren:Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl:1000 Befragte pro Stadt

Erhebungszeitraum:11.-27. August 2020

Schwankungsbreite:liegt mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit
bei einem Anteilswert von 5 Prozent bei unter 1,4 bzw.
bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei unter 3,1 Prozentpunkten.

Durchführendes Institut:infratest dimap

Wahlforschung