Nordrhein-WestfalenTREND April 2021

Repräsentative Studie im Auftrag des WDR

NRW-Landesregierung im Ansehenstief

Ihr Corona-Krisenmanagement verhalf der Landesregierung in NRW in der ersten Pandemiephase zu einem deutlichen Sprung in der Popularität. Wie in anderen Bundesländern auch fällt das Regierungsurteil in NRW mittlerweile deutlich nüchterner aus: Statt 70 Prozent wie im April 2020 äußern sich aktuell nur 33 Prozent der Wahlberechtigten wohlwollend zur Düsseldorfer Regierungsarbeit, zwei Drittel (64 Prozent) üben stattdessen Kritik. Dies ist die schlechteste Bewertung für die schwarz-gelbe Koalition in der laufenden Legislaturperiode. Noch Anfang dieses Jahres bestand in NRW ein positives Regierungsbild: Sechs von zehn hatten sich im Januar zufrieden zur Regierungsarbeit geäußert, vier von zehn kritisch. Aktuell überwiegt dagegen der Zuspruch zur Landesregierung nur noch in den Reihen der CDU. Auch die Anhänger des Koalitionspartners FDP sind mittlerweile mehrheitlich unzufrieden mit den Leistungen des Düsseldorfer Kabinetts.

Laschet verliert deutlich an Popularität

Wie sein Kabinett sieht sich aktuell auch Ministerpräsident Armin Laschet mit einem deutlichen Popularitätsverlust konfrontiert. Nachdem sich nach seiner Wahl zum CDU-Bundesvorsitzenden im Januar 60 Prozent der Wahlberechtigten zufrieden zu seiner Person äußerten, vergeben die Bürgerinnen und Bürger aktuell mehrheitlich negative Noten. Sieben von zehn (69 Prozent) üben Kritik. 26 Prozent sind mit seiner Arbeit zufrieden, der niedrigste Wert für ihn im Nordrhein-WestfalenTREND seit Übernahme des Ministerpräsidentenamts im Bundesland.

Laschet für 24 Prozent guter Unions-Kanzlerkandidat, Söder für 49 Prozent

Die kritischere Sicht der Nordrhein-Westfalen auf den CDU-Ministerpräsidenten berührt auch seine mögliche Kanzlerkandidatur im Herbst. Nach 47 Prozent im Januar können sich aktuell 24 Prozent Armin Laschet als guten Unions-Kanzlerkandidaten zur Bundestagswahl im Herbst vorstellen. Unter den CDU-Anhängern sind es gut vier von zehn (43 Prozent). Trotz ebenfalls schlechterer Werte als noch im Januar schneidet der bayerische CSU-Vorsitzende Markus Söder im Bevölkerungsurteil nach wie vor besser ab. So bezeichnen ihn knapp die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger (49 Prozent) sowie zwei Drittel der CDU-Anhänger (68 Prozent) im Bundesland als guten Unions-Kanzlerkandidaten.

Sonntagsfrage Landtagswahl: CDU unter Druck

Die gesunkene Popularität von unionsgeführter Landesregierung und Ministerpräsidenten hinterlässt deutliche Spuren in der landespolitischen Stimmung. Die CDU verliert zur letzten Erhebung im Januar 9 Punkte und käme momentan bei einer Landtagswahl auf 28 Prozent. Während die Christdemokraten im NRWTREND auf ihren Tiefstwert vom Oktober 2018 zurückfallen, erreichen die Grünen einen neuen Bestwert. Mit 26 Prozent (+2) lägen sie aktuell nur knapp hinter den Christdemokraten. Mit 18 Prozent (+1) nur wenig verändert zum Januar platziert sich die SPD auf dem dritten Rang, gefolgt von den Liberalen mit 11 Prozent (+3). Wie die FDP verbessert sich auch die AfD gegenüber dem Jahresbeginn, sie käme auf 8 Prozent (+2). Allen anderen Parteien bliebe der Zugang zum Düsseldorfer Landtag verwehrt, darunter die Linke, die unverändert mit 3 Prozent rechnen könnte. 

Deutschlandweit einheitliche Corona-Regelungen eher bevorzugt

Maßgeblicher Treiber der zuletzt wachsenden Unzufriedenheit mit den Regierungsleistungen nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern auch in anderen Bundesländern sowie im Bund ist die Corona-Politik der letzten Monate. Neben vielem anderen scheint zumindest in der aktuellen Situation mit wieder deutlich steigenden Infektionszahlen ein Grund in der Uneinheitlichkeit von Regelungen zu bestehen. Immerhin 56 Prozent der Befragten sprechen sich bei Verschärfungen von Alltagsauflagen für bundeseinheitliche Regelungen aus, unabhängig von den Inzidenzwerten vor Ort. Mit 40 Prozent plädiert allerdings eine große Gruppe dafür, dass Verschärfungen von Maßnahmen eher regional unter Berücksichtigung des örtlichen Infektionsgeschehens erfolgen sollte. Zugleich zeigt man sich in NRW offen für pragmatische Lösungen im Umgang mit der Pandemie. Die Regelung, dass in Nordrhein-Westfalen auch in Kreisen mit hohen Corona-Infektionszahlen nach Vorlage eines negativen Corona-Tests in Baumärkten, Textilgeschäften oder Bücherläden eingekauft werden darf, überzeugt 57 Prozent der Bürgerinnen und Bürger. 40 Prozent dagegen nicht.

Studieninformation
Grundgesamtheit

Wahlberechtigte in Nordrhein-Westfalen

Erhebungsmethode

Zufallsbasierte Telefon- und Onlinebefragung

Fallzahl

1.197 Befragte
(780 Telefoninterviews und 417 Online-Interviews)

Erhebungszeitraum

06. bis 08. April 2021

Schwankungsbreite

2* bis 3** Prozentpunkte
* bei einem Anteilswert von 10% ** bei einem Anteilswert von 50%

© infratest dimap

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