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LänderTREND

Rheinland-Pfalz April 2020 im Auftrag des SWR

Ansehensgewinn für Landesregierung und Ministerpräsidentin in der Corona-Krise
Ähnlich wie in anderen Bundesländern kann auch die Landesregierung in Rheinland-Pfalz auf die Unterstützung der Bevölkerung in der Corona-Krise vertrauen. Die Zufriedenheit mit der Landesregierung hat in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen (+16 Prozentpunkte). War im März gut die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger (55 Prozent) zufrieden mit der Arbeit des Mainzer Kabinetts, stellen ihm vier Wochen später 71 Prozent ein gutes Zeugnis aus. Die Landesregierung zählt damit zu den beliebtesten in Deutschland und erreicht auch den bislang höchsten Wert für eine Landesregierung im seit 2000 erhobenen PoliTREND.
Das große Vertrauen in die Landesregierung spiegelt sich auch in den Sympathiewerten der Regierungschefin: Die ohnehin sehr populäre Ministerpräsidentin Malu Dreyer kann ihr Ansehen nochmals ausbauen und erreicht mit 73 Prozent (+5 im Vergleich zum März) ihren Rekordwert vom März 2016. Dabei überzeugt sie nicht nur im eigenen Lager, sondern auch die Anhänger der anderen Regierungs- und Oppositionsparteien – mit Ausnahme der AfD. Auch Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler bekommt für ihre Arbeit mehr Lob als Kritik (32:20 Prozent), doch ist sie knapp der Hälfte der Bürger nicht bekannt.


Sonntagsfrage: bundespolitischer Rückenwind für Landes-CDU
Trotz des deutlichen Ansehenszuwachses für die Mainzer Koalition und die SPD-Ministerpräsidentin profitiert in der landespolitischen Stimmung in erster Linie die CDU. Die CDU, die aktuell auf starken Berliner Rückenwind setzen kann, legt gegenüber März um 11 Punkte auf 38 Prozent zu – der beste CDU-Sonntagsfragenwert im PoliTREND seit Dezember 2015. Die SPD verbessert sich dagegen nur unwesentlich und käme bei einer Landtagswahl aktuell auf 27 Prozent (+1). Ihre beiden Mainzer Koalitionspartner verzeichnen gegenüber der letzten Erhebung sogar Einbußen: Die Grünen hätten derzeit 13 Prozent (-5) in Aussicht, die FDP 6 Prozent (-1). Auch die AfD tut sich in der Corona-Krise schwer. Sie gibt 3 Punkte ab und käme auf 8 Prozent. Die Linke würde mit 4 Prozent an der Mandatsschwelle scheitern (-2). Alle anderen Parteien kämen zusammen auf 4 Prozent. Bei einem solchen Wahlausgang hätte die amtierende Regierung – anders als noch im März – keine Mandatsmehrheit.

 

Corona-Pandemie: Sorge vor wirtschaftlichem Abschwung größer als vor Ansteckung

Der Kampf gegen das Corona-Virus bewegt Bürger und Politik in Rheinland-Pfalz. Aktuell sind vier von zehn Rheinland-Pfälzern (39 Prozent) in Sorge, dass sie selbst oder Familienangehörige sich mit dem Virus anstecken könnten. In der Wahrnehmung des Ansteckungsrisikos bestehen zwischen den Generationen nur geringfügige Unterschiede. Bei den über 65-Jährigen, die zur Risikogruppe zählen, äußern 40 Prozent entsprechende Befürchtungen. Bei den unter 40-Jährigen sind es mit 35 Prozent jedoch nicht wesentlich weniger. 

Mehr als die eigene Infektion bewegt die Bürger aber die ökonomische Dimension der Pandemie. 70 Prozent haben große bis sehr große Befürchtungen, dass sich wegen Corona die wirtschaftliche Lage in Rheinland-Pfalz verschlechtert. Um die eigene Lebenssituation macht sich die Mehrheit bislang allerdings keine ernsthaften Sorgen. Immerhin ein Viertel (26 Prozent) befürchtet in Folge der Corona-Ausbreitung allerdings eine Verschlechterung der eigenen wirtschaftlichen Lage, jeder achte Erwerbstätige (13 Prozent) sorgt sich um den eigenen Arbeitsplatz. Dass Freiheitsrechte längerfristig eingeschränkt sein könnten, bereitet 39 Prozent der Wahlberechtigten Sorge.

 

Lockerung von Corona-Maßnahmen stößt auf hohe Akzeptanz

Ein Drittel (33 Prozent) empfindet die seit März geltenden Einschränkungen im öffentlichen Leben als starke bzw. sehr starke Belastung im Alltag – darunter vor allem jüngere Bürger. Nur 19 Prozent im Bundesland empfinden die seit mehreren Wochen geltenden Corona-Maßnahmen wie die Reduktion von Sozialkontakten oder die Schließung von Geschäften, Restaurants und Schulen nicht als Belastung. Die nach Ostern von der Bundes- und Landespolitik beschlossene Verlängerung der Kontakteinschränkungen betrachtet das Gros der Wahlberechtigten (87 Prozent) dennoch als richtig.

Um eine schrittweise Rückkehr zur Normalität vorzubereiten, haben Bund und Länder verschiedene Maßnahmen beschlossen, die in Rheinland-Pfalz auf eine insgesamt hohe Akzeptanz stoßen. Drei Viertel der Bürger (75 Prozent) begrüßen ein schrittweises Öffnen der Schulen. Die Öffnung von Geschäften mit einer Verkaufsfläche von maximal 800 Quadratmetern sowie von Autohäusern, Fahrradgeschäften und Buchhandlungen unabhängig von ihrer Größe finden zwei Drittel der Rheinland-Pfälzer (jeweils 65 Prozent) gut. Um eine Ausbreitung der Infektion zu erschweren, tragen 39 Prozent der Bürgerinnen und Bürger nach eigener Auskunft bereits eine Atemmaske, weitere 44 Prozent können sich das künftig vorstellen. Lediglich 17 Prozent schließen das für sich aus.

 

Studieninformation

Grundgesamtheit:Wahlberechtigte in Rheinland-Pfalz

Stichprobe:Repräsentative Zufallsauswahl

Erhebungsverfahren:Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl:1003 Befragte

Erhebungszeitraum:20. bis 21. April 2020

Schwankungsbreite:liegt mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit
bei einem Anteilswert von 5 Prozent bei unter 1,4 bzw.
bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei unter 3,1 Prozentpunkten.

Durchführendes Institut:infratest dimap

Wahlforschung

Anja Miriam Simon

anja.simon @infratest-dimap.de