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LänderTREND

Rheinland-Pfalz September 2020 im Auftrag des SWR

Sonntagsfrage: CDU trotz Verlusten stärkste Kraft, Grüne mit Zugewinnen, knappe Mehrheit für Ampel-Koalition

Am 14. März 2021 wird in Rheinland-Pfalz ein neuer Landtag gewählt. Ein halbes Jahr vor der Landtagswahl liegt die CDU, die seit Beginn der Corona-Pandemie auf starken bundespolitischen Rückenwind setzen kann, bei 34 Prozent. Ihren Rekordwert aus dem April kann sie nach einem Verlust von 4 Punkten zwar nicht bestätigen, bliebe aber klar stärkste Kraft.

Die regierende SPD verliert ebenfalls leicht und käme aktuell auf 26 Prozent (-1). Die Grünen können ihre Verluste im April hingegen nahezu kompensieren und lägen bei momentan 17 Prozent (+4). Die FDP hätte unverändert zum April 6 Prozent in Aussicht.

Die AfD läge derzeit bei 9 Prozent (+1), die Linke würde mit 4 Prozent an der Mandatsschwelle scheitern (+/-0). Alle anderen Parteien kämen zusammen auf 4 Prozent. Bei einem solchen Wahlausgang hätte die amtierende Regierung – anders als noch im April – eine Mehrheit.

 

Große Zufriedenheit mit Landesregierung, Mehrheit wünscht sich Malu Dreyer weiter im Amt der Ministerpräsidentin

Mit der Landesregierung aus SPD, Grünen und FDP ist eine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger zufrieden. Auch wenn das Mainzer Kabinett nicht an seinen Rekordwert aus der ersten Phase der Corona-Pandemie im April anknüpfen kann, bewerten knapp zwei Drittel (63 Prozent, -8) die Arbeit der Regierung positiv. Damit liegt Landesregierung in Rheinland-Pfalz auch  im Vergleich zu den anderen Landesregierungen in Deutschland im oberen Mittelfeld.

Das hohe Ansehen der Landesregierung wird auch von der Regierungschefin getragen. Wenn die Rheinland-Pfälzer die Ministerpräsidentin oder den Ministerpräsidenten direkt wählen könnten, würde sich nahezu unverändert zu März eine Mehrheit für Malu Dreyer aussprechen (55 Prozent, -2). Die populäre Ministerpräsidentin überzeugt dabei nicht nur im eigenen Lager, sondern auch weite Teile der Anhänger anderer Regierungs- und Oppositionsparteien.

Für  CDU-Spitzenkandidat Christian Baldauf würde sich rund ein Siebtel der Rheinland-Pfälzer (15 Prozent, - 2) entscheiden. Auch unter den  Anhängern der CDU liegt die SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer vor Christian Baldauf (49:35 Prozent).

Anne Spiegel, die Spitzenkandidatin der Grünen, überzeugt gerade 3 Prozent der Bevölkerung. Und auch die Anhänger der Grünen würden Malu Dreyer (65 Prozent) mit deutlicher Mehrheit der Grünen-Spitzenkandidatin Spiegel (8 Prozent) vorziehen.

 

Volker Wissing: FDP-Generalsekretär und Wirtschaftsminister? – Mehrheit gegen Doppelamt

Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Volker Wissing soll im September neuer Generalsekretär der Bundes-FDP werden. Er hat angekündigt, bis zur Landtagswahl im März auch Wirtschaftsminister in Rheinland-Pfalz bleiben zu wollen. Mehr als die Hälfte der Bürger (57 Prozent) spricht sich allerdings dafür aus, dass er in diesem Fall das Amt als Wirtschaftsminister abgeben sollte. Hier besteht parteiübergreifend Einigkeit, die Anhänger der FDP sind in dieser Frage gespalten. Ein Fünftel plädiert dafür, dass er gleichzeitig Wirtschaftsminister bleibt.

 

Corona-Pandemie: Sorgen vor den Auswirkungen der Pandemie deutlich geringer als im Frühjahr

Auch wenn im August die Zahlen der Corona-Neuinfektionen in Deutschland leicht angestiegen sind, ist die Sorge der Bürgerinnen und Bürger in Rheinland-Pfalz vor den Auswirkungen der Pandemie deutlich geringer als nach Ausbruch der Pandemie im Frühjahr. Derzeit befürchtet ein Drittel (33 Prozent, -6), dass sie sich selbst oder ein Familienmitglied mit dem Corona-Virus anstecken könnten. Die Sorge vor einer Infektion ist in Rheinland-Pfalz allerdings etwas stärker als in Deutschland insgesamt ausgeprägt (26 Prozent, vgl. DeutschlandTREND September).

Die Sorgen um wirtschaftliche und gesellschaftliche Konsequenzen der Pandemie sind noch deutlicher rückläufig. Um die wirtschaftliche Lage des Bundeslandes sorgen sich aktuell 59 Prozent (-11 Punkte im Vergleich zu April), um die eigene wirtschaftliche Situation knapp ein Fünftel (19 Prozent, -7). Im Vergleich zum Frühjahr sind auch weniger Bürger in Sorge, dass Freiheitsrechte längerfristig eingeschränkt werden (30 Prozent, -9). Insgesamt fühlt sich aktuell nur noch ein Fünftel (21 Prozent, -12) durch die Einschränkungen belastet, im April gab noch ein Drittel (33 Prozent) an, sich durch die Einschränkungen sehr stark oder stark belastet zu fühlen.

Unverändert zu April befürchtet jeder siebte Erwerbstätige (14 Prozent, +1), seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Große Aufmerksamkeit erfährt die Situation der Kinder. Eine deutliche Mehrheit der Rheinland-Pfälzer (69 Prozent) macht sich sehr große bzw. große Sorgen, dass aufgrund eingeschränkter Betreuungs- und Schulangebote die Entwicklung von Kindern beeinträchtigt sein könnte. Das hat sicherlich nicht zuletzt damit zu tun, dass nur ein Drittel glaubt, dass die Schulen im Bundeland gut auf den Schulbetrieb vorbereitet sind, eine Mehrheit (57 Prozent) jedoch gegenteiliger Auffassung ist.

Auch wenn die Mehrheit keine unmittelbare Sorge vor einer Ansteckung hat, sind die Rheinland-Pfälzer offen für Maßnahmen, um die Pandemie unter Kontrolle zu halten. Unter anderem wird in diesem Zusammenhang aktuell diskutiert, Fastnachtsfeiern für Herbst und Frühjahr abzusagen. Für eine breite Mehrheit in Rheinland-Pfalz (85 Prozent) geht dieser Vorschlag in die richtige Richtung. Das Stimmungsbild in Rheinland-Pfalz gleicht in dieser Frage weitgehend dem bundesweiten. 

Studieninformation

Grundgesamtheit:Wahlberechtigte Bevölkerung in Rheinland-Pfalz

Stichprobe:Repräsentative Zufallsauswahl

Erhebungsverfahren:Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl:1005 Befragte

Erhebungszeitraum:04. bis 08. September 2020

Schwankungsbreite:liegt mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit
bei einem Anteilswert von 5 Prozent bei unter 1,4 bzw.
bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei unter 3,1 Prozentpunkten.

Durchführendes Institut:infratest dimap

Wahlforschung

Anja Miriam Simon

anja.simon @infratest-dimap.de