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LänderTREND

Thüringen August 2018 im Auftrag des MDR

Sonntagsfrage: AfD mit Höchststand hinter CDU und vor der Linken

Sonntagsfrage: AfD mit Höchststand hinter CDU und vor der Linken

Rot-rot-grüne Regierungsarbeit: positives Echo überwiegt leicht

Rot-rot-grüne Regierungsarbeit: positives Echo überwiegt leicht

Regierungsparteien und CDU ohne Kompetenzzuwächse, AfD weckt vermehrt Sacherwartungen

Regierungsparteien und CDU ohne Kompetenzzuwächse, AfD weckt vermehrt Sacherwartungen

Politikerzufriedenheit: Tiefensee und Ramelow am populärsten

Politikerzufriedenheit: Tiefensee und Ramelow am populärsten

Ministerpräsidentenpräferenz: Mohring im Nachteil

Ministerpräsidentenpräferenz: Mohring im Nachteil

Sonntagsfrage: AfD mit Höchststand hinter CDU und vor der Linken

Sonntagsfrage: AfD mit Höchststand hinter CDU und vor der Linken

Rot-rot-grüne Regierungsarbeit: positives Echo überwiegt leicht

Rot-rot-grüne Regierungsarbeit: positives Echo überwiegt leicht

Regierungsparteien und CDU ohne Kompetenzzuwächse, AfD weckt vermehrt Sacherwartungen

Regierungsparteien und CDU ohne Kompetenzzuwächse, AfD weckt vermehrt Sacherwartungen

Politikerzufriedenheit: Tiefensee und Ramelow am populärsten

Politikerzufriedenheit: Tiefensee und Ramelow am populärsten

Ministerpräsidentenpräferenz: Mohring im Nachteil

Ministerpräsidentenpräferenz: Mohring im Nachteil

Sonntagsfrage: AfD mit Höchststand hinter CDU und vor der Linken

Die politische Stimmung in Thüringen deutet ein Jahr vor der Landtagswahl auf unübersichtliche Kräfteverhältnisse hin. Nach einem aktuellen Wahlgang hätte nicht nur die amtierende rot-rot-grüne Koalition keine Mehrheit in Thüringen. Auch die Vorgängerkoalition aus CDU und SPD bliebe in Thüringen ohne parlamentarische Basis: Die CDU wäre mit einem Wähleranteil von 30 Prozent zwar weiterhin stärkste Kraft im Bundesland, könnte ihr letztes Landtagswahlergebnis (33,5 Prozent) jedoch nicht erreichen. Die Linke unter Bodo Ramelow würde mit 22 Prozent ihr Landtagswahlergebnis von 2014 (28,2 Prozent) ebenfalls verfehlen, genauso wie die SPD, die 10 Prozent (2014: 12,4 Prozent) erreichen könnte.

Während die Grünen mit 6 Prozent in etwa ihr 2014er Landtagswahlergebnis (5,7 Prozent) in Aussicht hätten, könnte sich die AfD gegenüber der letzten Landtagswahl (10,6 Prozent) deutlich verbessern. Sie erreicht mit momentan 23 Prozent ihren Höchststand im ThüringenTREND und läge vor der Linken auf dem zweiten Platz. Zu den fünf aktuell im Landtag vertretenen Parteien hinzu käme die FDP, die mit 5 Prozent Wähleranteil rechnen könnte (2014: 2,5 Prozent). Die Veränderungen in Thüringen gegenüber der letzten Landtagswahl spiegeln vielfach Bundestrends der letzten vier Jahre. Hierzu gehört einerseits die Schwäche von Union und SPD, andererseits der gestiegene Wählerrückhalt von AfD und FDP.

 

Die Sonntagsfrage misst aktuelle Wahlneigungen und nicht tatsächliches Wahlverhalten. Sie ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung, der erst am Wahlsonntag abgeschlossen ist. Rückschlüsse auf den Wahlausgang sind damit nur bedingt möglich. Viele Wählerinnen und Wähler legen sich kurzfristig vor einer Wahl fest. Eine große Bedeutung hat zudem der Wahlkampf mit der gezielten Ansprache von unentschlossenen und taktischen Wählern.

 

Rot-rot-grüne Regierungsarbeit: positives Echo überwiegt leicht

Die fehlende Mehrheit für Rot-Rot-Grün in der aktuellen politischen Stimmung bedeutet nicht, dass die Arbeit der Landesregierung mehrheitlich kritisch gesehen würde. Etwas mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten (54 Prozent; +7 im Vergleich zum Juni 2017) kommt aktuell zu einer wohlwollenden Bewertung, 45 Prozent (-5) äußern sich unzufrieden. Die Erfurter Landesregierung überzeugt damit mehr Thüringer als noch vor einem Jahr (Juni 2017: 47 Prozent) und erreicht ihren bisher besten Wert im ThüringenTREND. Auch steht das Drei-Parteien-Bündnis im Bundesland besser da als CDU-geführte Vorgängerregierungen. Im bundesweiten Vergleich der Landesregierungen rangiert es im Mittelfeld. 

In den Reihen von Linken (83:17 Prozent), SPD (75:25 Prozent) und Grünen (57:39 Prozent) überwiegen in Thüringen die zufriedenen Urteile deutlich. Aber auch unter den CDU-Anhängern äußert sich jeder Zweite (52 Prozent) wohlwollend. Deutlich auf Distanz zur Regierungsarbeit gehen dagegen die Anhänger der AfD (17:82 Prozent).       

 

Regierungsparteien und CDU ohne Kompetenzzuwächse, AfD weckt vermehrt Sacherwartungen

Einer größeren Popularität von Rot-Rot-Grün steht die aktuelle Sachwahrnehmung der drei Regierungsparteien entgegen. Die Thüringer Linke überzeugt nach wie vor insbesondere in Gerechtigkeitsfragen (28 Prozent; -6 zu 2014) sowie in der Schul- und Bildungspolitik (23 Prozent, -1). Trotz Ressortzuständigkeit konnte die Linke auf diesen Feldern nach 2014 jedoch kein zusätzliches Vertrauen gewinnen. Ebenso wenig vermochte sie es in Thüringen, ihr Sachprofil in der Wirtschaftspolitik (10 Prozent; -2) und der inneren Sicherheit (12 Prozent; -1) zu schärfen.

Letzteres ist auch der SPD nicht gelungen, die die jeweilige Ressortverantwortung in Thüringen trägt: Die Sozialdemokraten, die im Erfurter Kabinett den Wirtschafts- und Innenminister stellen, wecken in Wirtschaftsfragen (13 Prozent; -6) wie bei der Bekämpfung von Kriminalität und Verbrechen (12 Prozent; -5) geringere Erwartungen im Bundesland als vor vier Jahren. Zugleich werden den thüringischen Sozialdemokraten auch in der Schul- und Bildungspolitik (18 Prozent; -11) sowie beim Einsatz für soziale Gerechtigkeit (21 Prozent; -9) seltener Kompetenzen zugeschrieben als 2014.

Die Grünen, in der Landesregierung unter anderem zuständig für Migration, Justiz und Verbraucherschutz, überzeugen mit ihrem flüchtlingspolitischen Angebot ebenfalls weniger Wahlberechtigte als vor ihrem Eintritt in die rot-rot-grüne Landesregierung (4 Prozent). Zugleich punkten hier auch Linke (18 Prozent) und SPD (12 Prozent) seltener als vor vier Jahren.    

Die Profilierungsschwäche der drei Regierungsparteien kann die oppositionelle CDU für sich nicht nutzen. Der CDU wird zwar in Thüringen von allen Parteien am meisten zugetraut, wenn es beispielsweise um Wirtschaftsfragen geht (44 Prozent; -6), um die Bekämpfung von Kriminalität und Verbrechen (33 Prozent; -1), um die Versorgung des ländlichen Raums (25 Prozent) oder um eine gute Asyl- und Flüchtlingspolitik (22 Prozent). Allerdings bindet die CDU weder hier, noch auf anderen Feldern mehr Vertrauen als zur letzten Landtagswahl. 

Die AfD dagegen hat seit 2014 ihre Landtagspräsenz nutzen können, um in Thüringen Sachvertrauen zu gewinnen. Ihr gelingt dies insbesondere in der Asyl- und Flüchtlingspolitik (14 Prozent) sowie in der inneren Sicherheit (12 Prozent; +10), Wahlberechtigte im relevanten Umfang anzusprechen. Ebenso weckt sie in Thüringen vermehrt Sacherwartungen in Gerechtigkeitsfragen (8 Prozent; +5).

Politikerzufriedenheit: Tiefensee und Ramelow am populärsten

Wie das Regierungsbündnis insgesamt stößt auch die Erfurter Kabinettsspitze auf mehr positive, denn negative Urteile. Ein Jahr vor der Landtagswahl führen Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (58 Prozent) und Ministerpräsident Bodo Ramelow (55 Prozent) die Liste der populärsten Landespolitiker Thüringens an: Jeweils etwa sechs von zehn Wahlberechtigten äußern sich zufrieden zur Arbeit der beiden Politiker. Für den Linken-Ministerpräsident ist dies der bislang zweibeste Wert im ThüringenTREND (+4 zu Juni 2017). Zugleich erhält er aktuell einen größeren Rückhalt als CDU-Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht vor der letzten Landtagswahl 2014 oder aber Dieter Althaus vor der Landtagswahl 2009 (jeweils 47 Prozent). Im aktuellen deutschlandweiten Vergleich der Ministerpräsidenten liegt Bodo Ramelow im Mittelfeld.

 

CDU-Fraktionsvorsitzender Mike Mohring findet mit aktuell 27 Prozent (+1) bei den Thüringern nur etwa halb so viel Zuspruch wie die beiden Regierungspolitiker von SPD und Linken. Auch bleibt der CDU-Landesvorsitzende im Urteil der Wahlberechtigten hinter der Grünen-Umweltministerin Anja Siegesmund (34 Prozent; +4) zurück. Mit Abstand am schlechtesten bewertet ist in Thüringen weiterhin AfD-Fraktionsvorsitzender Björn Höcke, der von jedem achten Thüringer (13 Prozent; +2) ein positives Zeugnis ausgestellt bekommt.  

 

Ministerpräsidentenpräferenz: Mohring im Nachteil 

Die Popularität Ramelows spiegelt sich in der Ministerpräsidentenpräferenz der Thüringer. Bei einer Direktwahl würden sich 49 Prozent für den Linken-Amtsinhaber, 29 Prozent für den CDU-Mann entscheiden. Zur Landtagswahl 2014 hatte Ramelow im Urteil der Thüringer noch knapp das Nachsehen gegenüber der damaligen CDU-Amtsinhaberin Christine Lieberknecht (40:44 Prozent).

 

Außerhalb der eigenen Reihen (86 Prozent) findet der Linken-Politiker deutlichen Rückhalt bei den Anhängern des Koalitionspartners SPD (70:20 Prozent), mehr noch bei den Grünen (88:2  Prozent). Aber auch immerhin jeder dritte CDU-Anhänger (32:52 Prozent) präferiert aktuell an der Spitze der Landesregierung eher den Linken-Politiker als den eigenen Parteimann.   

Studieninformation

Grundgesamtheit:Wahlberechtigte Bevölkerung in Thüringen

Stichprobe:Repräsentative Zufallsauswahl

Erhebungsverfahren:Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl:1001 Befragte

Erhebungszeitraum:20. bis 25. August 2018

Schwankungsbreite:liegt mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit
bei einem Anteilswert von 5 Prozent bei unter 1,4 bzw.
bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei unter 3,1 Prozentpunkten.

Durchführendes Institut:infratest dimap

Wahlforschung

Heiko Gothe

Projektdirektor Meinungs- und Wahlforschung

heiko.gothe @infratest-dimap.de