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ARD-DeutschlandTREND

April 2020

Bund und Länder stemmen sich seit wenigen Wochen mit einschneidenden Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus. Das Handeln der Bundesregierung entspricht offensichtlich den Politikerwartungen in einer Ausnahmesituation: Drei Viertel der Wahlberechtigten sind mit dem Berliner Krisenmanagement zufrieden, mit Folgen für die Bewertung der Exekutive insgesamt. Überwog noch vor einem Monat die Kritik an der Regierungsarbeit, äußern sich nunmehr sechs von zehn positiv. Damit findet Schwarz-Rot aktuell einen Rückhalt in der Bevölkerung wie kein Bundeskabinett zuvor im seit 1997 bestehenden ARD-DeutschlandTREND. Das neue Vertrauen in die Bundesregierung spiegelt sich in den Sympathiewerten der Kabinettsmitglieder, die in der Corona-Krise besonders gefordert sind: Die Kanzlerin erhält den höchsten Bevölkerungszuspruch in der laufenden Legislaturperiode. Finanz-, Gesundheits-, Wirtschafts- und Innenminister verbuchen jeweils persönliche Rekordwerte.

Der Stimmungswechsel zugunsten der Exekutive zeigt sich in deutlich veränderten Wählerpräferenzen: Die CDU/CSU legt in der Sonntagsfrage um 7 Punkte auf 34 Prozent zu. Letztmalig lag sie im März 2018 auf diesem Niveau. Die SPD profitiert vom Krisenmanagement bisher allerdings nicht und hätte wie im März 16 Prozent in Aussicht. Gemeinsam besäßen Union und SPD erstmals seit Juli 2018 wieder eine Mehrheit. Die Opposition steht unter Druck. Die AfD und die Linke geben jeweils 2 Punkte ab. Die AfD käme derzeit auf 10 Prozent, der niedrigste AfD-Wert seit August 2017. Die Linke läge mit aktuell 7 Prozent auf dem Niveau vom September 2019. FDP und Grüne verlieren binnen Monatsfrist jeweils einen Punkt. Die FDP würde aktuell 5 Prozent erhalten. Letztmalig lagen die Liberalen im Januar 2017 auf diesem Niveau. Die Grünen könnten 22 Prozent erzielen. Alle anderen Parteien kämen zusammen auf 6 Prozent.

Das Corona-Virus beherrscht die Politik und bewegt die Deutschen. Mittlerweile ist gut die Hälfte der Deutschen in Sorge, dass sie sich selbst oder Familiengehörige mit dem neuartigen Virus anstecken könnten. Vor einem Monat war es noch ein Viertel. Auch wenn eine große Mehrheit den Gesundheitseinrichtungen und Ärzten in Deutschland die Bewältigung der Corona-Pandemie zutrauen, sind immerhin fast vier von zehn besorgt, dass ggf. nicht jeder Erkrankte angemessen medizinisch versorgt werden wird. Die Sorge vor einer Infektion oder fehlenden Behandlungskapazitäten bei gleichzeitig steigenden Infektionszahlen trägt zu einer hohen Akzeptanz der bundesweiten Kontakteinschränkungen bei. Diese werden auch nach knapp zwei Wochen von 93 Prozent der Bürger grundsätzlich akzeptiert. Die Unterstützung der Maßnahmen geht allerdings bei aktuell vier von zehn Bürgern mit der Sorge einher, dass Freiheitsrechte wegen der Pandemie längerfristig eingeschränkt sein könnten. Und nicht jede weitere neu diskutierte Maßnahme bleibt ohne Widerspruch. Eine freiwillige appbasierte Nachverfolgung von Corona-Infizierten über das Smartphone trifft bei der Hälfte der Deutschen auf Vorbehalte, vor allem wegen Datenschutzbedenken.

Weitaus mehr als die Einschränkung von Freiheitsrechten und auch mehr als die eigene Infektion bewegt die Deutschen derzeit die ökonomische Dimension der Pandemie. 75 Prozent der Bundesbürger haben große bis sehr große Sorgen, dass sich wegen Corona die wirtschaftliche Lage in Deutschland verschlechtert. Um die eigene Lebenssituation macht sich die Mehrzahl zwar keine ernsthaften Gedanken. Bereits ein Drittel der Wahlberechtigten sorgt sich aber als Folge der Corona-Ausbreitung um die persönliche wirtschaftliche Lage und immerhin fast jeder fünfte Erwerbstätige um den eigenen Arbeitsplatz. Trotz aller derzeitigen Sorgen haben die letzten Krisenwochen den Blick der Bürger auf Staat, Politik und Gesellschaft zum Teil positiv verändert. Gaben die hiesigen Verhältnisse zu Jahresbeginn nur für einen Drittel der Deutschen Anlass zur Zuversicht, sind es aktuell 44 Prozent.  

Studieninformation

Grundgesamtheit:Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland

Stichprobe:Repräsentative Zufallsauswahl/Dual-Frame
(Relation Festnetz-/Mobilfunknummern 60:40)

Erhebungsverfahren:Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl:1.002 Befragte
Sonntagsfrage: 1.502 Befragte

Erhebungszeitraum:30. bis 31. März 2020
Sonntagsfrage. 30. März bis 01. April 2020

Schwankungsbreite:liegt mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit
bei einem Anteilswert von 5 Prozent bei unter 1,4 bzw.
bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei unter 3,1 Prozentpunkten.

Durchführendes Institut:infratest dimap

Wahlforschung