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ARD-DeutschlandTREND

August 2020

Die Corona-Neuinfektionszahlen sind zuletzt gestiegen und mit ihnen auch die Sorgen vor einer Ansteckung: Aktuell äußern 28 Prozent sehr große bzw. große Sorgen, dass sie sich selbst oder Familienmitglieder mit dem Virus infizieren könnten. Einen Anlass für eine Verschärfung von Regeln sieht die Mehrzahl der Bürger dennoch nicht. Nach Ansicht von 59 Prozent sind die Corona-Alltagseinschränkungen weiterhin alles in allem ausreichend. Für 28 Prozent gehen die geltenden Auflagen dagegen nicht weit genug, 11 Prozent empfinden sie schon als zu weitgehend. Aktuelle Defizite bestehen aus Bürgersicht weniger bei den Maßnahmen selbst als bei deren Durchsetzung, d.h. bei Kontrollen und Sanktionen.

Zum nächsten Härtetest für die Politik dürfte der Beginn des neuen Schuljahres werden. 60 Prozent der Bürger meinen, die Schulen seien für die Zeit nach den Ferien weniger gut bzw. schlecht vorbereitet. Hinter diesem Urteil stehen auch unterschiedliche Erwartungen an das in Corona-Zeiten angemessene Unterrichtsformat. Etwa die Hälfte hält einen Unterricht für sinnvoll, der wieder durchgehend an den Schulen stattfindet. 44 Prozent favorisieren einen Wechsel zwischen Präsenzunterricht an der Schule und Homeschooling zuhause. Eine für den Schulstart vielfach geplante Maskenpflicht an den Schulen unterstützen acht von zehn. Das Tragen einer Maske auch während des Unterrichts favorisiert allerdings nur jeder vierte Wahlberechtigte bzw. nur jedes fünfte Elternteil. Neben dem Schulstart stellt der Reiseverkehr die Politik vor Herausforderungen. Corona-Pflichttests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten stellt kaum jemand infrage. Der Plan, die Testkosten öffentlich zu tragen, aber stößt bei den Bürgern auf Widerspruch.

Die wirtschaftlichen Corona-Folgen sorgen in der Bevölkerung weiterhin für Unbehagen. Wie im Juni bezeichnen sechs von zehn die wirtschaftliche Lage in Deutschland als weniger gut bzw. schlecht. Diese Sicht geht mit Unsicherheit gegenüber der weiteren Entwicklung einher. Nach wie vor sind die meisten Bürger in Sorge, dass sich die Konjunktur eintrüben könnte. Allerdings macht sich nur jeder vierte Wahlberechtigte bisher große bis sehr große Sorgen um seine eigene wirtschaftliche Lage und nur jeder fünfte Erwerbstätige um seinen Arbeitsplatz. Zugleich ist aber die Sorge um den Arbeitsplatz gegenüber dem Frühjahr gewachsen. Auch variiert die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust zwischen den Einkommensgruppen erheblich.

Im aktuell unsicheren Umfeld genießen die Spitzen der schwarz-roten Bundesregierung nach wie vor einen hohen Rückhalt, allen voran die Kanzlerin. Diese Unterstützungswerte spiegeln sich in einem hohen Regierungsvertrauen, das weit über die Anhänger von CDU/CSU und SPD hinaus reicht.  So bewertet mit 64 Prozent die Mehrzahl der Wahlberechtigten die Berliner Regierungsleistungen wohlwollend. Das Kabinett erreicht damit seinen Rekordwert von Anfang Mai.

Vom hohen Zuspruch für die Berliner Regierungsarbeit profitiert in der bundespolitischen Stimmung weiterhin allein die Union. Bei einer Bundestagswahl zum jetzigen Zeitpunkt hätte die CDU/CSU einen Stimmenanteil von 38 Prozent in Aussicht, 1 Punkt mehr als im Vormonat, während die SPD im gleichen Umfang verliert und auf 15 Prozent käme. Verluste verzeichnen auch die oppositionellen Grünen, die aktuell mit 18 Prozent rechnen könnten. Die AfD verbessert sich um 1 Punkt auf 11 Prozent. Während die Linke unverändert bei 7 Prozent liegt, legt die FDP um 1 Punkt auf 6 Prozent zu. Alle anderen Parteien kämen wie im Juli zusammen auf 5 Prozent. Eine Regierungsbildung gegen die Union wäre damit aktuell weiterhin ausgeschlossen. 

Studieninformation

Grundgesamtheit:Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland

Stichprobe:Repräsentative Zufallsauswahl/Dual-Frame
(Relation Festnetz-/Mobilfunknummern 60:40)

Erhebungsverfahren:Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl:1.011 Befragte
Sonntagsfrage: 1.511 Befragte

Erhebungszeitraum:02. bis 04. August 2020
Sonntagsfrage: 02. bis 05. August 2020

Schwankungsbreite:liegt mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit
bei einem Anteilswert von 5 Prozent bei unter 1,4 bzw.
bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei unter 3,1 Prozentpunkten.

Durchführendes Institut:infratest dimap

Wahlforschung