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ARD-DeutschlandTREND

Juli 2020

Die Bundesrepublik hat Mitte dieser Woche den Vorsitz im Rat der Europäischen Union übernommen und sich hierfür mehrere Arbeitsschwerpunkte gesetzt. Aus Sicht der Bürger sollte sich Deutschland während seiner Ratspräsidentschaft bis Ende des Jahres vor allem auf Aspekte des Klimaschutzes und der Bewältigung der Corona-Folgen konzentrieren. Eine tragende Rolle bei der Eindämmung der Pandemiefolgen kommt dem geplanten europäischen Konjunkturprogramm der EU-Kommission zu. Ein solches Hilfsprogramm geht nach Ansicht von gut zwei Dritteln grundsätzlich in die richtige Richtung. Nur ein Fünftel äußert sich prinzipiell ablehnend. Auch die geplante Aufnahme gemeinsamer Schulden durch die EU-Staaten zur Finanzierung der europäischer Konjunkturhilfen findet bei den Bundesbürgern überwiegend Unterstützung. Mehrheitlichen Widerspruch erntet dagegen die Idee, die EU-Hilfen an die betroffenen Länder vornehmlich als Zuschüsse zu vergeben: Drei von zehn unterstützen den entsprechenden Vorschlag der Kommission. Sechs von zehn favorisieren stattdessen, die Hilfen überwiegend als Kredite zu vergeben – darunter auch eine Mehrheit der Anhänger von CDU/CSU und SPD.  

Die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten, aber auch die Bürgerinnen und Bürger von der Ausgestaltung des Corona-Wiederaufbauprogramms zu überzeugen, könnte in den kommenden Wochen zu einer der zentralen Herausforderungen für die Bundeskanzlerin werden. In der eigenen Bevölkerung genießt Angela Merkel weiterhin einen hohen Rückhalt: Zu Beginn der deutschen Ratspräsidentschaft äußern sich unverändert sieben von zehn Wahlberechtigten zufrieden zu ihrer Arbeit. Wie die Kanzlerin können auch die Kabinettsspitzen ihre hohen Zufriedenheitswerte der letzten Monate etwa halten oder ausbauen. Die hohen Unterstützungswerte für die Kanzlerin und die wichtigsten Berliner Ressortchefs gehen nach wie vor Hand in Hand mit einem großen Vertrauen in die Arbeit der Bundesregierung insgesamt: Kaum verändert zum Vormonat bewertet mit 63 Prozent auch im Juli die Mehrzahl der Wahlberechtigten die Berliner Regierungsarbeit wohlwollend.

Weitgehend stabil präsentiert sich auch die bundesweite Wählerstimmung. Die CDU/CSU gibt in der Sonntagsfrage zum Vormonat einen Punkt ab und hätte bei einer Bundestagswahl zum jetzigen Zeitpunkt einen Stimmenanteil von 37 Prozent in Aussicht. Der Koalitionspartner SPD legt im gleichen Umfang (+1) zu und käme auf 16 Prozent. In den Reihen der Opposition verbessern sich Grüne und AfD jeweils geringfügig (jeweils +1), während Linke und FDP gegenüber Juni etwas einbüßen (jeweils -1). Im Ergebnis kämen die Grünen momentan auf 20 Prozent, Die AfD würde einen Stimmenanteil von 10 Prozent erzielen. Die Linke könnte mit einem Anteil von 7 Prozent rechnen. Die FDP müsste mit 5 Prozent um ihren Wiedereinzug in den Bundestag kämpfen. Alle anderen Parteien würden zusammen genommen unverändert 5 Prozent erzielen.

Ungeachtet aktuell niedriger Corona-Infektionszahlen in Deutschland mahnt die Politik in Bund wie Ländern die Bevölkerung, die Pandemie nach wie vor ernst zu nehmen. Sorglos sind die Deutschen keineswegs. Immerhin 50 Prozent machen sich sehr große bzw. große Sorgen, dass die Zahl der Corona-Infektionen in den kommenden Wochen wieder deutlich ansteigen könnte. Zugleich orientiert sich das Gros der Bürgerinnen und Bürger nach eigenen Angaben in ihrem Alltag durchaus an bestehende Empfehlungen und Regelvorgaben. Etwa neun von zehn geben an, sich wegen Corona die Hände häufig zu waschen, sich aktuell um deutlichen Abstand zu anderen Menschen zu bemühen und Menschenansammlungen zu meiden. Sieben von zehn signalisieren, weiterhin nur eingeschränkt Freunde und Verwandte zu treffen. Fast jeder Fünfte verweist darauf, seinen Mund-Nasen-Schutz sogar außerhalb von Geschäften, Restaurants und öffentlichen Verkehrsmitteln zu tragen.

Studieninformation

Grundgesamtheit:Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland

Stichprobe:Repräsentative Zufallsauswahl/Dual-Frame
(Relation Festnetz-/Mobilfunknummern 60:40)

Erhebungsverfahren:Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl:1.003 Befragte
Sonntagsfrage: 1.503 Befragte

Erhebungszeitraum:29. Juni bis 30. Juni 2020
Sonntagsfrage: 29. Juni bis 01. Juli 2020

Schwankungsbreite:liegt mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit
bei einem Anteilswert von 5 Prozent bei unter 1,4 bzw.
bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei unter 3,1 Prozentpunkten.

Durchführendes Institut:infratest dimap

Wahlforschung