ARD-DeutschlandTREND Juni 2020

Auf die rückläufigen Infektionszahlen hat die Politik in Deutschland erstmals Ende April mit der Rücknahme von Beschränkungen im Alltag reagiert. Für 56 Prozent der Wahlberechtigten ist der Umfang der Lockerungen in Deutschland angemessen. Drei von zehn empfinden die unternommenen Lockerungsmaßnahmen dagegen bereits als zu weitgehend. Nur 13 Prozent gehen die Alltagserleichterungen nicht weit genug. Während der Normalisierungskurs der letzten Wochen alles in allem Unterstützung findet, stößt das unterschiedliche Vorgehen der Bundesländer eher auf Skepsis: So sollten nach Ansicht von 55 Prozent die Bundesländer einheitlich handeln. Immerhin 45 Prozent empfinden es allerdings durchaus als richtig, dass jedes Bundesland für sich entscheidet, wie und wann es Lockerungen vornimmt. 

Langsam sichtbar werden die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und des Lockdowns. Vor dem Hintergrund sinkender Infektionszahlen und fortgesetzter Lockerungen von Alltagseinschränkungen hellt sich kurzfristig die wirtschaftliche Stimmung der Deutschen allerdings erst einmal wieder auf. Nach 32 Prozent im Vormonat bewerten aktuell 40 Prozent die wirtschaftliche Lage in Deutschland positiv.

Zur Bekämpfung der Folgen der Corona-Pandemie hat die Politik umfangreiche Hilfen gegeben und stellt auch weitere in Aussicht. Aus Sicht der Bundesbürger finden allerdings nicht alle gesellschaftlichen Interessen gleichermaßen Berücksichtigung. Defizite werden insbesondere im Schul- und Bildungsbereich identifiziert: Fünf von zehn vertreten die Meinung, die Politik habe sich um die Belange von Kindergärten und Schulen in der Corona-Krise zu wenig gekümmert. Demgegenüber wirkt die Aufmerksamkeit der Politik speziell für die Belange der deutschen Automobilbranche, noch mehr aber für die Interessen des Profi-Fußballs auf viele Bürger in der Krise übertrieben. Breite gesellschaftliche Interessen zu integrieren gilt es nicht zuletzt beim milliardenschweren Konjunkturpaket, auf das sich die Bundesregierung am späten Mittwochabend verständigt hat. Die letztlich von Schwarz-Rot angenommene Idee, an Familien einmalig mehrere hundert Euro pro Kind auszuzahlen, weist nach Ansicht von 59 Prozent in die richtige Richtung. 35 Prozent betrachten einen solchen Familienbonus als falsch. Dem Vorschlag einer neuen staatlichen Autokaufprämie standen die Deutschen dagegen von vornherein kritischer gegenüber. 55 Prozent sprachen sich vor dem Koalitionsgipfel grundsätzlich dagegen aus. Die am Ende vom Kabinett beschlossene Beschränkung einer staatlichen Kaufförderung auf E-Autos unterstützten 18 Prozent. 19 Prozent hätten sich eine gleich hohe Kaufprämie für alle Motortypen gewünscht, weitere 6 Prozent eine niedrige Kaufprämie auch für Verbrenner. 

Akzeptanz und Erfolg des neuen Konjunkturpakets werden die Wahrnehmung der schwarz-roten Bundesregierung in den kommenden Monaten wesentlich prägen. Bislang konnte das Kabinett in der Corona-Krise überzeugen. Kaum verändert zum Vormonat bewertet mit 62 Prozent auch im Juni die Mehrzahl der Wahlberechtigten die Berliner Regierungsarbeit wohlwollend. Die alles in allem stabile Bewertung von Bundesregierung, aber auch der Koalitionsspitzen geht einher mit insgesamt marginalen Veränderungen in der Sonntagsfrage. CDU/CSU und SPD schneiden mit 38 Prozent bzw. 15 Prozent (jeweils -1) ähnlich ab wie im Vormonat. Die Grünen liegen mit 19 Prozent (+1) etwas besser als im Mai. Die AfD könnte unverändert mit einem Wähleranteil von 9 Prozent rechnen, die Linke mit 8 Prozent (+/-0). Die FDP hätte 6 Prozent in Aussicht (+1).   

Studieninformation
Grundgesamtheit

Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland

Stichprobe

Repräsentative Zufallsauswahl/Randomstichprobe

Erhebungsverfahren

Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl

1.005 Befragte
Sonntagsfrage: 1.505 Befragte
Wirtschaftliche Lage, persönliche wirtschaftliche Lage, Familien-Bonus, Autokauf-Prämie: 500 Befragte

Erhebungszeitraum

02. Juni bis 03. Juni 2020

Schwankungsbreite

bei 1.000 Befragten liegt mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit
bei einem Anteilswert von 5 Prozent bei unter 1,4 bzw.
bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei unter 3,1 Prozentpunkten.

© infratest dimap

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25.11.2020, 20:54

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