ARD-DeutschlandTREND Mai 2020

Zur Eindämmung des Corona-Virus wurden in Deutschland Ende März massive Einschränkungen im öffentlichen Leben vorgenommen. Aus epidemiologischer Sicht mit Erfolg: Die Zahl der Neuinfektionen ist deutlich rückläufig. Damit einhergehend hat sich in der Bevölkerung sowohl die Infektionsangst als auch die Sorge vor einer Überlastung der medizinischen Infrastruktur massiv abgeschwächt.

Die gesundheitspolitischen Erfolge der letzten Wochen bestimmen die Sicht auf die Bundesregierung: Kaum verändert stellen ihr gut zwei Drittel ein positives Zeugnis für das Krisenmanagement aus. Dies trägt auch im Mai zu einer mehrheitlich wohlwollenden Bewertung der Regierungsarbeit insgesamt bei. Erneut äußern sich fast zwei Drittel zufrieden. Die Unterstützungswerte für die Kabinettsspitzen bleiben ebenfalls hoch. Angela Merkel erhält den größten Zuspruch seit Juli 2017. Olaf Scholz und Jens Spahn verfehlen ihre persönlichen Rekordwerte vom Vormonat knapp. Peter Altmaier erzielt einen neuen Bestwert, ebenfalls Horst Seehofer als Innenminister.

Nach sechs Wochen Lockdown bestimmen die Pandemiefolgen die Debatten. Die wirtschaftliche Stimmung der Bundesbürger hat innerhalb von zwei Monaten einen Rekordabsturz durchlaufen: Bewerteten vor dem Lockdown noch zwei Drittel die wirtschaftliche Lage in Deutschland positiv, kommt aktuell nur ein Drittel zu diesem Urteil – der niedrigste Wert im ARD-DeutschlandTREND seit der Euro-Finanzkrise.

Diese Lagebeurteilung geht einher mit Skepsis gegenüber der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung. Ähnlich wie im Vormonat machen sich wegen des Corona-Ausbruchs drei Viertel sehr große bzw. große Sorgen, dass sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland verschlechtert. Kurzarbeitergeld, Soforthilfeprogramme, sinkende Infektionszahlen und erste Maßnahme-Lockerungen wecken kurzfristig allerdings Hoffnungen, zumindest für die persönliche Situation: Die Zahl der Erwerbstätigen, die sich ernsthafte Sorgen um den Verlust des Arbeitsplatzes machen ist zum Vormonat leicht auf 13 Prozent gesunken.

Neben den wirtschaftlichen Konsequenzen wurde in Deutschland zuletzt verstärkt über soziale und verfassungspolitische Aspekte des Lockdowns diskutiert. Zunehmende Aufmerksamkeit erzielte die Situation der Kinder. Knapp zwei Drittel der Deutschen machen sich sehr große bzw. große Sorgen, dass wegen eingeschränkter Betreuungs- und Schulangebote die Entwicklung von Kindern beeinträchtigt sein könnte. Dass der Lockdown Freiheitsrechte längerfristig einschränkt, bewegt trotz begonnener Lockerungen weiterhin etwa vier von zehn Wahlberechtigten. Ungeachtet bestehender Sorgen ist die Haltung der Bundesbürger zum weiteren Corona-Kurs keineswegs eindeutig: Jeder zweite Bundesbürger wünscht sich für die kommenden Wochen zwar eine größere Lockerung von Maßnahmen. Immerhin 41 Prozent sprechen sich dagegen für ein Festhalten an den bisherigen Einschränkungen aus.

Von der guten Gesamtbewertung der schwarz-roten Bundesregierung und ihres Krisenmanagements profitiert weiterhin allein die Union: Sie legt in der Sonntagsfrage zum Vormonat um 5 Punkte auf 39 Prozent zu. Letztmalig lag sie im August 2017 auf diesem Niveau. Die SPD verharrt wie im April bei 16 Prozent. Die Opposition tut sich weiterhin schwer. Die Grünen hätten aktuell 18 Prozent (-4) in Aussicht, der niedrigste Wert seit Oktober 2018. Die AfD ist mit 9 Prozent (-1) wie zuletzt im August 2017 nur noch einstellig. Die FDP müsste mit 5 Prozent wie im Vormonat um den Bundestagseinzug kämpfen. Allein die Linke legt leicht zu, sie käme aktuell auf 8 Prozent (+1).

Wer die CDU/CSU letztlich 2021 in die Bundestagswahl führen wird, ist bislang offen. Von den Unions-Politikern, die hierzu im Gespräch sind, gilt Markus Söder aktuell bei jedem zweiten Bundesbürger (53 Prozent) als ein guter Kanzlerkandidat. Er überzeugt damit mehr Wahlberechtigte als Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen. Der bayerische Ministerpräsident hat im Zuge der Corona-Krise deutlich an Rückhalt gewonnen und schneidet auch im Urteil der Unions-Anhänger derzeit am besten ab.    

Studieninformation
Grundgesamtheit

Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren

Stichprobe

Repräsentative Zufallsauswahl/Dual-Frame
(Relation Festnetz-/Mobilfunknummern 60:40)

Erhebungsverfahren

Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl

1.003 Befragte
Sonntagsfrage: 1.503 Befragte

Erhebungszeitraum

04. Mai bis 05. Mai 2020
Sonntagsfrage. 04. Mai bis 06. Mai 2020

Schwankungsbreite

liegt mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit
bei einem Anteilswert von 5 Prozent bei unter 1,4 bzw.
bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei unter 3,1 Prozentpunkten.

© infratest dimap

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25.11.2020, 20:54

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