ARD-DeutschlandTREND November 2020

US-Wahl

Die US-Präsidentschaftswahl dominierte die Schlagzeilen der vergangenen Woche. Dass nach aktuellem Stand Joe Biden als Sieger hervorgegangen ist, bewertet das Gros der Bundesbürger erwartungsgemäß wohlwollend. Anders als nach der Wahl von Donald Trump rechnet die Mehrheit der Deutschen damit, dass sich unter Biden das deutsch-amerikanische Verhältnis verbessern wird. Positive Erwartungen verbinden die Deutschen mit einem Wechsel im Weißen Haus auch für die inneramerikanischen Verhältnisse: Eine Mehrheit sieht in dem Demokraten keineswegs eine schlechtere Wahl für die Entwicklung der US-Wirtschaft. Gut acht von zehn rechnen vielmehr damit, dass sich die USA unter Biden insgesamt positiv entwickeln würden. Allerdings geht eine klare Mehrheit der Menschen in Deutschland davon aus, dass Biden viele Ziele nicht erreichen wird, da er bei wichtigen politischen Themen auf die Zusammenarbeit mit den Republikanern angewiesen ist. Rund die Hälfte traut Biden zu, die Spaltung der US-amerikanischen Gesellschaft zu überwinden.  

Corona-Pandemie und Aussicht auf Impfstoff

Die Nachricht, dass ein deutsches Pharmaunternehmen demnächst die Zulassung für einen Corona-Impfstoff beantragen wird, weckt neue Hoffnungen im Kampf gegen die Pandemie. Da die Menge von Impfstoffen anfangs nicht ausreichen wird, hat eine Expertengruppe vorgeschlagen, als erstes Risikogruppen, Ärzte und Pflegepersonal sowie Mitarbeiter in der Daseinsvorsorge zu immunisieren. Dies stößt in der Bevölkerung kaum auf Widerspruch. Zu einer größeren Herausforderung könnte ein ungenügendes Vertrauen der Bevölkerung in schnell entwickelte Corona-Impfstoffe werden. So geht die Impfbereitschaft der Bundesbürger aktuell eher zurück. Nach 44 Prozent im August geben momentan 37 Prozent an, sich auf jeden Fall impfen zu lassen, sollte ein Impfstoff vorliegen.

Bewertung von Regierungshandeln

Ohne einen Impfstoff stehen bei der Bekämpfung hoher Infektionszahlen Alltagseinschränkungen im Vordergrund. Den aktuellen Teil-Lockdown bewertet ähnlich wie zu Beginn der Maßnahmen in der Vorwoche gut die Hälfte der Bundesbürger als angemessen. Dem Ansehen der Bundesregierung und der Koalitionsspitzen schaden die neu geltenden Corona-Einschränkungen nicht, im Gegenteil: Zwei Drittel der Bundesbürger äußern sich zufrieden zur Arbeit der Berliner Koalition, ein neuer Rekordwert im ARD-DeutschlandTREND. Mit Angela Merkel sind so viele zufrieden wie seit April 2015 nicht mehr. Gesundheitsminister Jens Spahn und Finanzminister Olaf Scholz erzielen ebenso neue persönliche Bestwerte wie Außenminister Heiko Maas und Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Zugute kommt der Bundesregierung, dass sich in den vergangenen drei Monaten die wirtschaftliche Stimmung in der Bevölkerung wieder aufgehellt hat. Nach 38 Prozent im August bezeichnet zu Beginn des neuen Teil-Lockdowns etwa die Hälfte die wirtschaftliche Lage in Deutschland als gut oder sehr gut. Ebenso viele bleiben bei einem kritischen Urteil zur wirtschaftlichen Situation, nach 61 Prozent vor drei Monaten.  

Für die bundespolitische Stimmung bleibt der neue Teil-Lockdown bislang ohne wesentliche Folgewirkungen. Die CDU/CSU hätte bei einer Bundestagswahl aktuell einen Wähleranteil von 36 Prozent in Aussicht, 1 Punkt mehr als vor einem Monat. Der Koalitionspartner SPD käme unverändert auf 15 Prozent. Leichte Einbußen betreffen Grüne und Linkspartei. Die Grünen verlieren 1 Punkt auf 20 Prozent, die Linke 1 Punkt auf 7 Prozent. Die AfD könnte wie Anfang Oktober mit 10 Prozent rechnen, die FDP mit 6 Prozent. Alle anderen Parteien kämen zusammen auf 6 Prozent (+1). Union und SPD hätten bei einem solchen Wahlgang weiterhin eine Mehrheit, um ihre Regierungsarbeit in Berlin fortzusetzen. Rechnerisch möglich aber wäre unverändert auch die Bildung einer schwarz-grünen Koalition.   

Studieninformation
Grundgesamtheit

Wahlberechtigte in Deutschland

Stichprobe

Repräsentative Zufallsauswahl/Dual-Frame
(Relation Festnetz-/Mobilfunknummern 60:40)

Erhebungsverfahren

Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl

1.004 Befragte
Sonntagsfrage: 1.504 Befragte

Erhebungszeitraum

09. bis 10. November 2020
Sonntagsfrage: 09. bis 11. November 2020

Schwankungsbreite

liegt mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit
bei einem Anteilswert von 5 Prozent bei unter 1,4 bzw.
bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei unter 3,1 Prozentpunkten.

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