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ARD-DeutschlandTREND

September 2020

Ein Jahr vor der Bundestagswahl ist die bundespolitische Stimmung durch eine weiterhin positive Sicht auf die Exekutive geprägt. Der mit ihrem Corona-Krisenmanagement einsetzende Vertrauensschub für die Berliner Koalition wirkt auch im September fort: 66 Prozent sind mit der Arbeit von Schwarz-Rot zufrieden. Die Leistungen der CDU-Kanzlerin bewerten 72 Prozent wohlwollend, die des SPD-Vizekanzlers 59 Prozent. Die Zufriedenheit mit Kabinett und Koalitionsspitze zahlte in den vergangenen Monaten in erster Linie auf die CDU/CSU ein. Ihre starke Stellung in den Parteipräferenzen der letzten Monate fußte nicht zuletzt auf einem hohen Sachvertrauen bei der Bewältigung der Corona-Pandemie. Auf die Frage, wer Deutschland gut durch die Krise führen kann, setzen die meisten Wahlberechtigten auf die CDU/CSU. Bei einer aktuellen Bundestagswahl blieben die Unionsparteien weiterhin mit Abstand stärkste Kraft. Allerdings geben sie zum Vormonat 2 Punkte ab und erzielen mit 36 Prozent den niedrigsten Wert seit April. Die SPD legt im selben Umfang zu. Mit aktuell 17 Prozent liegt in der Sonntagsfrage des ARD-DeutschlandTREND sie so gut wie seit Mai 2019 nicht mehr. Sie bleibt allerdings hinter den Grünen, die aktuell auf 19 Prozent kämen (+1). Die AfD schließt leicht schwächer ab und hätte derzeit 10 Prozent in Aussicht (-1). Linke und FDP würden wie im Vormonat 6 bzw. 7 Prozent erzielen. Alle anderen Parteien kämen zusammen weiterhin auf 5 Prozent.

Für die Bundestagswahl im kommenden Jahr wird neben dem sachpolitischen Angebot die Personalaufstellung der Parteien von Bedeutung sein. Bislang hat sich allein die SPD festgelegt. Ihre Entscheidung, Olaf Scholz als Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2021 aufzustellen, findet größeren Anklang als unmittelbar nach der Bekanntgabe. 55 Prozent der Bundesbürger halten den Finanzminister aktuell für einen guten SPD-Kanzlerkandidaten, bei den SPD-Anhängern sind es 77 Prozent. Für die Unionsparteien ist offen, mit wem sie letztlich an ihrer Spitze in den Bundeswahlkampf ziehen werden. 56 Prozent der Bundesbürger und 75 Prozent der Unions-Anhänger sind der Meinung, dass Markus Söder ein guter Unions-Kanzlerkandidat wäre. Der CSU-Politiker erfährt damit von den vier in der öffentlichen Diskussion stehenden Kandidaten weiterhin die mit Abstand größte Unterstützung, auch in der Wählerschaft von CDU/CSU. Bei den Grünen wird die Entscheidung zwischen den beiden Parteivorsitzenden fallen. In der Bevölkerung gilt Robert Habeck als der bessere Grünen-Spitzenkandidat: 42 Prozent bezeichnen ihn als guten Grünen-Kanzlerkandidaten, während 28 Prozent Annalena Baerbock als gute Kandidatin betrachten. In der Grünen-Anhängerschaft findet Habeck ebenfalls mehr Zuspruch als seine Co-Vorsitzende (65:59 Prozent).

Mit der beginnenden Rückreisewelle und dem Schulstart nach den Sommerferien waren in der Bevölkerung die Sorgen vor einer Corona-Ansteckung zuletzt gewachsen. Sie schwächen sich nun wieder ab: Aktuell ist ein Viertel in Sorge, dass sie sich selbst oder Familienmitglieder anstecken könnten. Auch wenn die Mehrheit keine unmittelbare Sorge vor einer Ansteckung hat, sind die Deutschen offen für Maßnahmen, um die Pandemie weiter unter Kontrolle zu halten. Eine Absage von Karnevalsfeiern für Herbst und Frühjahr geht nach Ansicht von 86 Prozent in die richtige Richtung. Jeweils zwei Drittel unterstützen ebenso die Einführung von Teilnehmerobergrenzen bei Privatfeiern oder auch den Verzicht auf Weihnachtsmärkte in diesem Jahr. Die Akzeptanz entsprechender Maßnahmen fällt im Osten deutlich niedriger aus als im Westen. Zugleich findet nicht jeder Vorschlag für weitere Alltagsbeschränkungen bei den Deutschen Anerkennung. Eine Maskenpflicht am Arbeitsplatz oder im Schulunterricht stößt mehrheitlich auf Widerspruch.   

Studieninformation

Grundgesamtheit:Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland

Stichprobe:Repräsentative Zufallsauswahl/Dual Frame
(Relation Festnetz- /Mobilfunknummern 60:40)

Erhebungsverfahren:Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl:1027 Befragte
Sonntagsfrage: 1527 Befragte

Erhebungszeitraum:31.08.-2.9.2020

Schwankungsbreite:liegt mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit
bei einem Anteilswert von 5 Prozent bei unter 1,4 bzw.
bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei unter 3,1 Prozentpunkten.

Durchführendes Institut:infratest dimap

Wahlforschung