ARD-DeutschlandTREND April 2021

Repräsentative Studie im Auftrag der ARD

Die Unzufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger mit dem Corona-Krisenmanagement von Bund und Ländern ist im aktuellen ARD-DeutschlandTREND so groß wie nie seit Ausbruch der Pandemie. Nach einem Minus von 23 Prozentpunkten im Vergleich zu Februar, ist gerade noch ein knappes Fünftel mit dem Krisenmanagement zufrieden, vier Fünftel sehen das Handeln von Bund und Ländern hingegen überwiegend kritisch. Auch wächst die Zahl derer deutlich, die die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Krise für nicht ausreichend halten und sich für strengere Maßnahmen aussprechen (48 Prozent; +16 im Vergleich zu Mitte März). Noch ein knappes Viertel bewertet die Regelungen weiterhin als angemessen. Große Zweifel bestehen an der Organisation des Krisenmanagements. Vier Fünftel der Deutschen sind aktuell weniger oder gar nicht zufrieden mit den Corona-Impfungen, knapp zwei Drittel empfinden den Einsatz von Corona-Schnell- und Selbsttests als unzureichend. Dabei bemängeln drei Viertel der Bürger, dass die Bundesregierung in der Pandemie immer wieder mehr versprochen hat, als sie halten konnte. Zwei Drittel haben nach eigenem Bekunden den Überblick verloren, was gerade erlaubt und was verboten ist. Umstritten ist die Umsetzung der sogenannten „Notbremse“: Die eine Hälfte der Deutschen spricht sich für eine verbindliche Umsetzung der Regelung aus, mit der gemäß einer Anfang März geschlossenen Vereinbarung von Bund und Ländern auf schnell steigende Infektionsraten durch eine Rücknahme von Lockerungen reagiert werden soll. Die andere Hälfte fände es hingegen besser, die Situation jeweils regional zu prüfen und neu abzuwägen. Den Appell der Intensivmediziner, durch einen harten Lockdown eine Überlastung der Krankenhäuser zu verhindern, unterstützen knapp zwei Drittel, ein knappes Drittel hält einen härteren Lockdown indes für falsch.

Unter dem Eindruck des unzureichend funktionierenden Krisenmanagements stößt auch das Regierungshandeln insgesamt auf immer größere Vorbehalte. Die Zufriedenheit mit der schwarz-roten Koalition (35 Prozent; -15) fällt auf den niedrigsten Wert seit Ausbruch der Pandemie im letzten Jahr, erstmals seit März 2020 überwiegt damit in der Bevölkerung wieder die Unzufriedenheit. Die Kanzlerin bleibt zwar die populärste Politikerin, fällt nach Verlusten (58 Prozent; -6) allerdings ebenfalls auf den niedrigsten Zustimmungswert seit März 2020. CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn verliert nochmals deutlich an Rückhalt und bekommt mit 31 Prozent (-8) den geringsten Zuspruch seit Dezember 2018. Ähnliches gilt für den CDU-Parteivorsitzenden Armin Laschet, der mit einem Rekordtief von 26 Prozent (-9) noch deutlicher als im Vormonat hinter Markus Söder (54 Prozent) zurückbleibt. Aber auch SPD-Kanzlerkandidat und Finanzminister Olaf Scholz verzeichnet einen spürbaren Rückgang (-8), 40 Prozent der Wahlberechtigten zeigen sich aktuell mit seiner Arbeit zufrieden. Noch ist offen, wer die Union in den Bundestagswahlkampf führen wird, von den beiden potenziellen Unions-Kandidaten halten aber deutlich mehr Bürger Markus Söder (54 Prozent) für einen geeigneten Kandidaten als Armin Laschet (19 Prozent). Noch stärker punktet Söder in den Reihen der Unionsanhänger. Auch bei den Grünen ist die Kanzlerkandidatur noch nicht entschieden. In der Gesamtbevölkerung liegt Robert Habeck (30 Prozent) leicht vor Annalena Baerbock (25 Prozent), bei den eigenen Anhängern liegen beide gleich auf.

Mit der rückläufigen Bewertung der Berliner Regierungsarbeit setzt sich der Negativtrend der vergangenen Wochen für die Union in der Sonntagsfrage fort. Bei einer Bundestagswahl zum aktuellen Zeitpunkt käme die CDU/CSU auf 27 Prozent (-6) und fällt damit im ARD-DeutschlandTREND auf exakt denselben Wert wie bei Ausbruch der Pandemie im März letzten Jahres (27 Prozent). Ihr Koalitionspartner SPD hätte unverändert zum Vormonat 16 Prozent in Aussicht. Die Sozialdemokraten liegen damit noch deutlicher als im März hinter den Grünen, die sich auf 22 Prozent (+2) verbessern. Die AfD käme auf unverändert 11 Prozent, die Linke auf unverändert 7 Prozent. Die FDP könnte nach einem Plus von 2 Punkten mit 9 Prozent der Stimmen rechnen. Alle übrigen Parteien kämen zusammen auf 8 Prozent (+2).

Studieninformation
Grundgesamtheit

Wahlberechtigte in Deutschland

Erhebungsmethode

Zufallsbasierte Telefon- und Onlinebefragung
(Telefon: 60% Festnetz, 40% Mobilfunk)

Fallzahl

1.348 Befragte
(882 Telefoninterviews und 466 Online-Interviews)

Erhebungszeitraum

29. bis 30. März 2021

Schwankungsbreite

2* bis 3** Prozentpunkte

* bei einem Anteilswert von 10 %
** bei einem Anteilswert von 50 %

© infratest dimap

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16.04.2021, 09:09

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