ARD-DeutschlandTREND August 2021

Repräsentative Studie im Auftrag der ARD

Gut zwei Monate vor der Bundestagswahl kämpft Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet mit einem Sympathieeinbruch. Nach 37 Prozent im Vormonat äußern sich aktuell 24 Prozent zufrieden zu seiner Person. Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock wird allerdings kaum besser bewertet. Beide bleiben zugleich jeweils weit hinter den Zufriedenheitswerten früherer Spitzenkandidaten ihrer Parteien zurück. Olaf Scholz ist nach wie vor der populärste der drei Kanzlerkandidaten. Sein Sympathievorsprung prägt deutlicher als im Vormonat die Präferenz für die künftige Besetzung im Kanzleramt: Bei einer Direktwahl würden sich 35 Prozent für ihn entscheiden, 20 Prozent für Laschet, 16 Prozent für Baerbock. Trotz Laschets Sympathieschwäche ist der Wunsch nach einer erneut CDU/CSU-geführten Regierung in der Bevölkerung weiterhin vergleichsweise am stärksten ausgeprägt: 35 Prozent sprechen sich hierfür aus. Ein Viertel macht sich für ein Kabinett unter SPD-Führung stark, jeder Sechste für einen Wechsel zugunsten der Grünen.

In der aktuellen Sonntagsfrage geht die Unterstützung für Union wie Grüne zum Vormonat leicht zurück (je -1). Mit einem Anteil von 27 Prozent bliebe die CDU/CSU zum jetzigen Zeitpunkt jedoch unangefochten stärkste Kraft. Die Grünen kämen auf 19 Prozent, dicht gefolgt von den Sozialdemokraten, die auf 18 Prozent (+3) zulegen – der beste SPD-Wert seit Mai 2019. Während sich die FDP auf 12 Prozent (+1) verbessert, büßen AfD und Linke (je -1) geringfügig ein. Sie hätten einen Anteil von 10 bzw. 6 Prozent in Aussicht. Alle übrigen Parteien würden unverändert 8 Prozent erzielen. Bei einem solchen Wahlausgang stände eine Mehrheit für Schwarz-Grün auf der Kippe. Unionsgeführte Drei-Parteienkoalitionen mit Grünen und FDP, aber auch mit SPD und FDP hätten eine eigene Mehrheit. Grünen-geführte Bündnisse wären mit SPD und FDP möglich, nicht jedoch mit SPD und Linken.

Die scheidende Bundeskanzlerin erfährt weiterhin den größten Zuspruch aller abgefragten Politiker. Auf den Amtsbonus der Kanzlerin wird die Union im September jedoch nicht mehr setzen können. Für die Jahre der Merkel-Kanzlerschaft ziehen drei Viertel der Wahlberechtigten eine positive Bilanz. Für sie war die Politikerin in 16 Jahren alles in allem eine gute Amtsinhaberin. Jeweils deutliche Mehrheiten weisen Angela Merkel am Ende ihrer Amtszeit Kompetenz, Führungsstärke und Glaubwürdigkeit zu. Für sieben von zehn gilt sie zudem als sympathische Politikerin. Das von Angela Merkel geführte Kabinett findet ähnlich wie im Vormonat Rückhalt bei gut vier von zehn Bundesbürgern. Damit ist die Bundesregierung zwar weit entfernt von der Popularität, die sie im Zuge des Corona-Krisenmanagements des vergangenen Jahres erlangte. Zugleich wird ihre Regierungsarbeit jedoch nach wie vor besser bewertet als in der ersten Hälfte der Legislaturperiode.

Zugutekommen dürfte der Bundesregierung im aktuellen Urteil das nach wie vor geringe Inzidenzniveau. Die Corona-Maßnahmen sind für die Hälfte der Wahlberechtigten weiterhin angemessen. Einem Fünftel und damit mehr als im Frühsommer gehen sie im Umfeld leicht ansteigender Inzidenzwerte nicht weit genug. Unverändert ein Viertel hält die Maßnahmen für übertrieben. Für die weitere Inzidenzentwicklung und daraus resultierenden Auflagen gilt eine hohe Impfquote als entscheidend. Der Zuspruch zur Corona-Impfung ist seit dem Frühjahr gewachsen: Acht von zehn Deutschen wollen sich auf jeden Fall impfen lassen bzw. sind bereits mindestens einmal geimpft. Jeder Achte tendiert dagegen dazu, sich wahrscheinlich nicht impfen zu lassen bzw. schließt eine Impfung aus. Hauptgrund ist die Sorge vor unbekannten gesundheitlichen Folgeschäden. Zweifel am Risiko einer Ansteckung oder eine grundsätzliche Impf-Skepsis spielen dagegen eine nachrangige Rolle. Um die Impfquote zu erhöhen, werden derzeit mehrere Maßnahmen diskutiert. Eine Impfpflicht ist bei den Deutschen umstritten. 50 Prozent lehnen sie ab und folgen damit der Position der Bundesregierung. Etwa die Hälfte (46 Prozent) befürwortet sie. Weitaus offener sind die Deutschen gegenüber Impf-Anreizen. So unterstützen zwei Drittel eine Befreiung vollständig Geimpfter von Corona-Einschränkungen. Das ebenfalls diskutierte Ende der Kostenübernahme für Corona-Schnelltests, wenn jeder ein Angebot für eine Impfung erhalten hat, findet Unterstützung bei sechs von zehn Bundesbürgern. 

Studieninformation
Grundgesamtheit

Wahlberechtigte in Deutschland

Erhebungsmethode

Zufallsbasierte Telefon- und Onlinebefragung
(Telefon: 60% Festnetz, 40% Mobilfunk)

Fallzahl

1.312 Befragte
(858 Telefoninterviews und 454 Online-Interviews)

Erhebungszeitraum

02. bis 04. August 2021

Schwankungsbreite

2* bis 3** Prozentpunkte

* bei einem Anteilswert von 10 %
** bei einem Anteilswert von 50 %

© infratest dimap

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