ARD-DeutschlandTREND Dezember 2021

Repräsentative Studie im Auftrag der ARD

Deutschland befindet sich in der vierten Corona-Welle und kämpft mit Rekordinfektionszahlen. Die Sorge, sich selbst mit dem Corona-Virus anzustecken, ist binnen eines Monats gestiegen und bewegt derzeit jeden Dritten. Größere Sorgen als die eigene Infektion bereiten mögliche Ansteckungen bei bislang ungeimpften Kindern, mehr noch aber schwerere Krankheitsverläufe bei Älteren. Sechs von zehn treibt die Sorge vor neuen Varianten wie dem Omikron-Virus um. Ebenso viele und damit erkennbar mehr als Ende letzten Jahres fürchten Engpässe in der medizinischen Versorgung von Erkrankten. Die Furcht vor sich erneut ausdünnenden sozialen Kontakten bewegt die Hälfte der Deutschen. Wirtschaftliche Sorgen benennen im Zusammenhang mit Corona drei von zehn, sie sind damit verbreiteter als im Dezember 2020.

Die Reaktion der Politik auf die vierte Pandemie-Welle überzeugt die Deutschen nicht. Acht von zehn üben am Krisenmanagement von Bund und Ländern Kritik. Die Verantwortung für die aufgelaufenen Probleme im Krisenmanagement wird weniger bei den Ländern als beim Bund gesehen und dort wiederum vor allem bei der sich noch im Amt befindlichen Bundesregierung, kaum dagegen bei den Ampel-Parteien. Mit Amtsantritt wird im Bund auch die Ampelkoalition an ihrer Corona-Politik gemessen werden. Die meisten Deutschen wünschen sich in der aktuellen Lage einen härteren Kurs. Sechs von zehn gehen die bestehenden Corona-Maßnahmen nicht weit genug, so viele wie noch nie seit Ausbruch der Pandemie. Zu den von deutlichen Mehrheiten unterstützten Corona-Maßnahmen gehören neben der Einführung einer Corona-Impfpflicht der erneute Publikumsausschluss bei Bundesliga-Spielen, die strengere Beschränkung von Kontakten sowie das Schließen von Bars und Kneipen wie auch von Weihnachtsmärkten. Während ein Lockdown für Kultureinrichtungen umstritten ist, fände ein Verbot touristischer Übernachtungen ebenso wenig Unterstützung wie Schließungen in Gastronomie oder im stationären Einzelhandel. Erneute Einschränkungen bei Schulen und in der Kita-Betreuung von Kindern lehnt anders als Ende letzten Jahres jeweils eine klare Mehrheit ab.

Mitten in der vierten Pandemie-Welle vollzieht sich in Deutschland die Übergabe der Regierungsgeschäfte. Zu Angela Merkel äußern sich zum Ende ihrer Kanzlerschaft knapp sieben von zehn zufrieden. Sie ist damit unmittelbar vor ihrer Verabschiedung aus dem Kanzleramt die mit Abstand populärste Politikerin und überzeugt mehr Wahlberechtigte als die Spitzen des künftigen Ampel-Bündnisses. Der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz findet aktuell Rückhalt bei jedem Zweiten. Der SPD-Politiker sieht sich wie auch sein Koalitionspartner Christian Lindner von der FDP vor dem anstehenden Regierungswechsel mit deutlicheren Sympathieeinbußen konfrontiert. Der von den Ampel-Parteien vorgelegte Koalitionsvertrag trägt nach Ansicht von vier von zehn am ehesten die Handschrift der Liberalen. Für ein Drittel haben sich die Sozialdemokraten in den Koalitionsverhandlungen am stärksten durchgesetzt, für 13 Prozent die Grünen. Während in den Reihen von SPD und FDP bei gut vier von zehn der Eindruck besteht, die eigene Partei habe am besten verhandelt, teilt bei den Grünen-Anhänger nur jeder Sechste diese Ansicht. Dennoch sind die Grünen-Anhänger mehr noch als die von FDP und SPD der Meinung, der vorgestellte Koalitionsvertrag liefere die richtigen Antworten auf die Fragen der Zukunft. Von den Bundesbürgern insgesamt vertritt nur etwa jeder Zweite diese Position.

Zu den Vorhaben der Ampel-Koalition, die in der Bevölkerung eine deutliche Unterstützung finden, gehören der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Einführung eines Klimachecks in der Gesetzgebung des Bundes, ferner die geplante Anhebung des Mindestlohns sowie die Bündelung staatlicher Leistungen für Kinder in einer Kindergrundsicherung. Überwiegenden Zuspruch finden ebenso ein vorzeitiger Kohleausstieg sowie die Abschaffung des Werbeverbots für Schwangerschaftsabbrüche. Auf ein eher geteiltes Echo stoßen in der Bevölkerung dagegen Pläne zur Cannabis-Legalisierung. Eher ablehnend stehen die Deutschen der vereinfachten Einbürgerung von Migranten sowie der Anschaffung von Kampfdrohnen für die Bundeswehr gegenüber. Nur wenig Zuspruch findet der Vorschlag zur Absenkung des Wahlalters bei Bundestagswahlen auf 16 Jahre. Die Rentenvorhaben der Ampel, angefangen von der Stabilisierung des Rentenniveaus bis hin zur Aktienrente, wecken bislang nur wenig Euphorie. Sieben von zehn sind skeptisch, dass die Pläne langfristig eine auskömmliche Rente sichern könnten.

In der aktuellen politischen Stimmung ergeben sich nur geringfügige Veränderungen. Bei einer Wahl zum jetzigen Zeitpunkt hätte die SPD 25 Prozent in Aussicht, 2 Punkte weniger als im Vormonat. Die Grünen liegen mit 17 Prozent (+1) etwas besser, die FDP mit 12 Prozent (-1) geringfügig schlechter. Die Union legt im Monatsverlauf um 2 Punkte auf 23 Prozent zu. Die AfD verbessert sich um 1 Punkt auf 11 Prozent, während die Linke unverändert 5 Prozent in Aussicht hätte. Alle übrigen Parteien kämen zusammen auf 7 Prozent (-1).  

Studieninformation
Grundgesamtheit

Wahlberechtigte in Deutschland

Erhebungsmethode

Zufallsbasierte Telefon- und Onlinebefragung
(Telefon: 60% Festnetz, 40% Mobilfunk)

Fallzahl

1.316 Befragte
(860 Telefoninterviews und 456 Online-Interviews)

Erhebungszeitraum

29. November bis 01. Dezember 2021

Schwankungsbreite

2* bis 3** Prozentpunkte

* bei einem Anteilswert von 10 %
** bei einem Anteilswert von 50 %

© infratest dimap

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