ARD-DeutschlandTREND Februar 2021

Repräsentative Studie im Auftrag der ARD

Mit sinkenden Corona-Neuinfektionszahlen wächst in Deutschland die Zahl derer, die die Alltagseinschränkungen als zu weitgehend empfinden. Allerdings hält die Hälfte die Corona-Maßnahmen weiterhin für angemessen, während sie einem weiteren Viertel nicht weit genug gehen. Nach wie vor sind gut vier von zehn Bundesbürgern in Sorge, dass sie selbst oder Angehörige mit dem Corona-Virus infiziert werden könnten. Gut die Hälfte der Deutschen ist über die Ausbreitung neuer Corona-Varianten beunruhigt. Zugleich verlieren die Bundesbürger die Nebenfolgen der Pandemie-Bekämpfung nicht aus dem Blick: Jeweils drei Viertel machen sich große bis sehr große Sorgen um die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands sowie die Entwicklung von Kindern aufgrund beschränkter Betreuungs- und Schulangebote. Kaum weniger als die Hälfte sorgt sich persönlich um zu geringe Sozialkontakte.

Nicht zu übersehen sind die Auswirkungen der Pandemie auf die öffentlichen Haushalte, so dass die Finanzierung der Corona-Kosten vermehrt in den öffentlichen Blickpunkt rückt. Populär ist in Deutschland weit über das linke Parteienlager hinaus die Erhebung von Steuern auf hohe Vermögen, die sieben von zehn unterstützen, aber für eine Refinanzierung der Corona-Kosten nicht ausreichen würden. Demgegenüber wird eine ertragsreiche Finanzierung von Corona-Kosten über die gesetzlichen Sozialversicherungen und die Anhebung von Beiträgen zur Kranken- und Rentenversicherung nur von jedem Siebten befürwortet. Ebenfalls nur wenig Rückhalt findet mit 29 Prozent die Privatisierung staatlicher Unternehmensanteile. Offener sind die Deutschen gegenüber der Neuaufnahme von Krediten, die nicht ganz die Hälfte zur Finanzierung der Corona-Kosten befürwortet.

Die Rückkehr zu gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Normalität ist nicht zuletzt an eine erfolgreiche Corona-Impfung der Bevölkerung geknüpft. Sechs von zehn Bundesbürgern und damit mehr als zu Jahresbeginn geben an, sich auf jeden Fall impfen lassen zu wollen. Der gestiegenen Impfbereitschaft steht allerdings eine wachsende Enttäuschung zum Impffortschritt gegenüber: Nach 52 Prozent in der ersten Januarwoche bezeichnen momentan zwei Drittel das Tempo der hiesigen Impfungen als zu langsam. Die gestiegene Kritik am Impftempo bei wachsenden Zweifeln an den Corona-Maßnahmen hat Folgen für die Bewertung des Krisenkurses wie der Berliner Regierungsleistungen insgesamt: Sowohl der Zuspruch zum Krisenmanagement von Bund und Ländern wie auch zur Arbeit der Bundesregierung fällt auf den niedrigsten Stand seit Ausbruch der Pandemie im vergangenen Jahr. Abgesehen von Außenminister Maas verlieren im Monatsverlauf alle Koalitionsspitzen im Urteil der Bevölkerung. Dies trifft weniger deutlich Bundeskanzlerin Merkel, umso stärker dagegen CDU-Wirtschaftsminister Altmaier, SPD-Finanzminister Scholz und CDU-Gesundheitsminister Spahn. Aber auch die Führung der Berliner Oppositionsparteien büßt durchweg Sympathien ein. Armin Laschet legt demgegenüber nach seiner Wahl zum CDU-Parteivorsitzenden zu. Seine Zufriedenheitswerte bleiben aber hinter denen des möglichen Mitbewerbers um die Unions-Kanzlerkandidatur, Markus Söder, zurück. Der bayerische Ministerpräsident überzeugt zudem unverändert mehr Unions-Anhänger als der NRW-Regierungschef.  

Die rückläufige Bewertung des Corona-Krisenmanagements wie der Berliner Regierungsarbeit schlägt sich nur gedämpft in der bundespolitischen Stimmung nieder. Bei einer Bundestagswahl käme die CDU/CSU aktuell auf 34 Prozent. Dies ist 1 Punkt weniger als vor einem Monat und zugleich der niedrigste Unions-Wert im ARD-DeutschlandTREND seit April letzten Jahres. Die SPD legt im selben Umfang zu und würde aktuell 15 Prozent erzielen. Die Grünen erreichen wie Anfang Januar 21 Prozent, die AfD hätte unverändert 10 Prozent in Aussicht. Die FDP verbessert sich um 1 Punkt auf 8 Prozent, der höchste FDP-Wert seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Die Linke wiederum gibt zum Vormonat 1 Punkt ab und käme auf 6 Prozent. Ebenfalls 6 Prozent (+/-0) würden alle übrigen Parteien zusammen erzielen.

Studieninformation
Grundgesamtheit

Wahlberechtigte in Deutschland

Stichprobe

Repräsentative Zufallsauswahl/Dual-Frame
(Relation Festnetz-/Mobilfunknummern 60:40)

Erhebungsverfahren

Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl

1.003 Befragte
Sonntagsfrage: 1.503 Befragte

Erhebungszeitraum

01. bis 02. Februar 2021
Sonntagsfrage: 01. bis 03. Februar 2021

Schwankungsbreite

liegt mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit
bei einem Anteilswert von 5 Prozent bei unter 1,4 bzw.
bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei unter 3,1 Prozentpunkten.

© infratest dimap

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16.04.2021, 09:09

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