ARD-DeutschlandTREND Juli 2021

Repräsentative Studie im Auftrag der ARD

Knapp drei Monate vor der Bundestagswahl ist die CDU/CSU in den Parteipräferenzen mit klarem Vorsprung stärkste Kraft. Bei einem aktuellen Wahlgang hätte sie wie im Vormonat einen Stimmenanteil von 28 Prozent in Aussicht. Die Grünen liegen mit unverändert 20 Prozent auf Rang Zwei. Die SPD müsste sich weiter mit dem dritten Platz begnügen und käme nach leichtem Zugewinn auf 15 Prozent (+1). Weiter zweistellig würden AfD und FDP mit jeweils 11 Prozent (je -1) abschneiden. Die Linke liegt stabil bei 7 Prozent. Alle anderen Parteien kämen zusammen auf 8 Prozent (+1). Dass die Union bei einem Wahlausgang als stärkste Kraft die Koalitionsbildung bestimmt, entspricht dem Wunsch von 39 Prozent der Bundesbürger. Sie bevorzugen für die Zeit nach der Bundestagswahl politische Kontinuität und erneut ein unionsgeführtes Kabinett. 20 Prozent der Bundesbürger favorisieren eine SPD-geführten Regierung. 19 Prozent wiederum ziehen eine Bundesregierung erstmals unter Grünen-Führung vor.

Beim Blick auf die drei Kanzlerkandidaten fällt das Bild keineswegs klar zugunsten der CDU/CSU aus. In der Frage der künftigen personellen Besetzung im Kanzleramt favorisieren aktuell 29 Prozent Olaf Scholz von der SPD, 28 Prozent Armin Laschet von der Union, nur 18 Prozent plädieren für Annalena Baerbock. Nach wie vor sind die Sympathien für Laschet in der Bevölkerung begrenzt. Trotz erneut gewachsenen Zuspruchs bleibt er hinter der Popularität der scheidenden Kanzlerin wie der seines SPD-Kontrahenten Scholz zurück. Mit einem Zuspruch von 37 Prozent liegt der CDU-Politiker im Bevölkerungsurteil mittlerweile allerdings weit vor der Grünen-Kanzlerkandidatin, die sich von ihrem Ansehensverlust wegen berichteter Unklarheiten im Lebenslauf und bei der Verbuchung von Zusatzeinnahmen bislang noch nicht wieder erholt hat. Wichtiger für die CDU/CSU als die Person des Kanzlerkandidaten: Wie schon vor früheren Bundestagswahlgängen hält sich der Wunsch nach umfassenden Veränderungen bei den Deutschen in Grenzen. Auch wenn sich die Unterstützung gegenüber 2017 fast verdoppelt hat. Einen grundlegenden Wandel im Land unterstützt lediglich ein Drittel. Sechs von zehn favorisieren für die Zeit nach der Wahl im Herbst am ehesten Kurskorrekturen im Land.

Unabhängig, wie sich die nächste Bundesregierung zusammensetzt. Sie wird auch an der Arbeit der jetzigen Koalition gemessen werden. Kurz vor Ende der Legislaturperiode ist knapp die Hälfte der Wahlberechtigten zufrieden mit Schwarz-Rot. Gut jeder Zweite übt Kritik. Damit steht die Koalition ähnlich da wie im Vormonat und deutlich besser als noch im April und Mai. Zugutekommen dem Berliner Bündnis positive Nachrichten über einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die wirtschaftliche Stimmung der Bundesbürger zeigt sich deutlich erholt. Erstmals seit Ausbruch der Pandemie wird die wirtschaftliche Lage im ARD-DeutschlandTREND wieder mehrheitlich positiv bewertet. Profitieren kann die Bundesregierung darüber hinaus von weiter rückläufigen Corona-Infektionszahlen.

Die Sorge, dass man sich selbst oder Teile der Familie mit Corona anstecken könnte, treibt derzeit nur gut jeden Vierten um und bewegt sich damit auf dem Niveau des letzten Sommers. Zugleich fällt allerdings mit 62 Prozent die Sorge vor einer neuen Infektionswelle deutlich größer aus als vor einem Jahr, als man von einer Impfung der Bevölkerung noch weit entfernt war. Einen Grund hierfür liefern neue Corona-Varianten wie z.B. die Delta-Mutante, die zwei Drittel der Deutschen beunruhigen. Diese Skepsis gegenüber der Infektionsentwicklung der kommenden Monate stärkt bei fast jedem Zweiten die Befürchtung, pandemiebedingte Freiheitseinschränkungen könnten noch länger Geltung haben, der höchste Wert seit Ausbruch der Pandemie. Die mit Abstand größte Sorge der Deutschen im Zusammenhang mit Corona betrifft jedoch die Situation an den Schulen. Aufgrund der Einschränkungen der vergangenen Monate fürchten 79 Prozent Beeinträchtigungen in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Für den Herbst werden daher rechtzeitige Vorkehrungen für einen gesicherten Unterricht eingefordert. Unterstützung finden in der Bevölkerung insgesamt wie bei Eltern die Bereitstellung von Filteranlagen für alle Unterrichtsräume, das Angebot von Wechselunterricht auch bei hohen Inzidenzzahlen sowie das Beibehalten von Corona-Tests zumindest für nichtgeimpfte Schüler. Eine fortgesetzte Maskenpflicht im Unterricht stößt dagegen nicht nur bei Eltern auf mehrheitlichen Widerspruch.

Studieninformation
Grundgesamtheit

Wahlberechtigte in Deutschland

Erhebungsmethode

Zufallsbasierte Telefon- und Onlinebefragung
(Telefon: 60% Festnetz, 40% Mobilfunk)

Fallzahl

1.317 Befragte
(861 Telefoninterviews und 456 Online-Interviews)

Erhebungszeitraum

28. bis 30. Juni 2021

Schwankungsbreite

2* bis 3** Prozentpunkte

* bei einem Anteilswert von 10 %
** bei einem Anteilswert von 50 %

© infratest dimap

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29.07.2021, 11:16

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