ARD-DeutschlandTREND Juni 2021

Repräsentative Studie im Auftrag der ARD

Gut drei Monate vor der Bundestagswahl verschiebt sich die bundespolitische Stimmung deutlich zugunsten der Union. Bei einer Bundestagswahl zum jetzigen Zeitpunkt hätte die CDU/CSU einen Stimmenanteil von 28 Prozent in Aussicht, 5 Punkte mehr als Anfang Mai. Die Unionsparteien liegen damit aktuell wieder vor den Grünen, die im Monatsverlauf 6 Punkte abgeben und mit 20 Prozent rechnen könnten. Die SPD wäre mit unverändert 14 Prozent weiter drittstärkste Partei, gefolgt von FDP (+1) und AfD (+/-0) mit jeweils 12 Prozent. Die Linke würde 7 Prozent (+1) erzielen. Alle anderen Parteien kämen zusammen ebenfalls auf 7 Prozent.

Die kurzfristigen Bewegungen in der Sonntagsfrage werden von veränderten Bewertungen der Spitzenkandidaten begleitet. Nachdem Annalena Baerbock noch im Mai in der Direktwahlfrage von allen drei Kanzlerkandidaten relativ die größte Unterstützung in der Bevölkerung erzielte, ziehen die Bundesbürger aktuell Armin Laschet für das Kanzleramt vor. Allerdings stützt sich die Präferenz zugunsten des Unions-Kandidaten bislang nicht auf eine überragende Popularität des Politikers. Armin Laschet bleibt im Bevölkerungsurteil auch im Juni deutlich hinter SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz zurück, ebenso hinter der scheidenden CDU-Bundeskanzlerin und seinem Mitbewerber um die Unions-Kanzlerkandidatur vom Frühjahr, Markus Söder. Auch wird er weiterhin schlechter bewertet als Christian Linder von der FDP. Armin Laschet hat jedoch binnen eines Monats an Ansehen gewonnen und zieht momentan mehr Zuspruch auf sich als Annalena Baerbock. Die Grünen-Kanzlerkandidatin ist demgegenüber nach Berichten über Unklarheiten in ihrem Lebenslauf und bei der Verbuchung von Zusatzeinnahmen mit deutlichen Ansehensverlusten konfrontiert.

Das Urteil zur schwarz-roten Regierungsarbeit hat sich binnen Monatsfrist gebessert. Nachdem im Mai die Kritik klar überwog, gibt sich aktuell fast die Hälfte der Bundesbürger zufrieden. Zugutekommen der Regierung sinkende Corona-Infektionszahlen und eine wohlwollende Begleitung angelaufener Corona-Lockerungen. Der Zuspruch für geltende Corona-Regelungen erreicht den höchsten Wert in diesem Jahr. Positiv bemerkbar macht sich für die Bundesregierung zudem der Fortschritt in der Corona-Impfkampagne. Das bisher geltende Impf-Regime empfinden sieben von zehn für sich persönlich als gerecht. Die Aufhebung der Impf-Priorisierung ist in der Bevölkerung umstritten, ebenso - nicht zuletzt unter den betroffenen Eltern - eine Öffnung der Corona-Impfungen für Jugendliche.    

Die weitere Entwicklung des Infektionsgeschehens wird über die Wichtigkeit des Corona-Themas im Vorfeld der Bundestagswahl im September entscheiden. Die aktuell rückläufigen Inzidenzen eröffnen Raum auch für andere Themen. Gefragt nach den aktuell wichtigsten politischen Problemen in Deutschland benennen 28 Prozent den Umwelt- und Klimaschutz, jeweils 19 Prozent Fragen der Zuwanderung und der sozialen Ungerechtigkeit sowie die Corona-Pandemie. Damit unterscheidet sich die momentane Problemagenda der Deutschen deutlich von der der letzten Bundestagswahl. Im August 2017 hatte jeder zweite Wahlberechtigte Migration als zentrale Herausforderung für die Politik angegeben.

Die Deutschen sehen den Klima- und Umweltschutz derzeit als eines der großen politischen Probleme und nehmen sich bei diesem Thema auch selbst in die Pflicht. Lediglich ein Drittel signalisiert, sich für den Klimaschutz in seinem Alltag grundsätzlich nicht einschränken zu wollen. Dennoch kommt auf die deutsche Politik ein nicht zu unterschätzender Überzeugungsaufwand zu. Denn nicht nur Verbote klimaschädlichen Verhaltens sind in der Bevölkerung umstritten. Auch eine höhere Bepreisung von Energieträgern und Alltagsprodukten trifft auf Widerspruch. Nur jeder Zweite unterstützt prinzipiell eine Verteuerung von Produkten, Gütern und Dienstleistungen entsprechend der mit ihnen verbundenen CO2-Emissionen. Die aktuell diskutierte deutliche Anhebung des Benzinpreises findet sogar nur bei jedem Fünften Zuspruch. Gleichzeitig begegnen die Deutschen dem Umstieg vom Verbrenner auf Elektromobilität zumindest bislang mehrheitlich mit Vorbehalten. Für das Ziel einer klimafreundlichen Fortbewegung würden die Deutschen eher ein Tempolimit auf Autobahnen als höhere Benzinpreise akzeptieren.

Studieninformation
Grundgesamtheit

Wahlberechtigte in Deutschland

Erhebungsmethode

Zufallsbasierte Telefon- und Onlinebefragung
(Telefon: 60% Festnetz, 40% Mobilfunk)

Fallzahl

1.316 Befragte
(860 Telefoninterviews und 456 Online-Interviews)

Erhebungszeitraum

07. bis 09. Juni 2021

Schwankungsbreite

2* bis 3** Prozentpunkte

* bei einem Anteilswert von 10 %
** bei einem Anteilswert von 50 %

© infratest dimap

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