ARD-DeutschlandTREND März 2021

Repräsentative Studie im Auftrag der ARD

Die Corona-Infektionszahlen haben in Deutschland zuletzt leicht zugelegt. Entsprechend hält eine Mehrheit der Deutschen die geltenden Corona-Maßnahmen nach wie vor prinzipiell für angemessen oder unterstützt deren Verschärfung. Allerdings wächst in der Bevölkerung die Kritik an den bestehenden Maßnahmen weiter. Zudem ist nicht zu übersehen, dass sich die Bundesbürger zumindest einen Einstieg in die Lockerung von Alltagseinschränkungen wünschen. Die Hälfte favorisiert eine teilweise Aufhebung geltender Corona-Regeln. Ihre vollständige Aufhebung wünscht sich derzeit nur jeder Zehnte. Der Wunsch nach einer Öffnung betrifft alle Lebensbereiche, wobei die Bundesbürger insbesondere die Auflagen für Läden und Geschäfte sowie für Restaurants überprüft haben wollen.

Die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern sehen sich derzeit nicht nur mit der Forderung größerer Bevölkerungsteile nach Maßnahme-Lockerungen konfrontiert. Die Politik muss sich ebenso massiven Zweifeln am derzeitigen Krisenmanagement stellen. Mit der Impfstoffbeschaffung und der Organisation der Corona-Impfungen sind jeweils drei Viertel der Wahlberechtigten weniger oder gar nicht zufrieden. Sieben von zehn äußern ihr Unbehagen an der Organisation des Schulbetriebes und der Kita-Betreuung im Lockdown sowie an den bereitgestellten Hilfen für Wirtschaft und Selbständige. Zwei Drittel sind unzufrieden mit der Bereitstellung und Nutzung von Corona-Schnelltests. Ebenso viele vergeben schlechte Noten dafür, wie die Politik ihre Corona-Entscheidungen begründet und erklärt. Die Unzufriedenheit mit dem Corona-Krisenkurs in Deutschland prägt im März die Sicht auf Bundesregierung, Kanzlerin und CDU-Minister. Nach 55 Prozent im Vormonat sind aktuell 50 Prozent mit der Regierungsarbeit zufrieden, 49 Prozent üben Kritik. Der schlechteste Wert seit Ausbruch der Pandemie im vergangenen Jahr. Die Kanzlerin fällt auf den niedrigsten Zustimmungswert seit April 2020. Vor allem aber haben der Gesundheits- und der Wirtschaftsminister Sympathieeinbußen zu verkraften. Jens Spahn erzielt mit 39 Prozent den geringsten Zuspruch seit November 2019, während Peter Altmaier mit aktuell 33 Prozent den schlechtesten Wert seit Übernahme des Wirtschaftsressorts verbucht.

Mit der rückläufigen Bewertung der Berliner Regierungsarbeit setzt sich der Negativtrend für die Union in der Sonntagsfrage fort. Bei einer Bundestagswahl zum aktuellen Zeitpunkt käme die CDU/CSU auf 33 Prozent (-1), der niedrigste Unions-Wert im ARD-DeutschlandTREND seit Ausbruch der Pandemie im März letzten Jahres (27 Prozent). Der Koalitionspartner SPD verbessert sich demgegenüber leicht. Mit aktuell 16 Prozent bliebe die SPD bislang allerdings hinter den Grünen, die 20 Prozent (-1) in Aussicht hätten. Die AfD legt im März um 1 Punkt auf 11 Prozent zu. Die Linke (+1) schließt zur FDP auf und hätte wie die Liberalen (-1) 7 Prozent in Aussicht. Alle übrigen Parteien kämen zusammen unverändert auf 6 Prozent (+/-0).

Für den Ausgang von Wahlen nicht unbedeutend ist die jeweilige Personalkonstellation. Wer allerdings die Parteien im Herbst in den Bundestagswahlkampf führen wird, ist auch sechs Monate vor dem Wahltermin noch nicht abschließend geklärt. Von den beiden potenziellen Bewerbern um die Unions-Kandidatur schneidet Markus Söder (54 Prozent) im Bevölkerungsurteil nach wie vor deutlich besser ab als Armin Laschet (35 Prozent). Der CDU-Parteivorsitzende bleibt zugleich erkennbar hinter den Zufriedenheitswerten des SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz (48 Prozent) zurück. Robert Habeck (29 Prozent), möglicher Grünen-Spitzenkandidat, liegt im aktuellen Politikerranking klar hinter Söder, Scholz und Laschet und knapp vor dem FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner (26 Prozent). Wen die Linke im September als Spitzenkandidaten ins Rennen schicken wird, ist bislang ebenfalls nicht entschieden. Die frisch gewählte Parteivorsitzende Susanne Hennig-Wellsow ist selbst zwei Dritteln der Linken-Anhängern kein Begriff. Aufgrund ihrer geringen Bekanntheit kommt sie aktuell auf eine ähnlich geringe Zustimmung wie der AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen.

Studieninformation
Grundgesamtheit

Wahlberechtigte in Deutschland

Erhebungsmethode

Zufallsbasierte Telefon- und Onlinebefragung
(Telefon: 60% Festnetz, 40% Mobilfunk)

Fallzahl

1.296 Befragte
(847 Telefoninterviews und 449 Online-Interviews)

Erhebungszeitraum

01. bis 02. März 2021

Schwankungsbreite

2* bis 3** Prozentpunkte

* bei einem Anteilswert von 10 %
** bei einem Anteilswert von 50 %

© infratest dimap

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19.06.2021, 09:45

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