ARD-DeutschlandTREND Mai 2021

Repräsentative Studie im Auftrag der ARD

Sonntagsfrage

In gut vier Monaten entscheiden die Wahlberechtigten über die Zusammensetzung des nächsten Bundestages und damit auch darüber, wer die besten Chancen auf die Nachfolge von Angela Merkel im Bundeskanzleramt hat. Neben Union und SPD formulieren erstmals die Grünen den Anspruch, die nächste Bundesregierung zu führen.

Das Wahlziel der Grünen erscheint angesichts der politischen Stimmung im Mai im Bereich des Möglichen. Aktuell hätten die Grünen einen Stimmenanteil von 26 Prozent in Aussicht, 4 Punkte mehr als Anfang April. Sie erreichen damit ihren Höchstwert vom August 2019 im ARD-DeutschlandTREND und liegen nach Juni 2019 erstmals wieder vor der Union.

Die CDU/CSU verliert im gleichen Zeitraum 4 Punkte und könnte momentan mit 23 Prozent rechnen, dem niedrigsten Unions-Wert im ARD-DeutschlandTREND. Die SPD gibt 2 Punkte ab und läge mit 14 Prozent auf dem dritten Rang, gefolgt von AfD und FDP mit 12 (+1) bzw. 11 Prozent (+2). Die Linke hätte 6 Prozent (-1) in Aussicht. Alle anderen Parteien kämen zusammen wie im Vormonat auf einen Wähleranteil von 8 Prozent, darunter die Freien Wähler (3 Prozent).

Da Schwarz-Rot ohne Mehrheit wäre, hätte ein solcher Wahlausgang in Berlin einen Regierungswechsel zur Folge. Neben einer Koalition aus Grünen und CDU wäre eine Grünen-geführte Drei-Parteien-Koalitionen unter Einschluss von SPD und FDP denkbar sowie ein CDU-geführtes Drei-Parteien-Bündnis mit SPD und FDP. Auch eine knappe Mehrheit für ein Drei-Parteienbündnis aus Grünen, SPD und Linken wäre derzeit nicht gänzlich ausgeschlossen. 

Personen und Kompetenzen

Die Grünen genießen aktuell gegenüber ihren Wettbewerbern Vorteile in der personellen Aufstellung. Wenn die Deutschen direkt über die Nachfolge von Angela Merkel im Kanzleramt entscheiden könnten, würden 28 Prozent für Annalena Baerbock, je 21 Prozent für Olaf Scholz bzw. Armin Laschet stimmen. Von den drei Kanzlerkandidaten ist Annalena Baerbock den Bundesbürgern am sympathischsten und glaubwürdigsten. Führungsstärke wiederum wird am ehesten Olaf Scholz attestiert. In der Bewertung ihrer politischen Arbeit schließt die Grünen-Spitzenfrau mit einem Zuspruch von 41 Prozent binnen eines Monats zum SPD-Vizekanzler auf. Armin Laschet gewinnt dagegen nach Klärung der K-Frage in der Union nicht an Zuspruch. Mit 24 Prozent positiven Urteilen wird der CDU-Parteivorsitzende ähnlich wie im Vormonat bewertet.

Die Kompetenzzuweisungen der Bundesbürger fallen weniger eindeutig zugunsten einer bestimmten Partei aus. Den Grünen wird zwar beim Umwelt- und Klimaschutz mit Abstand am meisten zugetraut. In Wirtschaftsfragen, aber auch in der Frage, wer Deutschland am besten durch die Corona-Krise führen kann, überzeugt dagegen nach wie vor die CDU/CSU die meisten Wahlberechtigten, ebenso in Fragen der Flüchtlings- und Zuwanderungspolitik, während beim Einsatz für angemessene Löhne die Wahlberechtigten wiederum am ehesten auf die Sozialdemokraten setzen. Allerdings stehen Union und SPD im Kompetenzurteil der Bundesbürger vielfach schlechter da als noch im vergangenen Herbst, während nicht nur den Grünen, sondern auch FDP und AfD mehr Sachvertrauen zugewiesen wird als noch im September.

Corona-Pandemie

Welche Themen im Herbst die politische Diskussion bestimmen werden, wird den Bundestagswahlausgang maßgeblich mitprägen. Aktuell steht die Bekämpfung der Corona-Pandemie im Mittelpunkt. Wegen Zweifeln an ihrem Krisenmanagement zieht die Bundesregierung seit Jahresbeginn mehrheitlich Kritik auf sich. Aktuell sind gut sechs von zehn mit der Arbeit des schwarz-roten Bündnisses unzufrieden. Die Kritik an der Corona-Politik entzündet sich weiterhin nicht in erster Linie an den Alltagsauflagen zur Pandemie-Eindämmung. 40 Prozent bezeichnen die Maßnahmen als angemessen, 26 Prozent als nicht weitgehend genug. Allerdings wächst die Zahl derer, die die Maßnahmen als zu weitgehend bezeichnen, wieder und erreicht mit 30 Prozent den Höchststand vom März. Zugleich überwiegt der Zuspruch zur gezielten Aufhebung von Einschränkungen für Geimpfte und Genesene. In der Frage, ob derartige Lockerungen sofort oder aber erst greifen sollten, wenn mehr Menschen eine Chance auf eine Impfung haben, sind sich die Befürworter von Lockerungen jedoch uneins. Die Haltung der Deutschen zur Corona-Impfung selbst liefert demgegenüber weniger Konfliktstoff. Dreiviertel der Wahlberechtigten geben aktuell an, sich auf jeden Fall impfen lassen zu wollen bzw. bereits mindestens einmal geimpft zu sein.

Studieninformation
Grundgesamtheit

Wahlberechtigte in Deutschland

Erhebungsmethode

Zufallsbasierte Telefon- und Onlinebefragung
(Telefon: 60% Festnetz, 40% Mobilfunk)

Fallzahl

1.351 Befragte
(883 Telefoninterviews und 468 Online-Interviews)

Erhebungszeitraum

03. bis 05. Mai 2021

Schwankungsbreite

2* bis 3** Prozentpunkte

* bei einem Anteilswert von 10 %
** bei einem Anteilswert von 50 %

© infratest dimap

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