ARD-DeutschlandTREND November 2021

Repräsentative Studie im Auftrag der ARD

Noch bis Mitte November verhandeln Vertreter von über 200 Staaten auf der 26. UN-Klimakonferenz in Glasgow über Verbesserungen im Klimaschutz. Die Notwendigkeit von Fortschritten im Klimaschutz wird in Deutschland von den meisten Bürgern geteilt: 83 Prozent sehen einen sehr großen bzw. großen Handlungsbedarf. Gleichzeitig sind ihre Erwartungen an das globale Zusammenwirken in Klimafragen jedoch begrenzt. Nur 14 Prozent trauen es der internationalen Staatengemeinschaft zu, die sich aus dem Klimawandel ergebenden Probleme bewältigen zu können. Acht von zehn stellen dies in Zweifel. Als Hindernis für einen wirksameren globalen Klimaschutz gilt aus Sicht der Deutschen vor allem eine zu starke Orientierung an nationalen Interessen. Allerdings machen die Bundesbürger nicht nur in der internationalen Zusammenarbeit Defizite aus. So vertritt nur jeder Fünfte die Ansicht, die Politik in Deutschland kümmere sich angemessen um Fragen des Klimaschutzes. Zwei Drittel sehen stattdessen die Notwendigkeit verstärkter klimapolitischer Anstrengungen. Lediglich etwa jeder Zehnte fordert, das Engagement auf diesem Feld in Deutschland zurückzufahren. Potenziale für einen besseren Klimaschutz bestehen nicht zuletzt aber bei den Bürgerinnen und Bürgern. Jeder Vierte gibt zwar an, seine persönliche Lebensweise für einen besseren Klimaschutz bereits umfassend angepasst zu haben. Sechs von zehn signalisieren jedoch, bislang allenfalls geringfügige Änderungen an der eigenen Lebensweise vorgenommen zu haben. Nur jeder Sechste schließt für sich auch künftig jegliche Änderungen im Lebensstil aus bzw. will dies allenfalls von stärkeren Anreizen bzw. eindeutigeren Regeln seitens der Politik abhängig machen.

Mit zuletzt deutlich ansteigenden Corona-Infektionszahlen rückt die Pandemie auf der politischen Agenda in Deutschland wieder nach vorn. Die Sorge, sich selbst mit dem Virus anzustecken, treibt derzeit nur jeden Vierten um. Stärker als die eigene Infektion beunruhigen die Deutschen mögliche Ansteckungen bei bislang ungeimpften Kindern sowie schwerere Corona-Erkrankungen bei Älteren. Zudem sind sie sichtbar in Sorge, dass wegen des Infektionsgeschehens einerseits das öffentliche Leben in den kommenden Wochen erneut eingeschränkt werden, andererseits das Gesundheitswesen in Deutschland an seine Grenzen stoßen könnte. Aus den steigenden Infektionszahlen leitet sich für die Mehrheit bislang noch kein unmittelbarer Handlungsbedarf ab. So bezeichnet knapp die Hälfte die aktuell in Deutschland geltenden Corona-Maßnahmen als weiterhin angemessen, während sie für jeden Vierten bereits jetzt zu weit gehen. Allerdings ist der Zuspruch für strengere Regeln binnen eines Monats deutlich gewachsen. Drei von zehn und damit doppelt so viele wie noch Anfang Oktober empfinden die bestehenden Regeln mittlerweile als nicht mehr weitgehend genug. Angesichts zuletzt nur noch langsam steigender Impfquoten findet in Deutschland nicht nur eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen wie z.B. im Gesundheits- und Pflegebereich großen Zuspruch. Auch die Unterstützung für eine allgemeine Corona-Impfpflicht ist von zuletzt 46 auf nunmehr 57 Prozent gestiegen.

Neben den Corona-Infektionszahlen bestimmen die steigenden Verbraucherpreise gegenwärtig die Schlagzeilen. Nur ein Drittel der Bundesbürger gibt an, bei ihnen hätte sich der Preisanstieg bislang wenig oder kaum bemerkbar gemacht hat. Zwei Drittel berichten demgegenüber von spürbaren Mehrausgaben, darunter erwartungsgemäß überdurchschnittlich viele aus Haushalten mit niedrigeren Einkommen. 

Knapp sechs Wochen nach der Bundestagswahl befindet sich die Union weiter im Stimmungstief. Bei einer Wahl zum jetzigen Zeitpunkt käme die CDU/CSU auf 21 Prozent und bliebe damit hinter ihrem Ergebnis vom 26. September zurück (24,1 Prozent). Die Sozialdemokraten lägen mit derzeit 27 Prozent etwas besser als bei der Bundestagswahl (25,7 Prozent), Grüne und Liberale mit 16 bzw. 13 Prozent ebenfalls. Die AfD würde mit 10 Prozent (10,3 Prozent) und die Linke mit 5 Prozent derzeit ähnlich abschneiden wie zur Bundestagswahl. Alle übrigen Parteien kämen zusammen auf 8 Prozent.   

Studieninformation
Grundgesamtheit

Wahlberechtigte in Deutschland

Erhebungsmethode

Zufallsbasierte Telefon- und Onlinebefragung
(Telefon: 60% Festnetz, 40% Mobilfunk)

Fallzahl

1.329 Befragte
(869 Telefoninterviews und 460 Online-Interviews)

Erhebungszeitraum

02. bis 03. November 2021

Schwankungsbreite

2* bis 3** Prozentpunkte

* bei einem Anteilswert von 10 %
** bei einem Anteilswert von 50 %

© infratest dimap

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26.11.2021, 08:20

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