ARD-DeutschlandTREND Oktober 2021

Repräsentative Studie im Auftrag der ARD

Am 26. September fand die Wahl zum 20. Deutschen Bundestag statt. Mehrheitlich zufrieden sind mit dem Wahlausgang allein die SPD-Anhänger. Während sich in den Reihen der Grünen positive wie negative Urteile etwa die Waage halten, überwiegt bei den übrigen Parteien die Enttäuschung, am deutlichsten bei den Anhängern von Union und AfD. Das Wahlergebnis vom 26. September legt keine Koalition eindeutig nahe. Nicht nur die personellen Sympathien der Bundesbürger fallen eineinhalb Wochen nach dem Urnengang jedoch klar zugunsten der SPD aus. Olaf Scholz wird durch sechs von zehn Bundesbürgern positiv bewertet, Armin Laschet durch 14 Prozent. Während 14 Prozent Armin Laschet zutrauen, ein guter Kanzler zu sein, sind es bei Olaf Scholz knapp zwei Drittel. Auch die Regierungspräferenzen der Bundesbürger favorisieren am Beginn von Sondierungen die SPD: Gut sechs von zehn Wahlberechtigten sprechen sich für ein Kabinett unter ihrer Führung aus, jeder Vierte für eine Regierung unter Unions-Führung. Zugleich bewertet gut die Hälfte eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP positiv, während eine Jamaika-Koalition aus Union, Grünen und FDP von nur jedem Vierten wohlwollend betrachtet wird. Ein politisch derzeit nicht diskutiertes, rechnerisch gleichwohl mögliches Bündnis von SPD und Union überzeugt nur knapp jeden fünften Bundesbürger.

Welches Bündnis schlussendlich zum Zuge kommt, hängt nicht zuletzt von Grünen und FDP ab. Beide Parteien wollen zunächst Gespräche mit der SPD aufnehmen, betrachten eine Jamaika-Koalition aber weiterhin als Option. Die Grünen-Anhänger selbst bewerten eine Ampel-Koalition mehrheitlich positiv, sehen dagegen ein Jamaika-Bündnis deutlich kritisch. Gut sechs von zehn der Grünen-Anhängern glauben zudem, dass ein Jamaika-Bündnis ihrer Partei langfristig schaden würde. Entsprechend ziehen sie ein SPD-geführtes Kabinett einem Bündnis unter Unions-Führung eindeutig vor. Im Vergleich hierzu sind die FDP-Anhänger in ihrem Urteil weniger klar. Aber auch sie bewerten eine Ampel-Koalition besser als ein Jamaika-Bündnis. Ebenso findet ein SPD-geführtes Kabinett bei ihnen derzeit eine größere Unterstützung als eine Bundesregierung unter Unions-Führung. Dass die Liberalen in einer Ampel-Koalition langfristig Schaden nehmen werden, glaubt gut jeder dritte FDP-Anhänger. Etwa die Hälfte von ihnen rechnet jedoch damit, dass der FDP ein solches Bündnis auf lange Sicht nutzen wird.

Als mögliche Streitpunkte von Koalitionsgesprächen gelten Fragen der Arbeitsmarkt-, Verkehrs- und Steuerpolitik. Am wenigsten umstritten ist in der Bevölkerung eine Mindestlohnanhebung auf 12 EUR, wie sie von der SPD im Wahlkampf gefordert wurde. Einen solchen Schritt befürworten drei Viertel der bundesdeutschen Wahlberechtigten, er findet auch Zuspruch bei den Anhängern von Union und FDP. Kontroverser wird in der Bevölkerung, vor allem aber in den Reihen potenzieller Koalitionspartner, die Grünen-Forderung nach einem generellen Tempo-Limit von 130 km/h auf Autobahnen diskutiert: Die Hälfte der Bundesbürger befürwortet dessen Einführung, gut vier von zehn lehnen es ab. Neben den Grünen-Anhängern stehen die SPD-Wähler einem solchen Tempolimit offen gegenüber. Dagegen stößt ein Tempolimit in den Reihen der Union, mehr noch aber der FDP auf Widerspruch. Für ähnlichen Konfliktstoff sorgen unterschiedliche steuerpolitische Positionen der Parteien. Einen Verzicht auf Steuererhöhungen, ein zentraler Programmpunkt von FDP und Union im Bundestagswahlkampf, unterstützen 39 Prozent der Bundesbürger, 57 Prozent würden Steuererhöhungen für einzelne Bevölkerungsgruppen durchaus begrüßen. Während die FDP-Anhänger einen generellen Verzicht auf Steuererhöhungen am deutlichsten unterstützen, befürworten die Grünen-Anhänger mehr noch als die SPD-Wähler Steuerhöhungen für bestimmte Bevölkerungsgruppen.

Die Corona-Infektionslage war in Deutschland zuletzt leicht rückläufig. Vor einem deutlichen Anstieg der Infektionszahlen in den kommenden Wochen sorgen sich gut vier von zehn Bundesbürgern und damit deutlich weniger als noch im Juli. Die aktuell geltenden Corona-Maßnahmen betrachten ähnlich wie im Sommer sechs von zehn im Grundsatz als angemessen, was die Befürwortung von Lockerungen in Einzelbereichen jedoch nicht ausschließt. So unterstützen sechs von zehn Bundesbürgern eine Abschaffung der Maskenpflicht in Schulen, bei den Eltern von Schulkindern sind es sieben von zehn.     

Studieninformation
Grundgesamtheit

Wahlberechtigte in Deutschland

Erhebungsmethode

Zufallsbasierte Telefon- und Onlinebefragung
(Telefon: 60% Festnetz, 40% Mobilfunk)

Fallzahl

1.318 Befragte
(862 Telefoninterviews und 456 Online-Interviews)

Erhebungszeitraum

04. bis 06. Oktober 2021

Schwankungsbreite

2* bis 3** Prozentpunkte

* bei einem Anteilswert von 10 %
** bei einem Anteilswert von 50 %

© infratest dimap

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26.11.2021, 08:20

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