ARD-DeutschlandTREND September 2021

Repräsentative Studie im Auftrag der ARD

Die SPD befindet sich weiter im Stimmungshoch und ist in der Sonntagsfrage erstmals seit Februar 2017 wieder stärkste Partei im ARD-DeutschlandTREND. Sie legt zum Vormonat um 7 Punkte zu und hätte aktuell einen Stimmenanteil von 25 Prozent in Aussicht, der beste SPD-Wert seit Mai 2017. Auch der Abwärtstrend für die CDU/CSU setzt sich fort: die Union gibt im gleichen Umfang ab wie die SPD hinzugewinnt und fällt mit 20 Prozent auf ihren niedrigsten Wert seit Bestehen des ARD-DeutschlandTREND. Die Grünen büßen 3 Punkte ein und sind mit 16 Prozent so schwach wie seit September 2018 nicht mehr. Vierstärkste Kraft wäre derzeit die FDP mit 13 Prozent (+1), allerdings dicht gefolgt von der AfD mit 12 Prozent (+2). Die Linke läge unverändert bei 6 Prozent. Mit diesem Wahlausgang wären SPD-geführte Drei-Parteien-Koalitionen mit Grünen und FDP, mit Union und FDP sowie mit Union und Grünen rechnerisch möglich, ebenso mit Grünen und Linken. Die Union könnte mit Grünen und FDP koalieren. Zwei-Parteien-Bündnisse wären dagegen ohne Mehrheit. Von den Bundesbürgern präferiert ein gutes Drittel einen Wechsel in Berlin zugunsten eines SPD-geführten Bündnisses. Ein Viertel unterstützt eine Fortsetzung unionsgeführter Regierungen im Bund. Jeder Achte favorisiert eine Koalition unter Grünen-Führung. Damit hat die Unterstützung für ein SPD-geführtes Kabinett binnen zwei Wochen erkennbar zulasten einer unionsgeführten Bundesregierung zugenommen.       

Die Sozialdemokraten verfügen aktuell über handfeste personelle Vorteile. Olaf Scholz erreicht zwar nicht den Zuspruch der scheidenden Unionskanzlerin. Er ist aber mit Abstand der populärste der drei Kanzlerkandidaten und wird weiterhin am ehesten für das Kanzleramt präferiert: Wie vor zwei Wochen würden in einer Direktwahl vier von zehn für ihn stimmen. Von den drei Kanzlerkandidaten gilt der SPD-Politiker als am sympathischsten und glaubwürdigsten. Ihm wird zudem am ehesten Führungsstärke und Kompetenz zugewiesen. Seine Popularität kommt der Partei unmittelbar zugute. Ein Viertel der SPD-Anhänger gibt an, dass für ihre Parteipräferenz der Kandidat ausschlaggebend ist. Weitere 48 Prozent begründen dies mit einer Kombination aus seiner Person und den Positionen der Partei. Eine ähnliche Zugkraft entwickeln die Kandidaten der anderen Parteien bislang nicht. Deren Anhängerschaften sehen den Ausschlag für ihr Votum vornehmlich in den Inhalten ihrer Partei. 

Die Sachurteile der Bundesbürger sehen SPD und Union derzeit etwa gleichauf: Bei der Lösung der wichtigsten Aufgaben Deutschlands setzt jeweils ein Viertel auf SPD bzw. Union. Damit wird die SPD besser bewertet als 2017, die Union dagegen deutlich schlechter. Die SPD punktet vor allem in sozialpolitisch gelagerten Fragen: Beim Einsatz für angemessene Löhne, für eine langfristige Sicherung der Altersversorgung und eine gute Familienpolitik und Kinderbetreuung setzen die Wahlberechtigten am ehesten auf die SPD. Die Union überzeugt auf dem Feld der Wirtschaftspolitik nach wie vor die meisten Wahlberechtigten sowie bei der Bewältigung der Corona-Krise. Den Grünen wird wie gehabt in der Umwelt- und Klimapolitik die größte Kompetenz attestiert. Im Vergleich zum Frühjahr wird die SPD auf den verschiedenen Feldern durchweg besser bewertet. Dagegen bleiben die Unionsparteien, vor allem aber die Grünen hinter ihren zuletzt gemessenen Kompetenzwerten zurück. AfD und FDP schneiden im Kompetenzurteil der Bürger ähnlich ab wie im Mai. Auf die AfD setzt in der Zuwanderungspolitik und auf die FDP in der Wirtschaftspolitik jeweils jeder achte Wahlberechtigte. Die FDP punktet zudem auf dem Feld der Digitalisierung. Der Linkspartei wird vorrangig in der Familienpolitik und in Lohnfragen Vertrauen entgegengebracht.  

Mit den ihnen zugewiesenen Sachkompetenzen müssen die Parteien 2021 in einer Themenumgebung bestehen, die sich von der vor vier Jahren deutlich unterscheidet. Gefragt nach den aktuell wichtigsten politischen Problemen in Deutschland benennt aktuell ein Drittel den Umwelt- und Klimaschutz, jeweils etwa ein Fünftel Zuwanderung und Corona. Jeder Sechste thematisiert Fragen der sozialen Ungerechtigkeit, jeder Siebte Probleme der Altersabsicherung. Zur letzten Bundestagswahl hatte die Zuwanderung für die Bundesbürger mit 47 Prozent der Nennungen einen deutlich größeren Stellenwert als aktuell, der Umwelt- und Klimaschutz mit 9 Prozent wiederum einen wesentlich geringeren.

Studieninformation
Grundgesamtheit

Wahlberechtigte in Deutschland

Erhebungsmethode

Zufallsbasierte Telefon- und Onlinebefragung
(Telefon: 60% Festnetz, 40% Mobilfunk)

Fallzahl

1.337 Befragte
(874 Telefoninterviews und 463 Online-Interviews)

Erhebungszeitraum

30. August - 1. September 2021

Schwankungsbreite

2* bis 3** Prozentpunkte

* bei einem Anteilswert von 10 %
** bei einem Anteilswert von 50 %

© infratest dimap

Das könnte Sie auch interessieren
ARD-Morgenmagazin
Tweets by @infratestdimap
17.09.2021, 18:01

Retweet@tagesschau: Vorwahlumfragen: SPD liegt auch in MV und Berlin vorn https://t.co/KDKjvxaKhx#MecklenburgVorpommern#Berlin