ARD-DeutschlandTREND Januar 2022

Repräsentative Studie im Auftrag der ARD

Am 8. Dezember letzten Jahres haben SPD, Grüne und FDP ihre Regierungsarbeit im Bund aufgenommen. Die ersten Tage der Ampel-Regierung überzeugt knapp die Hälfte der Bundesbürger, ein gutes Drittel übt Kritik. Jeder Sechste traut sich bislang noch kein Urteil zu.

Unmittelbar nach dem Regierungsstart sind Gesundheitsminister Lauterbach und Kanzler Scholz die größten Sympathieträger der neuen Koalition. Ihnen folgen im Bevölkerungsurteil mit deutlichem Abstand FDP-Finanzminister Lindner und Grünen-Vizekanzler Habeck. Alle vier Politiker ziehen erkennbar mehr positive als kritische Stimmen auf sich. Dagegen ist Annalena Baerbock im Amt der Außenministerin weiter mit deutlich negativen Urteilen konfrontiert.
Viele Bundesbürger müssen sich von Teilen der neuen Ministerriege erst noch ein Bild verschaffen: Innenministerin Faeser, Umweltministerin Lemke und Justizminister Buschmann sind nur einer Minderheit bekannt. Der designierte CDU-Parteivorsitzende Merz laboriert an keinem Bekanntheitsproblem. Knapp einen Monat vor seiner anstehenden Wahl auf dem CDU-Bundesparteitag äußert sich allerdings nur ein knappes Drittel positiv zu seiner Person, unter den Unions-Anhängern sind es dagegen immerhin sechs von zehn.

Die politische Stimmung hat sich über den Jahreswechsel kaum verändert. Die SPD hätte bei einer Bundestagswahl derzeit 26 Prozent in Aussicht, 1 Punkt mehr als im Vormonat, während Grüne und Liberale mit 16 Prozent (-1) bzw. 11 Prozent (-1) jeweils nur geringfügig schlechter liegen als Anfang Dezember. Die Union käme wie im Vormonat auf 23 Prozent, die AfD unverändert auf 11 Prozent und die Linke wie gehabt auf 5 Prozent. Alle übrigen Parteien hätten zusammen 8 Prozent (+1) in Aussicht.  

Eine zentrale Herausforderung der Politik bleibt auch im neuen Jahr die Eindämmung der Corona-Pandemie. Dass das gesellschaftliche Leben pandemiebedingt erneut in weiten Teilen zurückgefahren werden könnte, bewegt am Beginn des Jahres fast sechs von zehn. Die Sorge vor neuen Varianten wie dem Omikron-Virus treibt in der Bevölkerung allerdings deutlich weniger um als noch Anfang Dezember. Ebenfalls rückläufig ist im Monatsverlauf die Furcht vor Engpässen in der medizinischen Versorgung wie auch die Angst, sich selbst anzustecken. Dies trägt gemeinsam mit den Ende Dezember von Bund und Ländern beschlossenen Maßnahmeanpassungen zu einer veränderten Sicht auf die Corona-Regularien bei. Bewertete Anfang Dezember eine klare Mehrheit die Corona-Maßnahmen als nicht streng genug, sind es mit aktuell 31 Prozent nur noch halb so viele. Vier von zehn halten dagegen die aktuell bestehenden Corona-Auflagen für angemessen, 25 Prozent für übertrieben. Wegen steigender Zahlen der im Krankheitsverlauf weniger schweren, aber hochansteckenden Omikron-Variante wird diskutiert, die Isolations- und Quarantänezeiten für Infizierte und Kontaktpersonen zu reduzieren, auch um Personalausfälle in sensiblen Bereichen zu begegnen. Entsprechende Vorschläge unterstützen jeweils zwei Drittel.

Neben der Corona-Krise steht das neue Berliner Regierungsbündnis vor außenpolitischen Herausforderungen, beispielsweise im Umgang mit Russland oder China. Beide Länder haben in den vergangenen Jahren bei den Bundesbürgern deutlich an Sympathien eingebüßt und werden aktuell nur von jedem Sechsten bzw. weniger als jedem Zehnten als vertrauenswürdige Partner angesehen. Anders sieht die Entwicklung für die USA aus. Die Vereinigten Staaten haben nach Amtsantritt von Präsident Biden verlorengegangenes Vertrauen gutgemacht und gelten ähnlich wie zum Ende der Obama-Präsidentschaft wieder bei knapp sechs von zehn als vertrauenswürdige Partner Deutschlands. In dem zuletzt wieder in den Fokus tretenden Ukraine-Konflikt wünschen sich zwei Drittel der Deutschen eine stärker vermittelnde Rolle der europäischen Staaten. Gespalten bleibt dagegen die Haltung der Deutschen zu Sanktionsverschärfungen und zur russischen Bedrohungswahrnehmung. Ungeachtet des aktuell angespannten deutsch-russischen Verhältnisses favorisieren sechs von zehn, an der umstrittenen Gas-Pipeline Nordstream2 festzuhalten. Mehrheitlich ablehnend zum Projekt äußern sich allein die Anhänger der Grünen.

Studieninformation
Grundgesamtheit

Wahlberechtigte in Deutschland

Erhebungsmethode

Zufallsbasierte Telefon- (davon 60 Prozent Festnetz, 40 Prozent Mobilfunk) und Online-Befragung

Fallzahl

1.325 Befragte
(866 Telefoninterviews und 459 Online-Interviews)

Erhebungszeitraum

03. bis 05. Januar 2022

Schwankungsbreite

2 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 10 Prozent
3 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 50 Prozent

© infratest dimap

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