ARD-DeutschlandTREND Oktober 2022

Repräsentative Studie im Auftrag der ARD

Die sich aktuell überlappenden krisenhaften Entwicklungen sorgen für eine massive Verunsicherung in der deutschen Bevölkerung. Nach 59 Prozent im Vorjahr sind aktuell nur noch 20 Prozent zufrieden mit der wirtschaftlichen Lage. Gut jeder Zweite rechnet zudem damit, dass sich die ökonomische Situation in der Bundesrepublik weiter verschlechtern wird. Knapp sechs von zehn fürchten, dass die rapide Inflation sie überfordern könnte. Zudem ist fast jeder fünfte Beschäftigte in Sorge um seinen Arbeitsplatz. In Summe liefern die aktuellen Verhältnisse für nur 11 Prozent Anlass zur Zuversicht, 85 Prozent sind beunruhigt. Ein neuer Tiefstand in der Geschichte des seit 1997 erhobenen ARD-DeutschlandTREND.

Neben den energie- und wirtschaftspolitischen Folgen des Ukraine-Krieges sorgt der Kriegsverlauf im Osten Europas weiter für Verunsicherung. Mehr als die Hälfte fürchtet, die Bundesrepublik könnte direkt in den Krieg hineingezogen werden. Entsprechend plädiert fast jeder Zweite dafür, in Fragen der militärischen Unterstützung der Ukraine eher zurückhaltend zu agieren, um Russland nicht zu provozieren, während 43 Prozent eine größere Entschlossenheit und Härte einfordern. Nicht weniger uneinig sind sich die Deutschen in ihrer Haltung zu den Sanktionen gegen den russischen Angreifer. 31 Prozent betrachten den jetzigen Stand zwar als angemessen. 36 Prozent fordern dagegen weitergehende Schritte, während jeder Vierte die bestehenden Sanktionen bereits als zu weitgehend ablehnt. Unter dem Strich findet der Kurs der Bundesregierung im Ukraine-Krieg ähnlich wie zuletzt im Juli nur bei knapp vier von zehn Zuspruch. Über die Hälfte übt demgegenüber Kritik, wobei unter ihnen die Forderung nach einem zurückhaltenden Auftreten gegenüber Russland klar überwiegt.  

Auf die bestehende Energie- und Preiskrise versucht die Bundesregierung mit einer Neuausrichtung der deutschen Energiepolitik inklusive der Rettung von Energieimporteuren, umfangreichen Entlastungspaketen und einem Rettungsschirm für Wirtschaft und Verbraucher zu reagieren. Auf die Bewertung der Regierungsarbeit hat dies bislang keinen positiven Einfluss. Kaum verändert äußert sich nur ein gutes Viertel der Bundesbürger wohlwollend zu den Berliner Bemühungen, die Energieversorgung in Deutschland zu sichern. Ähnlich wie vor drei Monaten ist nur knapp jeder Fünfte damit zufrieden, wie die Bürger angesichts der hohen Energiepreise entlastet werden. Ebenfalls nur jeden Fünften überzeugen die bisherigen Anstrengungen zur Entlastung der Wirtschaft. In der Gesamtschau überwiegt das Unbehagen gegenüber der Berliner Regierungsarbeit mit gut zwei Dritteln weiterhin klar. Diese Kritik schließt die Regierungsleistungen alle drei Ampel-Partner ein, auch die der Grünen. Sie schneiden im Bevölkerungsurteil zwar weiterhin am besten ab, werden aktuell von 63 Prozent aber ebenfalls negativ bewertet. Im Ergebnis erzielt derzeit auch kein Kabinettsmitglied ein mehrheitlich positives Urteil. Grünen-Außenministerin Annalena Baerbock als weiterhin populärste Bundespolitikerin erntet ähnlich viel Zuspruch wie Ablehnung. Allerdings kann auch die Opposition personell nur wenig überzeugen. Unions-Fraktionsvorsitzender Friedrich Merz findet lediglich Zuspruch bei gut jedem vierten Wahlberechtigten.  

Ungeachtet ihrer personellen Aufstellung bleibt die CDU/CSU in der aktuellen bundespolitischen Stimmung stärkste Kraft und könnte mit 28 Prozent rechnen, 1 Punkt mehr als im Vormonat. An zweiter Stelle liegen weiterhin die Grünen, die statt 22 Prozent wie im September derzeit aber nur noch 19 Prozent in Aussicht hätten. Die SPD könnte unverändert mit 17 Prozent rechnen. Die AfD würde 15 Prozent erzielen, ein Plus von zwei Punkten und der höchste Wert seit Dezember 2019. Die FDP verschlechtert sich auf 7 Prozent (-1), die Linke liegt unverändert bei 5 Prozent. Alle übrigen Parteien kämen zusammen auf 9 Prozent. 

Die krisenhafte Gesamtsituation treibt die Sorgen der Bundesbürger, beeinträchtigt aber ebenso ihren Blick auf das politische System. Waren 2020 zwei Drittel der Bundesbürger zufrieden mit dem Funktionieren der Demokratie in Deutschland, sind es aktuell 51 Prozent, im Osten sogar nur 35 Prozent. Dennoch besteht ein weiterhin hohes Grundvertrauen in die Demokratie. Nicht nur eine Mehrheit der Westdeutschen, auch 75 Prozent der ostdeutschen Wahlberechtigten schätzen sie grundsätzlich als gute Regierungsform.

Studieninformation
Grundgesamtheit

Wahlberechtigte in Deutschland

Erhebungsmethode

Zufallsbasierte Telefon- (davon 60 Prozent Festnetz, 40 Prozent Mobilfunk) und Online-Befragung

Fallzahl

1.307 Befragte
(855 Telefoninterviews und 452 Online-Interviews)

Erhebungszeitraum

03. bis 05. Oktober 2022

Schwankungsbreite

2 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 10 Prozent
3 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 50 Prozent

© infratest dimap

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20.01.2023, 07:36

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