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Angela Merkels Stärken und Schwächen: Differenziertes und ambivalentes Bild

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Auftraggeber: Handelsblatt

Angela Merkels Stärken und Schwächen: Differenziertes und ambivalentes Bild

Als größte Stärke Angela Merkels sehen die Deutschen ihre Ruhe und Gelassenheit (20 Prozent), gefolgt von Führungsstärke und Durchsetzungskraft (15 Prozent). Es folgen ihr internationales Ansehen sowie ihre Beharrlichkeit und ihr Durchhaltevermögen (jeweils 10 Prozent). Als weitere Stärken gelten diplomatisches Geschick (8 Prozent) und Ehrlichkeit (5 Prozent). Ganz allgemein wird sie als gute Amtsinhaberin und Politikerin (5 Prozent) angesehen. Ihren Kommunikationsstil sowie ihren analytischen und pragmatischen Politikstil betrachten je 4 Prozent als Stärken. Als größte Schwächen schreiben die Deutschen Angela Merkel Entscheidungsschwäche und die Neigung zu, Dinge auszusitzen (23 Prozent).  An zweiter Stelle wird ihre Flüchtlingspolitik genannt (9 Prozent), gefolgt von Führungsschwäche und mangelnder Durchsetzungskraft (8 Prozent). Je 5 Prozent kritisieren häufige Kurswechsel und sprechen ihr generell die Eignung für das Amt ab. Weiterhin werden ihr fehlende Bürgernähe, Konzeptionslosigkeit, Klammern an der Macht und die Weigerung, Fehler einzugestehen, vorgeworfen (jeweils 4 Prozent). Angela Merkel ist derzeit sehr umstritten und die Aufforderung an die Befragen, völlig offen und ohne Vorgaben Stärken und Schwächen der Kanzlerin zu benennen, resultiert in einer differenzierten und ambivalenten Einschätzung ihres Regierungsstils, ihrer Arbeitsweise und ihres Charakters. Das zeigt sich darin, das viele Eigenschaften sowohl als Stärken als auch als Schwächen interpretiert werden: Zum Beispiel bewertet jeder fünfte Deutsche Ruhe und Gelassenheit als ihre größte Stärke, gleichzeitig gilt etwa ebenso vielen Entscheidungsschwäche und Abwarten als größtes Manko.    


Gute Wirtschaftslage wird mit Kanzlerschaft Merkels verbunden

Nach 12 Jahren Kanzlerschaft bringt eine deutliche Mehrheit die anhaltend gute Wirtschaftslage mit Angela Merkel in Verbindung. Nahezu zwei Drittel (62 Prozent) schreiben der Politik Angela Merkels einen sehr großen (8 Prozent) oder großen (54 Prozent)  Anteil an der guten Wirtschaftslage in Deutschland zu. Dagegen ist rund ein Drittel (34 Prozent) von der Wirtschaftspolitik der Kanzlerin wenig (30 Prozent) oder gar nicht (4 Prozent) überzeugt.


Gut die Hälfte der Deutschen erwartet Ende der Kanzlerschaft vor 2021

Etwa vier von zehn Deutschen (38 Prozent) gehen davon aus, dass Angela Merkel bis zum Ende der Legislaturperiode im Amt bleibt. Gut die Hälfte (56 Prozent) erwartet dagegen, dass sie das Amt vor dem Ende der Periode aufgibt.

Angela Merkels Amtsnachfolger: Am ehesten Thomas de Maizière 

Von den fünf abgefragten CDU-Politikerinnen und -Politikern, die als mögliche Nachfolger Angela Merkels im Bundeskanzleramt abgefragt wurden, kann derzeit keine Person eine Mehrheit der Bundesbürger von sich überzeugen. Die größte Unterstützung erhält Thomas de Maizière, den 37 Prozent als Merkel-Nachfolger für geeignet halten. Es folgen Peter Altmaier mit 31 Prozent und Ursula von der Leyen mit 28 Prozent. 24 Prozent attestieren Annegret Kramp-Karrenbauer und 16 Prozent Jens Spahn die Eignung für das Amt, wobei beide deutlich weniger bekannt sind als die drei Bundesminister. Mit steigender Bekanntheit kann sich ihre Bewertung positiv entwickeln. Auch unter Unionsanhängern betrachtet nur eine Minderheit diese Personen als für das Amt geeignet.

Wichtigste Forderungen an die nächste Bundesregierung: Klärung der Flüchtlingsfrage und Gerechtigkeit in der Sozialpolitik

Insgesamt 17 Prozent der Deutschen fordern, dass sich die künftige Bundesregierung vorrangig um das Thema Zuwanderung kümmert. Neben allgemeinen Forderungen zur Verbesserung der Flüchtlings- und Asylpolitik (9 Prozent) werden eine Begrenzung der Zuwanderung und konsequenteres Abschieben (4 Prozent) sowie klare Regeln für Zuwanderung (3 Prozent) und eine bessere Integration (1 Prozent) gefordert. In der Sozialpolitik (insgesamt 15 Prozent) erwarten die Deutschen neben sozialer Gerechtigkeit allgemein (10 Prozent) eine Verringerung der Kluft zwischen Arm und Reich (2 Prozent), bezahlbaren Wohnraum (2 Prozent) und Einkommensgerechtigkeit (1 Prozent). Jeder Zehnte (10 Prozent) mahnt eine verlässliche und ehrliche Politik und die Einlösung von Wahlversprechen an. Acht Prozent fordern die künftige Bundesregierung auf, mehr als bisher auf das Volk zu hören, und 6 Prozent fordern eine schnelle Regierungsbildung. Während die beiden Politikfelder Flüchtlinge und Soziales etwas herausragen, werden Verbesserungen in verschiedenen Politikfeldern in ähnlichem Ausmaß gefordert. Acht Prozent priorisieren den Bereich Bildung, je 7 Prozent die Felder Rente und Innere Sicherheit und je 5 Prozent die Themen Familie, Wirtschaft und Steuern.

Integration der Flüchtlinge möglich, wenn Probleme offen angesprochen werden

Die Regelung der Flüchtlingszuwanderung und die Integration der Flüchtlinge hat die politische Agenda seit Herbst 2015 stark bestimmt und gilt auch als wichtigste Herausforderung einer neuen Bundesregierung. 62 Prozent der Deutschen sind der Auffassung, dass die Integration der aufgenommenen Flüchtlinge gelingen kann – allerdings nur unter der Bedingung, dass offen über Probleme der Integration gesprochen wird. Weitere 12 Prozent sind in dieser Hinsicht grundsätzlich optimistisch, weil bereits die mit großen Anstrengungen verbundene deutsche Einheit gelungen ist. Etwa ein Viertel der Befragten (23 Prozent) ist dagegen pessimistisch und kommt zum Schluss, dass die Aufgabe der Flüchtlingsintegration Deutschland überfordere und daher nicht zu schaffen sei.  


Studieninformation

Grundgesamtheit:Wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren

Stichprobe:Repräsentative Zufallsauswahl

Erhebungsverfahren:Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl:1.012 Befragte

Erhebungszeitraum:4. bis 8. Januar 2018

Schwankungsbreite:liegt mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit
bei einem Anteilswert von 5 Prozent bei unter 1,4 bzw.
bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei unter 3,1 Prozentpunkten.

Durchführendes Institut:infratest dimap