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Deutschland 2020: Kritik an Miteinander, Wohlstandsverteilung, vor allem aber am Umgang mit der Umwelt

ARD-Themenwoche 2020

Deutschland 2020: Große Zufriedenheit mit Arbeitswelt. Kritik an Miteinander, Wohlstandsverteilung, vor allem aber am Umgang mit der Umwelt

Wie leben wir in Deutschland 2020, in welchen Bereichen sind die Menschen im Land zufrieden, wo überwiegt die Kritik? Auf insgesamt zehn Feldern haben die Bürgerinnen und Bürger ihr Urteil abgegeben. Das Ergebnis: differenziert. Zufrieden zeigen sich die Menschen im Deutschland des Jahres 2020 insbesondere mit der Arbeitswelt. Ein erkennbar positives Urteil betrifft auch die Art, wie wir in Deutschland wohnen, die Mobilität, aber auch unseren Konsum. Schlechte Noten vergeben die Deutschen demgegenüber für das soziale Miteinander, die Wohlstandsverteilung und vor allem für den Umgang mit der Umwelt.

Bei vielen Dingen sind sich die Deutschen weitgehend einig und kommen unabhängig vom Alter, dem Einkommen oder aber dem Wohnort zu einem ähnlichen Urteil, z.B. beim sozialen Miteinander, der Mobilität und der Umwelt. Auf anderen Feldern rücken die Bewertungen der einzelnen Bevölkerungsgruppen dagegen deutlicher auseinander, insbesondere in Fragen von Wohnen, Konsum, Digitalisierung und Politik.

Arbeit, Mobilität und Wohnen

Auf die Arbeitswelt des Jahres 2020 schauen die Deutschen insgesamt am wohlwollendsten: Auf die Frage, wie und wieviel wir arbeiten, äußern sich drei Viertel (76 Prozent), auch der Erwerbstätigen (78 Prozent) sehr zufrieden und zufrieden. Ostdeutsche und auch Bezieher niedriger Einkommen bewerten den Zustand der Arbeitswelt nicht so positiv wie Westdeutsche und Bezieher höher Einkommen. Aber auch bei ihnen überwiegt jeweils die Zufriedenheit.

Im Urteil der Bundesbürger folgen die Aspekte Mobilität sowie Bauen und Wohnen. Sechs von zehn zeigen sich zufrieden damit, wie bei uns gebaut und gewohnt wird (59 Prozent). Ebenso viele äußern sich positiv darüber, wie wir uns im öffentlichen Raum fortbewegen (58 Prozent). Gerade die Wohnthematik verweist zugleich auf Spaltungen der Gesellschaft. Bezieher niedriger Einkommen und Bewohner deutscher Großstädte sind in ihrer Wertung deutlich zurückhaltender: Unter ihnen ist nur jeweils jeder Zweite zufrieden, ebenso viele von ihnen üben dagegen Kritik an den aktuellen Verhältnissen.

Konsum, Ernährung und digitale Technologien

Was und wieviel wir einkaufen, liefert für sechs von zehn Bundesbürgern (57 Prozent) Anlass zur Zufriedenheit. Die Zufriedenheit darüber, wie wir uns in Deutschland ernähren, fällt mit 54 Prozent ähnlich aus. Alter und Bildung spielen für das Urteil eine wesentliche Rolle. Insbesondere jüngere Bürger beziehen konsumskeptischere Positionen, ebenso Befragte mit Abitur. Letztere hinterfragen zudem überdurchschnittlich häufig die Art und Weise, wie wir uns aktuell in Deutschland ernähren.   

Der Stand der Digitalisierung in Deutschland überzeugt im Jahr 2020 nur etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung: Wie digitale Technologien derzeit in der Bundesrepublik genutzt werden, bietet in den Augen von 54 Prozent Anlass zur Zufriedenheit, für 42 Prozent dagegen nicht. Auch hier verändert sich die Sichtweise der Deutschen spürbar mit Alter und Bildung: Die Zweifel zum bestehenden Digitalisierungsstand wachsen je jünger die Befragten sind und je höher ihr Schulabschluss ausfällt.

Politik

Sichtbar uneinig sind sich die Bürger in ihrer Haltung zur aktuellen Politik in Deutschland. Wie in Deutschland Politik gemacht wird, sorgt bei etwa der Hälfte (52 Prozent) für Zustimmung, bei ebenso vielen (47 Prozent) für Kritik. Zugleich bestehen deutliche Meinungsunterschiede zwischen gesellschaftlichen Teilgruppen. So kennzeichnet ein deutliches Einkommensgefälle den Blick auf die Politik des Jahres 2020. Während sich Bezieher höher Einkommen überwiegend positiv äußern, hadert unter den Beziehern niedriger Einkommen eine Mehrheit mit der Politik. Zugleich bestehen auch nach drei Jahrzehnten Wiedervereinigung innerdeutsche Trennlinien fort. Der gesamtdeutsche Politikbetrieb wird im Osten überwiegend kritisch bewertet. Anders im Westen, wo die Zufriedenheit überwiegt.

Wohlstandsverteilung, sozialer Zusammenhalt, Umwelt

Einig sind sich die Deutschen in ihrer Kritik an der Wohlstandsverteilung und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt. Insgesamt zwei Drittel (65 Prozent) äußern sich kritisch zur Verteilung des Wohlstands im Deutschland des Jahres 2020. Ähnlich negativ urteilen die Bürger zum sozialen Zusammenhalt: fast zwei Drittel (63 Prozent) zeigen sich unzufrieden damit, wie wir als Gesellschaft miteinander umgehen. Das größte Unbehagen der Bürger zu Beginn des zweiten Jahrzehnts des Jahrtausends aber gilt dem Umgang mit der Umwelt: drei Viertel (75 Prozent) äußern sich kritisch. Nur ein Viertel urteilt derzeit positiv.

Studieninformation
Grundgesamtheit

Bevölkerung in Deutschland ab 14 Jahren

Stichprobe

Repräsentative Zufallsauswahl / Dual-Frame (Festnetz- und Mobilfunkstichprobe)

Erhebungsverfahren

Telefoninterviews (CATI)

Fallzahl

1.009 Befragte

Erhebungszeitraum

03. bis 04. November 2020

Schwankungsbreite

liegt mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit
bei einem Anteilswert von 5 Prozent bei unter 1,4 bzw.
bei einem Anteilswert von 50 Prozent bei unter 3,1 Prozentpunkten.

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